Karneval: Annegret Kramp-Karrenbauer über das dritte Geschlecht

Das Gegenteil von Karneval
CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die fünfte Jahreszeit nicht verstanden.
Deutschland spricht 2019

Darf man jetzt gar keine Witze mehr machen? Nicht mal an Karneval? Schwer zu sagen, was empörter war: die Reaktionen auf die Büttenrede von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, in der sie sich über intersexuelle Menschen lustig machte? Oder die Reaktionen auf die Reaktionen?

Am 28. Februar hat Kramp-Karrenbauer bei einem Auftritt in Stockach am Bodensee gesagt: "Guckt euch doch mal die Männer von heute an: Wer war denn von euch vor Kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen! Das ist für die Männer, die nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen oder schon sitzen müssen! Dafür – dazwischen – ist diese Toilette."

Das Problem ist nicht, dass man keine Witze mehr machen darf. Das Problem ist, wer welchen Witz machen darf. Frau Kramp-Karrenbauer hat Karneval missverstanden. Die ursprüngliche Bedeutung der "fünften Jahreszeit" ist es nämlich, die Verhältnisse auf den Kopf zu stellen. "Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet", lautet angeblich eine Inschrift aus babylonischen Zeiten, die auf eine frühe Form von Karneval hinweist.

Michael Güthlein

... findet, dass Politiker beim Karneval auf einer Bühne grundsätzlich nichts zu suchen haben. Wenigstens einmal im Jahr sollten sie demütig zuhören müssen.
Lena UphoffMichael Güthlein, chrismon-Redakteur

Karneval ist also ein Ventil, eine Möglichkeit, um ungestraft - und unerkannt (daher die Kostüme und Masken) - Dampf abzulassen. Und zwar von unten nach oben. Deswegen wird bis heute ein Prinzenpaar aus dem Volk gewählt, werden Rathäuser gestürmt, Männer bekommen beim Weiberfasching das phallische Machtsymbol, die Krawatte, abgeschnitten. Bei den Büttenreden ziehen die "einfachen" Bürger seit Jahrhunderten über ihre Regierenden her, mit Karnevalswagen machen sie sich polemisch über "die da oben" lustig.

Frau Kramp-Karrenbauer hingegen nutzt die Narrenbühne, um ihre politischen Überzeugungen als "Witz" zu verschleiern. Dass sie ein Problem mit allem hat, was sich von der heterosexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau unterscheidet, ist hinlänglich bekannt. Sie macht keinen Hehl daraus, wenn sie die Ehe für alle mit Verwandtenehe gleichsetzt.

Frau Kramp-Karrenbauer steht ganz oben und tritt nach unten. Das ist so ziemlich das Gegenteil von Karneval.

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Lesermeinungen

Über fehlenden, gesunden Menschenverstand und unnatürliche Umdeklarationen der Geschlechter kann man sich schon lustig machen, zumal wenn die einschlägigen politischen Protagonisten auf die Anerkennung der Richtigkeit ihrer Hirngespinste auch noch Wert legen. Noch nie wurde die Natur des Menschen „intellektuell“ so verbogen wie heute. Der angebliche Respekt vor dem Menschen ist genau das Gegenteil bei auferzwungener Frühsexualisierung (und nahegelegter Umsexualisierung) und eine Entmündigung der Eltern gleich dazu.

Insofern haben die verbiesterten Humorlosen wieder mal nichts verstanden. Was für schreckliche Zeiten kommen noch auf uns zu, wenn man schon aus einer Karnavalseinlage eine Staatsaffaire macht!? Eine maßlose Verirrung. Einfach mal locker bleiben. Nicht aus jedem Pups eine Wissenschaft machen!

Herr Güthlein hat nicht nur den Humor auf den Kopf gestellt. AKK steht seit über 20 Jahren in der Bütt. Und jetzt soll sie das nicht mehr tun dürfen? Und dann wird ihr aus der (veganen?) intellektuellen medialen "Randzonengsellschaft" auch noch mitleidig erklärt, was sie zu denken oder zu sagen hat. Die gleiche Gesellschaft beklagt doch auch, dass viele Politiker keine klaren Standpunkte vertreten, nicht überzeugend sind und zu gerne in Phrasen flüchten. Gleichzeitig wird versucht, uns mit unverhohlener Mainstreampropaganda zu suggerieren, dass alle Welt nur noch auf das 3. Geschlecht gewartet hat und diese unsere größte Aufmerksamkeit verdient. Warum eigentlich?

Psychische Probleme sind als "Salz in unseren täglichen Daseinswunden" normal. Jeder hat seine eigenen. Mit diesen Problemen vernünftig umzugehen, ist Lebensweisheit. Und es ist der, warum auch immer, von diesen Kreisen verunglimpfte "Normalbürger", der täglich diese persönlichen Leistungen vollbringt. Stattdessen wird von den Medien den "Weinerlichen" die größte Bedeutung zugestanden.

Dabei gibt das Thema wesentlich mehr her. Die Notdurft ist doch eine menschliche Regung, die zwangsläufig ist, in die größten Nöte führt, die wie die Luft zum atmen absolut lebensnotwendig ist. Selbst diese "Not" wurde inzwischen kommerzialisiert. Man muß zahlen wenn man muß. Diesen Zwang jetzt auch noch zu einem 3. geschlechtlichen Unterscheidungsmerkmal zu machen ist doch eine aberwitzige Anmaßung. Haben diese Befürworter keine wichtigeren Probleme, nichts Besseres zu tun? Die Zahl und die Sauberkeit von öffentlichen Toiletten ist wichtiger als die verkrampfte Genderisierung, die allen Animositäten rechnungtragen will.