Islam: Köln erlaubt den Muezzinruf

Riskant, aber richtig
In Köln dürfen Moscheen freitags öffentlich zum Gebet rufen. Das gebietet die Religionsfreiheit

"Allahu akbar, Gott ist der Größte", beginnt der islamische Gebetsaufruf. In Köln wird er freitags wohl öfter zu hören sein. Die Stadt erlaubt Muezzins unter bestimmten Voraussetzungen, öffentlich hörbar zum Freitagsgebet einzuladen. Das ist ein mutiger Schritt, und er ist richtig. Die Religionsfreiheit des Grundgesetzes gilt für alle. Kirchengemeinden rufen durch Glockenläuten zum Gebet, Moscheegemeinden durch den Muezzinruf. 

Claudia Keller

Claudia Keller ist stellvertretende Chefredakteurin von chrismon. Davor war sie viele Jahre Redakteurin beim "Tagesspiegel" in Berlin.
Lena UphoffPortrait Claudia Keller

Bisher argumentierten Kommunen mit dem Bundes-Immissionsschutzgesetz: Der Muezzinruf sei für die Umgebung zu laut. Das ist ein wichtiges Argument. Auch Kirchenglocken dürfen nicht beliebig laut zu jeder Tages- und Nachtzeit läuten. 

Was rechtlich möglich ist, das ist das eine. Das andere ist, ob die Kölner und Kölnerinnen das Experiment akzeptieren. Das Glockenläuten ist vielen Menschen in Deutschland vertraut. Vermutlich aber wünschen sich nur wenige, die neben einer Moschee wohnen, frühmorgens vom Muezzin geweckt zu werden. 

Deshalb ist es klug, dass die Stadt Auflagen macht: Die Muezzins dürfen nur freitags zwischen 12 und 15 Uhr rufen, höchstens fünf Minuten lang, und bestimmte Dezibelhöhen nicht überschreiten. Die Moscheegemeinden müssen einen Vertrag mit der Stadt schließen und die Nachbarn informieren. Und wenn die Gemeinden klug sind, bemühen sie sich darüber hinaus um ein gutes Verhältnis zu ihnen. Nach zwei Jahren wird das Modellprojekt evaluiert. Es kann scheitern.

Es kann aber auch gelingen. So wie in Düren. Dort ruft der Muezzin seit 20 Jahren zum Gebet. Große Proteste gab es nicht. 2016 sagten Dürener im Deutschlandfunk, sie würden den Ruf gar nicht mehr hören, so sehr hätten sie sich daran gewöhnt. 

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Lesermeinungen

Ich frage mich schon, ob die frau keller es auch so richtig findet, dass durch den islam frauen, religiöse minderheiten, homosexuelle unterdrückt werden!
Vielleicht würde einmal ein besuch im iran, afghanistan oder pakistan, die frau keller wieder auf den boden der realität zurück holen.

Mfg ramon