Gestrandet auf der Weihnachtsinsel

Asylsuchenden Männer aus Sri Lanka auf dem Weg nach Australien Foto: Oscar Siagian/iStockphoto / Getty Images

Der Pfarrer Matthias Kunze mit einer E-Mail aus einer deutschsprachigen Gemeinde in Melbourne, Australien

Die Weihnachtsinsel liegt im Indischen Ozean, mehr als 1500 Kilometer von Australien entfernt, wozu sie politisch gehört. Die Küste der abgelegenen Insel ist schroff und abweisend. Doch immer wieder versuchen Bootsflüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan, Sri Lanka oder dem Irak, hier an Land zu gehen, um in Australien Asyl zu beantragen.

Das Thema Boatpeople spaltet die australische Gesellschaft. Zwar gehört es hier zum guten Ton, nicht über Politik zu sprechen, doch die Meinungen sind allzu gegensätzlich. Für manche sind die Bootsflüchtlinge illegale Einwanderer, die „sich vordrängeln“, statt erst einmal ein Visum zu beantragen. Allerdings ist es in den meis­ten der Herkunftsländer unmöglich, ein solches zu bekommen. Und ohne Visum und Reisepass nimmt einen keine Fluggesellschaft mit. Die australische Regierung warnt mit abschreckenden Plakaten, Fernseh- und Radiospots in vielen Sprachen vor der Einreise über den Seeweg: zu gefährlich und zudem aussichtlos. Im Rahmen der von einem Militärkommandeur ge­leiteten Operation „Sovereign Borders“ (Souveräne Grenzen) werden Boote auf hoher See abgefangen. Die Flüchtlinge kommen in Internierungslager außerhalb von Australien, im Inselstaat Nauru oder in Papua Neuguinea. Auch nach einem ­positiven Asylbescheid dürfen sie nicht ins Land, sondern werden in Papua Neuguinea oder in Kambodscha eingebürgert.

Es gibt viele Australier, die diese Entwicklung kritisch beobachten, Einzel­personen, Gruppen und Kirchgemeinden, die sich für Flüchtlinge und für eine humane Einreisepolitik engagieren. Auch bei uns in der Gemeinde ist das ein Thema. Passend zum Jahresmotto 2014 „Reformation und Politik“ der Lutherdekade diskutieren wir intensiv die Fragen, die dem Umgang mit Asylsuchenden zugrunde liegen: Gibt es eine „christliche“ – oder nicht doch nur vernünftige oder unvernünftige Politik? Und: Wofür steht „christlich“, außer für den Glauben an Jesus Christus? Diese Fragen sind hier so aktuell wie in Deutschland.

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