125 Jahre Bahnhofsmission

Einsam im Bahnhofsgewusel
Einsam im Bahnhofsgewusel

Werner Krüper / Bahnhofsmission

Es kommen an Weihnachten auch oft Menschen, die Kleidung oder eine warme Unterkunft brauchen und weitervermittelt werden wollen

Einsam im Bahnhofsgewusel

1894 wurde die erste Bahnhofsmission eröffnet. Heute suchen hier auch viele einsame Menschen nach Hilfe.

In 104 Bahnhöfen in Deutschland gibt es Bahnhofsmissionen. Die erste wurde 1894 am heutigen Berliner Ostbahnhof eröffnet.

chrismon: Warum wurde vor 125 Jahren die erste Bahnhofsmission eröffnet?

Klaus Dieter Kottnik: Damals kamen an diesem Bahnhof viele junge Frauen aus Schlesien an, um in Berlin Arbeit zu suchen. Der ­Pfarrer der Marienkirche und engagierte Berlinerinnen wollten verhindern, dass die Frauen auf die schiefe Bahn geraten. Sie haben sie in Empfang genommen und geholfen, Übernachtungsmöglichkeiten und Arbeit zu finden.

Klaus-Dieter Kottnik

Klaus Dieter Kottnik ist Theologe und seit 2017 Vorsitzender des ­Verbandes der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission.
PRKlaus-Dieter Kottnik

Claudia Keller

Claudia Keller ist chrismon-Redakteurin und zusammen mit Burkhard Weitz verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Sie hat Geschichte und Literaturwissenschaft in Köln und in den USA studiert und war viele Jahre Redakteurin beim "Tagesspiegel" in Berlin. Sie interessiert sich für religiöse und ethische Fragen und schreibt gern über Auf- und Umbrüche des Lebens. Einmal ist sie bei Recherchen sogar zufällig auf ein Geheimnis in der eigenen Familie gestoßen und hat einen Bruder gefunden, von dem sie nichts wusste.
Lena UphoffPortrait Claudia Keller

Wem hilft die Bahnhofsmission heute?

Menschen, die neu in die Stadt kommen und Unterkunft und Ansprechpartner suchen, psychisch kranken Menschen, auch vielen Wohnungslosen. Für 60 Prozent unserer ­Gäs­te ist die Bahnhofsmission der einzige Ort, wo sie sich akzeptiert fühlen.

Kommen auch vermehrt Einsame?

Einsamkeit ist sehr verbreitet in unserer Gesellschaft, das merken auch wir. Etliche Bahnhofsmissionen sind Anlaufstellen für Menschen, die eine Wohnung haben, ein Einkommen, aber niemanden zum Reden. Die Kolleginnen und Kollegen etwa in Halle machen jeden ­Morgen Frühstück für einsame Leute.

"Wer helfen will: einfach anrufen!"

Die Weihnachtstage sind für Alleinstehende oft besonders schwierig.

In großen Städten haben die Bahnhofsmis­sionen über Weihnachten offen, in manchen Bahnhöfen laden sie Heiligabend zum Gottes­dienst und zum gemeinsamen Essen ein. Es kommen an Weihnachten auch oft Menschen, die Kleidung oder eine warme Unterkunft brauchen und weitervermittelt werden ­wollen. Wir sind froh, wenn wir gerade an diesen 
Tagen Unterstützung bekommen, auch 
durch Sachspenden. In Leipzig hat 2018 jemand Schokoladennikoläuse vorbeigebracht, mit denen wir Menschen eine Freude gemacht haben, 
die sonst nichts haben. Wer helfen will: Einfach 
bei der Bahnhofsmission anrufen und fragen, was zu tun ist.

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