Barbara Schöneberger und Wladimir Kaminer über Humor

"Kann man auch ­Langweiler küssen?
Begegnung - Barbara Schönberger und Wladimir Kaminer

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Begegnung - Barbara Schönberger und Wladimir Kaminer

Niemals, sagt Wladimir Kaminer. Och, wenn der Body ansprechend ist, geht das schon, sagt Barbara Schöneberger. Ein Gespräch über Humor in harten Zeiten.

Barbara Schöneberger: Wladimir, wo bist du, ich kann dich nicht sehen!

chrismon: Jetzt sehen Sie sich, oder?

Wladimir Kaminer: Darf ich eine Frage stellen?

Klar!

Kaminer: Hören mich alle?

Ja, wir hören Sie alle. Frau Schöneberger, Herr ­Kaminer, alles lacht über Pandemie-Comedy. Was genau ist eigent­lich witzig an Corona?

Kaminer: Natürlich ist Corona schrecklich, aber es ist auch neu. Normalerweise schreibe ich über Menschen, die in einer stinknormalen, langweiligen Welt auf einmal durchdrehen und etwas Verrücktes machen. Jetzt ist es umgekehrt. Die Welt spielt verrückt, und Menschen wollen eigentlich ihr langweiliges, ordnungsvolles Leben weiterführen wie früher, aber es geht nicht. Das ist für einen Geschichtenerzähler ein Glück, da muss ich nicht weit fahren, um meine Geschichten zu sammeln, ich bekomme sie aus dem engsten Kreis. Ohne die Wohnung zu verlassen.

Schöneberger: Ich neige immer dazu, jedes Problem so lange zu umkreisen, bis ich es aus einem Blickwinkel ­sehe, der mir dann gefällt. Das geht natürlich nur, weil es in ­meiner Umgebung keine schweren Verläufe gab. Ich bin nicht existenziell bedroht, die Jungen und Alten ­haben es schwerer als ich. Meine Generation wartet ja ohnehin schon ein Leben lang darauf, endlich mal in Ruhe zu ­Hause zu sein.

Barbara Schöne­berger

Barbara Schöne­berger, Jahrgang 1974, moderiert im Fern­sehen und bei Events, sie ist ­Entertainerin und Sängerin. Die Tochter eines Solo­klarinettisten studierte Soziologie und Kommunikations­wissenschaft in ­Augsburg und begann gleichzeitig ihre Fernseh­karriere. Ihr erster großer Erfolg war "Blondes Gift". Seit 2008 moderiert sie mit Hubertus ­Meyer-Burckhardt die NDR-Talkshow. Im April ist sie bei LOL dabei, "Last One Laughing", einer ­Comedyshow bei Amazon. Barbara Schöneberger lebt in Berlin.
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Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer, geboren 1967 in ­Moskau, schreibt ­Bücher und Kolumnen und veranstaltet in einem Berliner Club die "Russendisko" – mit russischer ­Popmusik und Underground. 2020 ­erschien "Die Kreuzfahrer", im April kommt bei Random House sein neues Buch "Der verlorene Sommer" heraus – mit Corona-­Geschichten. Ein ­Kinderbuch über die Schöpfung, "Das Leben ist kein Joghurt", erschien in der edition chrismon. Wladimir Kaminer lebt in Berlin.
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Hilft den Menschen das Lachen in so einer Situation, will man durch Lachen da vielleicht auch mal raus?

Schöneberger: Ja, das kann man an den Quoten sehen – die Leute sehnen sich nach Ruhe und Harmonie. Wir sind in der NDR-Talkshow ja zwangsläufig ruhig geworden, es gibt kein Publikum mehr, weniger Gäste, es ist nicht mehr so quirlig, sondern konzentriert und harmonisch. Das ­lieben die Leute. Sie wollen es nicht konfrontativ, sie wollen sich unterhalten.

Frau Schöneberger, wie checken Sie ab, worüber die Leute lachen wollen und wie weit Sie gehen können?

