Kenia: Wangari Maathai und die Bäume

"Mama Miti" heißt Mutter 
der Bäume
Die Entscheidung - Wangari Maathais

Marco Wagner

Die Entscheidung - Wangari Maathais

Lauter grüne Gürtel fürs 
Land: Wangari Maathais 
Idee und ihre Hartnäckigkeit ­verschaffte den Frauen 
Kenias mehr Geld und Selbstbewusstsein.

Vorgelesen: Die Entscheidung ""Mama Miti" heißt Mutter der Bäume"

Sie wollte nur einen Baum pflanzen. Private Sicherheitsleute stellten sich ihr in den Weg. Wangari Maathai sollte den Karura-
Wald am nördlichen Rand von Kenias Hauptstadt Nairobi nicht betreten – der werde privatisiert! Die Waffen der Männer schreckten die Umweltaktivistin nicht. Im Gegenteil: "Ich kann nicht gehen, ohne einen Baum gepflanzt zu haben." Sie fing an, ein Loch auszuheben. Und kurz darauf schlugen die Wachen sie mit Knüppeln und Peitschen.

Die Bäume brachten Wangari Maathai an jenem 8. Januar 1999 eine Platzwunde am Kopf ein. Ein zweiter solcher Schlag wäre tödlich gewesen. Doch sie trennte schon lange nicht mehr zwischen ihrem persönlichen Wohlergehen und dem von anderen. Schließlich waren fehlende Bäume auch tödlich. Für das Land, dem das Wasser fehlte, für die Tiere, denen Verstecke fehlten, für die Menschen, denen der Ertrag ihrer Felder und das Brennholz fehlten.

Sie entschied sich für die Bäume

Schon mehr als 20 Jahre vorher, am Weltumwelttag 1977, hatte Wangari Maathai sieben einheimische Bäume – 
Leberwurstbäume, Cordia africana, Tamarinden – gepflanzt, den ersten grünen Gürtel, der ihrer später gegründeten Bewegung "Green Belt Movement" den Namen gab. Zwei der Bäume stehen noch immer im Zentrum von Nairobi.

Wangari Maathai ermutigte Frauen, Baumschulen zu gründen und dann auch solche grünen Gürtel anzulegen, um Land wieder fruchtbar zu machen, nachdem es jahrzehntelang erst von den Engländern und später von Kenianern und internationalen Firmen für großflächige Plantagen gerodet worden war. Sie trieb Geld auf und bezahlte den Frauen ein paar Cent für jeden gepflanzten Setzling, was für viele das erste eigene Ein­kommen war. Wangari Maathai wurde zu "Mama Miti", Suaheli für Mutter der Bäume.

Der Präsident nannte sie "die Verrückte"

Der kenianische Präsident Daniel 
arap Moi regierte Kenia von 1978 an. Er verfolgte dabei vor allem ­seine eigenen, finanziellen Interessen. Wangari Maathai war sein Stör­faktor Nummer eins, er nannte sie "die Verrückte". Sie machte sich nicht nur für die Frauen auf dem Land stark, ­sondern engagierte sich mit ihnen auch gegen Bauprojekte der kor­rupten Regierung und für politische Gefangene. Dafür landete sie mehrfach im Gefängnis.

Wangari Maathai ließ sich nicht einschüchtern. Als merkwürdig galt sie in ihrer Heimat schon lange – schließlich war die Biologin ­Wangari Maathai die erste Kenianerin mit Doktortitel, die erste Professorin an der Universität von Nairobi, dazu selbstbewusst, geschieden. All das, obwohl sie in ärmsten Verhältnissen aufgewachsen war. Sie begeisterte ­
und ermutigte vor allem Kenias Frauen, sich von nichts und niemandem aufhalten und von ihrem Weg abbringen zu lassen. Und ebnete sich damit selbst den Weg ins Amt der stellvertretenden Umweltminis­terin, als 2002 die Regierungspartei wechselte.

Für ihre Hartnäckigkeit bekam sie den Friedensnobelpreis

Kenia verdankt Wangari Maathai demokratischen Geist und den ­Gruppen des "Green Belt Movement" wohl mehr als 50 Millionen Bäume. Auch international tragen Menschen ihre Idee weiter. In Deutschland gründete der damals neun Jahre alte Felix Finkbeiner 2007 die Initiative "Plant-for-the-Planet" und begann, gemeinsam mit anderen Kindern Bäume zu pflanzen. Einmal durfte er sein großes Vorbild Wangari Maathai treffen.

Für ihre Hartnäckigkeit wurde Wangari Maathai 2004 der Friedensnobelpreis verliehen. Als erster schwarzer Frau, als erster Afrikanerin. Als sie davon erfuhr, war sie unterwegs, nördlich von Nairobi. Sie kam in Nyeri an und feierte "auf die schönste Weise, die ich mir vorstellen kann", wie sie in ihrer Autobiografie schreibt: Sie pflanzte einen Baum.

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Lesermeinungen

leider verzichten Sie bei Ihren Ausführungen zu Frau Maathai auf ihre fatale Rolle als Aidsleugnerin. Frau Maathai hat seit 2004 in mehreren Veröffentlichungen, Interviews hahnebücherne Theorien zur Entstehung und Ausbreitung von Hiv verbreitet, denen zufolge das HI-Virus eine Erfindung böser weisser Mächte im Labor sei mit dem alleinigen Zweck, die afrikanische Bevölkerung zi dezimieren. Mit derartigem Unsinn ist Frau Maathai direkt verantwortlich für die viel zu grosse Ausbreitung dieses Virus in Afrika und zahlreiche Aidstote.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihr Bericht über die kenianische Friedensnobelpreisträgerin von 2004, Wangari Maathai, Gründerin des „Green Belt Movement“, erinnert nicht nur an den Träger des Alternativen Nobelpreises und australischen Agrarökonomen Tony Rinaudo mit seinen Aktivitäten zur Bepflanzung der Sahara-Wüste, sondern ist auch höchst aktuell. Denn Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben gerade in Berlin eine Studie vorgestellt, in der sie herausgefunden haben, dass die Weltgemeinschaft zwei Drittel der von Menschen gemachten CO 2 – Emissionen binden könnte, wenn sie Wälder im globalen Maßstab aufforstet. Die Erde könnte ein Drittel mehr Wälder vertragen, ohne dass Städte oder Agrarflächen beeinträchtigt würden. Es besteht dadurch das Potenzial, die weltweite Waldfläche um 0,9 Millionen Hektar zu vergrößern, eine Fläche, die der Größe der USA entspricht.
Bis Anfang dieses Jahres haben sich laut Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, 48 Staaten der sogenannten „Bonn Challenge“ und der „African Forest Landscape Restoration Initiative“ (AFR 100) angeschlossen. Das bedeutet, dass sie sich verpflichten, in den nächsten zehn Jahren etwa 250 Millionen Hektar Wald zu pflanzen. China will zum Beispiel durch massive Aufforstung knapp ein Viertel seiner gesamten Fläche begrünen, um seiner Umweltprobleme Herr zu werden, während der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro zum Schrecken der Umweltschützer angekündigt hat, eine Straße durch den Regenwald des Amazonas asphaltieren zu lassen und damit der größten „Grünen Lunge“ der Erde neben der weiteren Abholzung des Tropenwaldes zugunsten des Soja-Anbaus unermesslichen Schaden zufügt.
Mit freundlichen Grüßen