Mail aus Australien: Buschfeuer

Nationale Krise, kein Chaos
Posteingang - Melbourne

Erik Anderson / imago images

Pendler im Rauchdunst von Buschfeuern in Melbourne Mitte Januar.

MELBOURNE SMOKE HAZE, Morning commuters are seen through smoke haze from bushfires in Melbourne, Tuesday, January 14, 2020. Smoke haze from the East Gippsland bushfires has drifted across Victoria reaching Melbourne prompting health warnings.
MELBOURNE SMOKE HAZE, Die Pendler werden am Dienstag, 14. Januar 2020, durch den Rauchdunst von Buschfeuern in Melbourne gesehen. Der Rauchdunst von den Buschfeuern in East Gippsland hat sich über Victoria hinweg bis nach Melbourne verzogen und führt zu Gesundheitswarnungen.

Klar ist das Ausmaß der Brände eine Folge des von Menschen gemachten Klimawandels, sagt die australische Feuerwehr

Aus Deutschland erreichen uns viele besorgte An­fragen ­wegen der Buschfeuer. Die Feuer wüten seit Januar auch in ­unserem Bundesstaat Victoria sowie auf der Insel Tasmanien, die etwa 200 Kilometer vor der Küste Melbournes liegt. Von den Feuern hatten wir an mehreren Tagen Brandgeruch in der Luft. Aber in Melbourne sind alle sicher. Brände werden hier schnell gelöscht. Das ist anders im Busch mit seinen riesigen Flächen an ausgetrocknetem Grasland und Wald.

Pastor Christoph Dielmann

Christoph Dielmann ist Pfarrer an der Deutschen Ev.-Luth. Dreifaltigkeitskirche in Melbourne.
PrivatPastor Christoph Dielmann

Das Feuer stellt durchaus eine ­nationale Krise dar, aber ein Chaos haben wir nicht. Die Feuerwehr informiert die Öffentlichkeit sehr intensiv. Jeder kann sich online über jedes noch so kleine Feuer in der Nähe oder Ferne informieren und so seine eigene Lage oder die der Verwandten und Freunde einschätzen. Es gab erstaunlich wenige Todesfälle. Die gute Information rettet permanent Leben.
Das Wort führen die fire chiefs, die Führungskräfte der Feuerwehr. Man hört auf sie, zum Beispiel, wenn ein Ort evakuiert werden muss. Und sie sprechen auch grundsätzlich Klartext. Die ehemaligen fire chiefs der betroffenen Bundesstaaten traten im Dezember gemeinsam vor die ­Kameras und erklärten: Die Tragödie hinter dem Buschfeuer ist die Klima­erwärmung. Wetterlagen, die schon immer extrem waren, würden noch extremer. Buschfeuer habe es im ­heißen Outback immer gegeben. Aber in den vergangenen zehn Jahren seien sie größer geworden, sie treten zu ungewöhnlichen Zeiten auf, etwa im Frühling, und an bisher unüblichen Orten, zum Beispiel in Regenwäldern. Deswegen fordern die fire chiefs auch: Mehr Aktion für das Klima! 

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