Schöneberger: Erfahrung. Auch wenn ich mich immer noch fühle, als hätte ich gerade Abitur gemacht, bin ich ja doch seit 20 Jahren beim Fernsehen und vor allem in der Eventbranche. Bei den Events stehe ich vor Publikum, mal 200, mal 2000 Menschen, ich moderiere den Abend, interviewe den Vorstand und dann noch den Betriebsrat, kündige Künstler an, und dabei muss ich immer wissen: Was sind das für Menschen, sind die freiwillig da, sind es Männer oder Frauen? Wer hat das letztes Jahr moderiert, Kai Pflaume oder Palina Rojinski? Aus diesen ­Faktoren kann ich mir meine Humorfarbe raussuchen. Oft merke ich das schon beim Reinkommen, wie die Leute drauf sind, und dann passe ich mich an. Ich liebe ein über­wiegend weibliches Publikum. Frauen können eher über sich lachen, über ihren Körper, dann kann ich auch über meinen Körper Witze machen und weiß, mein Publikum versteht mich.

Sind Frauen leichter zu unterhalten, Herr Kaminer, ­lachen die über andere Sachen?

Kaminer: Na ja, in allen kulturellen Bereichen, außer Fußball vielleicht, sind die Frauen ganz vorne. Die Zielgruppe für Buchverlage sind Frauen über 40. Als gäbe es keine anderen Menschen. Meine Erfahrung ist aber, dass ­Männer und Frauen, Jung und Alt, gleich gut lachen können, ge­rade über die Tragödien des Lebens. Weil sie merken, dass sie nur so die Tragödien überwinden können.
Frauen müssen sich ja oft derbe frauenfeindliche ­Sprüche anhören . . .

"Wenn ich mit hochgeschnallten Brüsten dastehe und das als Angriffsfläche biete, muss ich damit umgehen können" - Schöneberger

Schöneberger: Ich empfinde die meisten Sprüche – auch wenn sie derb sind – nie so frauenfeindlich. Vieles ­überschreitet natürlich eine Grenze, und wie immer ist da Intelligenz von beiden Seiten gefragt. Aber bevor der Mann mir gegenüber einen blöden Spruch macht, habe ich meistens schon ihm gegenüber einen gemacht, der sexuell referenziell ist. Ich provoziere das ja auch, durch Auf­treten, Aussehen, Kleidung. Wenn ich mit hochgeschnallten Brüsten dastehe und das mehr oder weniger als Angriffsfläche biete, dann muss ich damit umgehen können. In der Regel haben die Typen aber eher Angst vor mir, als dass sie sich aus dem Fenster lehnen.

In Ihrer neuen Sendung LOL, "Last One Laughing", versuchen zehn tolle Comedians, sich gegenseitig zum ­Lachen zu bringen, aber der Gag ist: Lachen darf man nicht, wer lacht, fliegt raus. An was denkt man, wenn man auf keinen Fall lachen will? An die Steuererklärung?

Schöneberger: Ich bin ein totaler Genussmensch, ich habe da mitgemacht, weil ich dachte, super, das probiere ich mal. Und ich habe gemerkt: Das Lachen-wollen-und-nicht-Dürfen ist fast noch schöner als das Lachen selber. ­Manche Kollegen haben sich Strategien zurechtgelegt. Ich habe einfach versucht wegzuhören. Aber lachen ist schön! Und in so einem ernsten Setting nicht lachen zu dürfen, wenn es doch so lustig ist – das ist wirklich wie Folter.

Wladimir, woran würden Sie denken? An den KGB?

Kaminer: Ich lache sehr selten. Ich kann gut Witze erzählen, ich kann andere zum Lachen bringen, aber selbst bin ich eher ein trauriger Mensch. Ich glaube, ich bin zu geizig zum Lachen. Ich will mir die Witze sofort merken und für später behalten.

Geizig heißt auch: Wer Sie zum ­Lachen bringt, kann sich was drauf einbilden, oder?

Kaminer: Auf jeden Fall.

Die Idee der Sendung ist ja wie im Kinderspiel: Luft anhalten, bis einer nicht mehr kann . . .

