Kostenlose Operationen auf den "Mercy Ships"

Die Erste und die Einzige
Projekt - Die Erste und die Einzige

Miguel Ottaviano / Mercy Ships

Die Chirurgin Odry Agbessi (rechts) auf dem Krankenhausschiff "Africa Mercy"

Projekt - Die Erste und die Einzige

Mercy Ships ermöglicht kostenlose Operationen in Afrika. Gemeinsam mit seinen Partnerländern verbessert es die medizinische Infrastruktur.

Da war diese Frau, die nur noch zu ­Boden ­blicken konnte. Wenn Odry ­Agbessi gefragt wird, warum sie plastische ­Chirurgin wurde, dann erzählt sie immer, wie sie als Zwölfjährige einen Spendenaufruf im Fernsehen sah. Ein Mann hatte einer ­jungen Frau Säure ins Gesicht geschüttet, offenbar aus ­Rache, weil sie ihn abgewiesen hatte. Ihre Wunden ­waren narbig verheilt, die Haut an Kinn, Hals und ­Schultern hatte sich dabei so zusammengezogen, dass sie den Kopf nicht mehr aufrecht strecken konnte. In Benin konnte das niemand behandeln, sie brauchte Geld, um im Ausland operiert zu werden.

Studium in Marokko

Odry Agbessi ist die erste und einzige plastische ­Chirurgin in Benin. Sie operiert Babys mit Lippen-, ­Kiefern-, Gaumenspalten, die sonst kaum essen und trinken können. Patienten mit Tumoren und Geschwüren und immer wieder Menschen mit Verbrennungen, weil viele hier mit offenem Feuer kochen und heizen. In dem französischsprachigen Staat an der afrikanischen Westküste hat sie auch keine männlichen Fachkollegen. Allgemeine Chirurgen führen solche Operationen zwar auch manchmal durch, aber ihnen fehlt das spezielle Studium, das Agbessi in Marokko ab­solvierte – übrigens gegen den Willen ihres Vaters, der Angst um seine Tochter hatte.

Agbessi ist trotzdem nicht allein, das liegt an Mercy Ships. Die private Hilfsorganisation schickt seit 1982 Krankenhausschiffe in Länder mit mangelhafter ­Gesundheitsversorgung. Die Schiffe bleiben jeweils ein paar Monate vor Ort, medizinische Fachleute bilden andere weiter – und behandeln kostenlos Patienten.

Fachkräfte aus 45 Nationen

Odry Agbessi nahm 2016 an einem Mentorenprogramm auf der "Africa Mercy" teil, als diese vor Benin lag. Ein Koloss von Klinik auf rund 1200 Quadratmetern: fünf Operationssäle, 82 Krankenbetten, Labor, Apotheke, 474 Kojen für die Fachkräfte aus 45 Nationen, die ehrenamtlich hier arbeiten, zum Teil in ihrem Jahresurlaub. ­Agbessi hatte gerade ihr Studium in Marokko beendet und sich auf ihr Herzensanliegen spezialisiert: Versteifungen zu lösen, die durch Verbrennungsnarben entstehen. Das geschieht etwa durch Hauttransplantationen. Ihr Problem: Sie konnte das kaum üben. In Marokko kommt es meist gar nicht erst so weit. Auf dem Schiff operierte sie an der Seite eines erfahrenen Spezialisten.

Odry Agbessi arbeitet heute in der Universitätsklinik in Benins Regierungssitz Cotonou. Sie hat eine Hilfs­organisation gegründet, die sich unter anderem gegen die Verbreitung von Covid-19 engagiert. Und gibt ihr Wissen weiter, unter anderem auch auf der "Africa Mercy". Sie ist immer noch die einzige Fachfrau für plastische Chirurgie in Benin, aber das wird sich ändern. Ein paar Nachfolger sitzen jetzt an der Uni.

Spendeninfo

Mercy Ships Deutschland e. V. 
Rudolf-Diesel-Str. 5
86899 Landsberg am Lech
Telefon: 08191 98 550-0
Mail: mail@mercyships.de 

Spendenkonto:
Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren
IBAN: DE58 7345 0000 0000 5244 47
Stichwort: chrismon

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Lesermeinungen

Hallo,
da stimmt doch was nicht: Ein Koloss von Klinik auf 1200 Quadratmetern? Sin das alles Minizellen? Ich habe ungläubig nachgeschaut und stelle fest, dass die Maße des Schiffes bereits fast 3000 qm umfassen. Und wie viele Decks gibt es? Fehlt in dem Artikel eine Null?
Mit besten Grüßen
Walter Stupp