Interplast schickt plastische Chirurgen nach Brasilien

Das andere Dschungelcamp
OP-Wochen in Coroatà - Interplast Germany

OP-Wochen in Coroatà - Interplast Germany

Susanne Beimann

Plastische Chirurgen operieren in Nordbrasilien Fehlbildungen und Verbrennungsnarben

Bei der Ankunft in der nordbrasilianischen Kleinstadt Coroatá war Susanne Beimann etwas verzagt, ob sie die zwei Wochen durchhalten würde. Die Dortmunder Fotografin war mit einem zehnköpfigen deutschen Ärzteteam der Hilfsorganisation Interplast unterwegs. Sie sollte dokumentieren, wie die Chirurgen in einer provisorischen Klinik Missbildungen korrigieren, verbrannte Haut transplantieren, Tumore herausschneiden, das alles bei 40 Grad in einem Dschungelgebiet. 

„Das ist unser Urlaub...“, sagt André Borsche etwas ­süffisant. Der plastische Chirurg gehört zum Vorstand von Interplast und war oft in Brasilien dabei. „Ja, es ist strapa­ziös. Aber ich genieße auch das Campgefühl. So intensiv arbeitet man sonst nirgends miteinander.“ Auf Neudeutsch hieße es „Pop-up-Klinik“: Das ehemalige Konventgebäude des Solanusordens am Rande von Coroatá öffnet nur zwei Mal im Jahr – wenn das Interplast-Team kommt, das vor Ort mit brasilianischen Fachkräften zusammenarbeitet. Eine Ordensschwester kümmert sich in der Zwischenzeit ums Haus. Sie bereitet die OP-Wochen vor und informiert Patienten, die zum Teil Hunderte Kilometer Anfahrt haben. Wenn dann der Bus mit den Ärzten vorfährt, warten schon etliche Menschen im Innenhof, darunter sehr viele Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Diese angebore­nen Fehlbildungen – bei uns früher als „Hasenscharte“ oder „Wolfsrachen“ bezeichnet – werden in Deutschland schon im Säuglingsalter operiert. Rund um Coroatá aber finden die Eltern keine Operateure dafür, sagt André Borsche. Kaum ein Chirurg verirre sich in diese arme Region, in den Krankenhäusern wird somit erst mal das behandelt, was akut lebensbedrohlich ist, etwa Blinddarmdurchbrüche. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten aber belasteten durch die Entstellung die ganze Familie und erschwerten zum Teil das Essen und Sprechen. „Für uns Chirurgen ist das übrigens eine wunderbare Aufgabe. Die OP ist relativ einfach und das Ergebnis umwerfend.“

Viele Patienten kommen auch mit Verbrennungs­narben – in dieser Gegend kochen die Menschen am offenen Feuer. Das Problem: Die Haut wächst nicht mehr mit, so leiden vor allem Kinder und Jugendliche an Schmerzen. Und nicht immer sind es Unfälle. Susanne Beimann etwa traf eine junge Frau, die ausgeraubt und niedergestochen ­worden war, ihr Haus wurde angezündet. Trotz großflächiger Narben im Gesicht und an den Armen habe sich die junge Frau nicht vor der Kamera versteckt, sagt Beimann.

„Unsere Blicke begegneten sich, sie strahlte, posierte, warf mir lachend Küsse zu.“ Begegnungen wie diese hatte ­Susanne Beimann viele, auch sie war am Ende von fünf Uhr morgens bis 22 Uhr auf den Beinen, wie die Ärzte. 408 Arztkonsultationen, 116 Operationen – für Berührungsängste war da einfach keine Zeit.  

Spendeninfo

Interplast

Spenden: Für die OP-Wochen in Coroatá:
Interplast Germany, Sektion Stuttgart/Münster,
IBAN: DE81 6405 0000 1019 1370 97,
Kreissparkasse Reutlingen,
Stichwort: chrismon/Coroatá

Informieren: Interplast Germany e. V. organisiert Einsätze in Afrika, Asien und Südamerika.  interplast-germany.de

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Zweimal im Jahr öffnet in der nordbrasilianischen Kleinstadt Coroatá eine Klinik. Dann operieren Ärzte der Hilfsorganisation Interplast Fehlbildungen und Verbrennungsnarben. Die Fotografin Susanne Beimann hat sie im Herbst 2016 begleitet.

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