Schöneberger: Machen wir in meiner Familie jeden Morgen. Wer als Erstes was sagt, der hat verloren. Weil man einfach mal seine Ruhe haben will. Aber da hält keiner lange durch. Ich brauche schon diese Bedingungen, diesen Druck und so viel hochkarätiges Personal, dass ich wirklich versuche, mich zusammenzureißen. Am Ess­tisch weiß man ja, da passiert nichts.

"Mich hat meine ­Tochter aufgeklärt, dass ich sexistisch und rassistisch bin, das habe ich nicht gewusst" - Kaminer

Kaminer: Meine Kinder lachen vor allem, wenn wir über die Weltlage diskutieren. Wenn es um Rassismus und ­Sexismus geht. Sie regen sich natürlich auch auf, aber wenn wir länger reden über das Versagen der Älteren und die Zukunft der Jungen, dann fangen sie an zu lachen.

Was ist daran komisch?

Kaminer: Das sind zwei Welten. Die Archaik und die ­Moderne. Die Archaik funktioniert nicht mehr, sie hat ­keine Autorität mehr und kann nichts mehr erklären. Und die Moderne ist noch zu klein. Sie kommt noch nicht klar in dieser heißen Welt. Aus diesem Konflikt, wobei jeder von uns einen Teil von beidem in sich trägt, entsteht der beste Humor zurzeit.

Aber Menschen sind neuerdings auch schnell beleidigt?

Schöneberger: Oh ja! Ich finde, dass da ein bisschen ­kontextuelles Denken gefragt ist. Dass man sich klarmacht, wer da gerade welche Information durch welchen Kanal sendet. Es ist doch ein Unterschied, ob das Dieter Nuhr sagt oder meinetwegen ich – oder ob es ein QAnon-­Anhänger sagt. Wenn da eine auf der Bühne steht, die schon immer eine dicke Schnauze riskiert hat, dann sollte man bestimmte Sprüche auch einordnen und vor allem sich nicht so schnell direkt persönlich angegriffen ­fühlen. Natürlich müssen wir alle manches überdenken, wir ­wünschen uns alle eine gerechte Welt, keine Frage. Aber oft schickt jeder seine Stimme durch irgendeinen Kanal, dann schließen sich Gleichgesinnte zusammen, es entsteht eine Gruppe – und das wird leicht mal als Shitstorm bezeichnet, was eigentlich keiner ist.

Kaminer: Es gibt keinen Dicke-Schnauze-Bonus, es geht nicht um Sensibilität, sondern um eine neue Lebensgrundlage, die sich diese Generation wählt. Da werden keine ­Gefangenen genommen.

Schöneberger: Bist du denn schon voll auf der Spur dieser Jugend, oder kommst du noch aus der Alten Welt?

Kaminer: Na ja, ich schreibe darüber. Ich bin neugierig. Ob auf diesem wunderbaren Schiff, das jetzt bald in die gleichberechtigte Zukunft abfährt, auch für mich ein Platz ist, habe ich noch nicht rausgefunden.

Passen Sie auch ein bisschen besser auf, weil ja morgen ein Halbsatz von Ihnen auf Twitter stehen könnte?

Kaminer: Einen Shitstorm habe ich noch nicht erlebt, aber vereinzelte Gespräche schon. Mich hat meine ­Tochter aufgeklärt, dass ich sexistisch und rassistisch bin, das habe ich nicht gewusst. Aber wir sind alle so, nicht weil wir schlechte Menschen sind oder andere nicht mögen, sondern weil wir es nicht anders kennen, deshalb merken wir es nicht und empören uns, wenn uns jemand darauf hinweist. Meine Tochter lernt europäische Ethnologie und Gender Studies, sie macht jetzt den Master – und ich ­möchte auch den Master machen und die veränderte Welt besser verstehen.

"Am ­meis­ten würde sich ändern, wenn Kinder zu Hause erleben, dass auch der Vater mal die Geschirrspülmaschine ausräumt" - Schöneberger

Schöneberger: Es wird sich vieles ändern, aber am ­meis­ten würde sich meiner Meinung nach ändern, wenn Kinder zu Hause erleben, dass auch der Vater ab und zu mal die Geschirrspülmaschine ausräumt. In meinem ­Umfeld ist das nur in wenigen Familien der Fall, da ­können wir rauf und runter Gender Studies machen und die Endungen aller Hauptwörter verändern, das wird nichts Großes bewirken. In den meisten Familien ist es ganz wurscht, wer wirklich mehr verdient, durch das ­klassische Verhalten der Männer werden die Kinder ­immer erleben und ­denken: Der Papa verdient das Geld, und die Mama macht das Haus schön. Auch wenn die Frau die Hauptverdienerin ist.

Kaminer: Neuerdings sucht man immer nach den Schuldigen. In der heutigen großen Misere – Klimawandel, Erd­erwärmung, soziale Ungerechtigkeit, Turbokapitalismus – ist klar, wer an allem schuld ist: die alten weißen Männer. Das ist eine sehr große Gruppe, die halbe Welt. Sie muss sich anstrengen und sich etwas einfallen lassen, eine nachvollziehbare Antwort. Nicht einfach zurückspucken und sagen: selber blöd. Das funktioniert nicht.

Mal eine andere Frage: Kann man als witziger Mensch einen Langweiler küssen?

Schöneberger: Ich finde schon!

Kaminer: Langweiler küssen geht grundsätzlich nicht.

Schöneberger: Sehe ich anders. Ich bin ja immer der Meinung: Jeder kann irgendwas. Man kann Männer doch auch nicht immer so auf ihren Humor reduzieren, man muss ab und zu auch mal auf den Körper gucken.

Aber bei Parship sagen die Frauen immer, das ­Wichtigste sei, dass der Mann Humor hat.

Schöneberger: Und wenn er dann abends zum Date erscheint, und er ist nur 1,60 groß und übergewichtig, dann wird sie sich vermutlich trotzdem umentscheiden, auch wenn er noch so lustig ist. Es kommt doch auf das ­spezielle Feuer an, das man im anderen entfacht. Ich bin in der Beziehung nicht in so einen Witzigkeitswettbewerb gegangen, zu Hause spielen andere Sachen eine Rolle. Mit Humor kommt man natürlich sehr gut durch eine Ehe und durch die Kindererziehung, aber ich mache gar nicht so viele Witze. Ich komme, ehrlich gesagt, kaum zu Wort.

Und der Russe ist ja auch gar nicht so lustig.

Kaminer: Ja, ich bin der unlustigste von allen in der ­Familie. Sogar meine Mutter ist ­lustiger. Die wird jetzt 90.

Die Leute lachen ja schon, wenn Sie anfangen. Braucht dieser wunderbare Akzent eigentlich viel Pflege?

Kaminer: Nein, ich kann einfach nicht akzentfrei sprechen. Aber bis jetzt haben mich alle verstanden. Das ist auch eine Möglichkeit, einen gewissen Abstand zu halten zu der Welt da draußen. Irgendwie bin ich überall ein Fremder, im Russischen habe ich nämlich auch einen Akzent.

"Ich spreche oft zu politischen Themen, weil ich der Meinung bin, dass man seine ­Prominenz auch einsetzen kann" - Kaminer

In Russland gibt es gerade nicht so viel Grund zum Lachen.

Kaminer: Russland ist ein tief gespaltenes Land – zwischen Moderne und Archaik. Es gibt viele Konser­vative, die zurück in die Vergangenheit der Sowjetunion wollen, wo man sich selbst um nichts kümmern ­musste, man lebte zwar schlecht und kurz, aber sorglos. Und es gibt das moderne Russland, das sich als ein europäisches, demokratisches Land sieht, als Teil der Weltgemeinschaft. Und die eine Gruppe ist leider an der Macht. In dieser  Situation wird genau hingehört, was die Künstler sagen. Die sind ja eigentlich Unterhalter, sie sollen dafür sorgen, dass die Menschen gut durch die Zeit kommen, und keine ­politischen Botschaften vorbringen. Ich spreche auch hier in Deutschland oft zu politischen Themen, weil ich der Meinung bin, dass man seine ­Prominenz auch einsetzen, dass man Einfluss nehmen kann.

Frau Schöneberger, sehen Sie das auch so?

Schöneberger: Ja, klar, aber ich finde es auch absolut o. k., wenn es Künstler gibt, die keine Botschaft senden. Ich habe mich selten politisch geäußert. Ich muss nicht in jeder Anne-Will-Talkshow sitzen und mich zu politischen Themen äußern, es gibt nämlich Menschen, die mehr und differenzierter über Dinge nachgedacht haben als ich in meinem Pippi-Langstrumpf-Leben.

Kennen Sie eine witzige Geschichte aus der Bibel?

Kaminer: Ich würde sagen: die Verwandlung von Wasser in Wein.

Schöneberger: Die Hochzeit von Kanaan!

Kaminer: Genau. Ich glaube, das war so: Der Vater der Braut hatte nicht mit so vielen Gästen gerechnet und wollte seinen Wein nicht rausrücken. Deswegen sagte er: Da ist nur Wasser drin. Einer der Gäste war Jesus, er wollte den alten Herrn nicht blamieren, also sagte er, wir ­können da was machen, wir können aus dem Wasser Wein ­machen. So hat er dem alten Mann geholfen, sein Gesicht zu ­wahren, und hat alle Durstigen geheilt . . .

Ja, so muss es gewesen sein. Frau Schöneberger, und Sie? Eine lustige Geschichte aus der Bibel?

Schöneberger: Ja, wahrscheinlich doch die Unbefleckte Empfängnis, das ist doch das Lustigste, was ich mir so vorstellen kann.

Nebenbei gefragt

Frau Schöneberger, welche Musik passt zu Corona? 

Schöneberger: Das zweite ­Klavier­konzert von ­Schostakowitsch. Das schönste Stück Musik, was je ­geschrieben wurde! Oder Rachmaninow, das dritte Klavier­konzert.

Und welche Musik erinnert Sie an die erste Party? 

Mit 14 hatte ich ein ­Poster von Morten Harket über dem Bett hängen, dem Sänger von A-ha. Nur 30 oder 40 Jahre später hat der sich mal meine Wimperntusche ausgeliehen. Wahnsinn! A-ha höre ich bis ­heute, am liebsten ganz laut!

 

Herr Kaminer, welche Musik passt zu Corona? 

Kaminer: Finnischer Tango und russischer Rap! Die Finnen machen sehr langsamen Tango, ich glaube, man kann mit einem Tango durch die ganze Pandemie durchtanzen.

Und welche Musik ­erinnert Sie an die erste Party? 

Damals waren wir alle große Dissidenten und sahen uns als Kinder der amerikanischen und britischen Kultur. Wir hörten Sex Pistols, Sweet, Nazareth, ­Manfred Mann und später Led Zeppelin.

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Lesermeinungen

Sehr geehrte Redaktion,
Was ist daran so komisch? Ja, das habe ich mich auch gefragt, als ich Frau Schönbergers Antwort auf die letzte Frage des Interviews gelesen habe.
Hier meine persönliche Antwort:
Komisch ist, dass Frau Schönberger einen Text als lustige Geschichte aus der Bibel bezeichnet, die es dort gar nicht gibt! Auf die Frage nach einer lustigen Geschichte aus der Bibel antwortet sie: „Ja, wahrscheinlich doch die Unbefleckte Empfängnis, das ist doch das Lustigste, was ich mir so vorstellen kann.“
Zweitens ist komisch, dass sie den Begriff „Unbefleckte Empfängnis“ als solchen lustig empfindet, anscheinend auch unabhängig von der Frage, wer/was denn damit gemeint sei. Was ist daran so lustig, vielleicht weil man damit an gewisse Begleitumstände beim Sex denkt und deshalb diesen Begriff als Widerspruch in sich selbst bzw. als paradox empfindet? Nun kann man ein Paradox kann durchaus erheiternd finden, allerdings hat die theologische Aussage von der Unbefleckten Empfängnis absolut nichts mit der Physiologie des Geschlechtsverkehrs zu tun.
Drittens ist komisch, dass die nichtbiblische Geschichte von der natürlichen Empfängnis Marias durch ihre Eltern anscheinend verwechselt wird mit der biblischen Geschichte der Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist (Lk 1,35).
Kurz zur Aufklärung: Das katholische Marienfest Mariä Empfängnis wird am 8. Dezember gefeiert und genau neun (!) Monate später, am 8. September, das Fest Mariä Geburt. Es geht also darum, dass Maria empfangen wurde und nicht, dass sie (Jesus) empfangen habe. Nach katholischer Lehre wurde Maria von ihrer Mutter ganz natürlich empfangen mit allen dazu gehörigen Begleiterscheinungen. „Unbefleckt“ bezieht sich nicht auf den Geschlechtsakt als solchen, sondern auf den Glauben, dass Maria von der Erbsünde/schuld frei war, weil sie Mutter Jesu werden sollte.
Vorschlag an die Redaktion: Schreiben Sie doch einmal etwas zum Thema „ Erbschuld/Erbsünde “. Schließlich ist das auch ein genuin protestantisches Thema. Als Unterkapitel zu diesem Thema könnten Sie auch das Thema „Unbefleckte Empfängnis“ ins Spiel bringen, auch wenn die evangelischen Kirchen diese Aussage nicht teilen. Es sollte Ihnen ein Leichtes sein dazu eine/n katholische Theologin oder Theologen zu finden, die/der zunächst den Inhalt und den Sinn dieser Aussage darlegt. Einem solchen Text könnte/sollte dann ein Kommentar aus evangelischer Sicht folgen. Im Sinn der Ökumene wäre es für alle Leser sinnvoll etwas zum Thema „Unbefleckte Empfängnis“ aus verschiedenen Blickwinkeln zu erfahren. Die katholische Lehraussage ist übrigens nicht in erster Linie eine Aussage der Mariologie, sondern der Christologie.
Zu meiner Person: Ich habe vor etlichen Jahren katholische Theologie auf Lehramt studiert und lese sehr gerne Ihr Magazin „Chrismon“, das ich als Beilage der SZ kenne.
Mit freundlichen Grüßen
Hildegard Villegas

Sehr geehrte Frau Villegas,

da ich mir nicht ganz sicher bin, ob die chrismon-Redaktion alle Ihre Anregungen bezüglich Erbsünde und Unbefleckte Empfängnis aufgreift, möchte ich Ihre bemerkenswerterweise von Ihnen selbst als Aufklärung bezeichneten Ausführungen noch ergänzen.

Warum ist es denn so wichtig, dass Maria von Erbsünde frei ist? Weil sie deshalb nach ihrem Tod gleich zu Gott durfte und nicht den Umweg über das Fegefeuer nehmen musste. Und warum ist das von Bedeutung? Weil man Maria - nein, nicht anbetet - sondern verehrt und sie darum bittet, dass die nicht abkürzungsberechtigten Seelen nicht zu lange im Fegefeuer bleiben müssen. Wäre doch zu dumm, wenn die große Fürbitterin selber im Fegefeuer schmort. Wobei das Fegefeuer selbstverständlich kein pyrotechnisches Großereignis darstellt, sondern selbst wieder durch ganz viel Aufklärung ins rechte Licht gerückt werden muss.

Ja, Aufklärung kann kompliziert und überraschend sein.

Friedrich Feger

Sehr geehrte Damen und Herren,
in oben erwähntem Gespräch hat Frau Schöneberger zwei Fehler gemacht, die sie nicht zu wiederholen Gefahr laufen sollte.
1) Kana, den Ort des Weinwunders (Joh. 2), verwechselt bzw.
gleichgesetzt mit Kanaan, dem Land Palästina, in dem Milch und Honig fließen.

2) Die Unbefleckte Empfängnis (d.h. die Bewahrung der Gottesmutter Maria vor der Erbsünde bei ihrer Empfängnis durch Anna, also vom ersten Augenblick ihrer Existenz an) verwechselt bzw. gleichgesetzt mit der Jungfrauengeburt (d.h. der vor und nach und trotz der Geburt Jesu bestehenden Jungfräulichkeit Marias).
Ich lese Ihr Blatt gern und, wie Sie sehen, manchmal genau. Ihre Lektoren sollten Ihren Autoren zulieb desgleichen tun.
Mit freundlichem Gruß Richard Wetzel

Sehr geehrte Frau Ott,
nun habe ich beide Empfehlungen gelesen, di SPRACHSTUNDE und die LESERPOST, und bin etwas enttäuscht. Da gibt es zwar sehr interessante Diskussionen, aber irgendwie geht da einiges an mir vorbei.
In chrismon 4/2021 nennen Sie das Wort PROBLEMSTADTTEIL. Besser läßt sich das Problem doch nicht beschreiben, warum da etwas Neues erfinden, was das Problem selber auch nicht lösen kann.(Hier starb meine Mail den Heldentod). So wie Frau Diewald, die über die Sprache die Menschen zum Umdenken erziehen will. Solange das Übel nicht an der Wurzel gepackt wird, bleibt es bestehen, und die Tatsachen werden verschleiert. Und die Politiker sind an dem Zustand beteiligt, finden immer neue Begriffe, wie Herr Laschet mit seinem BRÜCKENLOCKDOWN. Die deutsche Sprache wird zum Schrottplatz, SCHALTE, DENKE, VERGESETZLICHEN, UNKAPUTTBAR, MEGACOOL. Altgewohnte Begriffe werden umfunktioniert oder anderweitig ersetzt.
Man kann fast vermuten, daß die Medien sich zum Mitstreiter gemacht haben. Ein Leser Ihrer SPRACHSTUNDE zitiert den Moderator Kleber mit seinem gesprochenen Sternchen (weshalb ich das Neudeutsch als "Stottersprache" bezeichne). Das hört man auch im Radio, wenn die "Sprechenden" krampfhaft versuchen, auf Linie zu bleiben. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, der Bevormundung zu entgehen: entweder schweigen oder so reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist.
Mit freundlichen Grüßen
Ernst Rohner
Hannover

Sehr geehrte Frau Ott,
sehr geehrte Frau Buhrfeind,
in Ihrem Gespräch mit Barbara Schöneberger und Wladimir Kaminer (Chrismon 04.2021) fragen Sie Barbara Schöneberger:
"Frau Schöneberger, und Sie? Eine lustige Geschichte aus der Bibel?"
Die Antwort zeugt von tiefster Ignoranz.
Mit freundlichen Grüßen!
Klaus Parr

Die Gruppe der „alten weißen Männer“, verehrter Herr Kaminer, ist natürlich nicht „die halbe Welt“, weil a) mehr Frauen als Männer leben und b) die Mehrheit der Menschen nicht alt ist und c) sich die Mehrheit der Menschen nicht „weiß“ nennen würde. Nun gut, diese Formulierung hätte auch ich in einem Gespräch vielleicht gewählt, das passiert.
Tatsächlich aber gehören nicht nur alte Männer und nicht nur „weiße“ Männer und nicht nur Männer in die Gruppe derjenigen, die „an allem“ schuld ist … und auch das wissen wir natürlich alle. Wie schon eingeräumt, ich hätte es vielleicht auch gesagt, aber vermutlich dann doch nicht gedruckt/ drucken lassen …
Mit freundlichem Gruß
Dietrich Immel

Sehr geehrte Frau Ott!
Was Frau Schöneberger meint ist die Jungfrauengeburt. Die Unbfleckte Empfängnis ist was anderes.
Dass Ihnen das durchgegangen ist, heißt: Die Evangelischen sind nicht mehr bibelfest.

Viele Grüße
Hanns Schneider

Eine Frage an Frau Schöneberger : wo in der Bibel ist von der unbefleckten Empfängnis die Rede?
Mit freundlichem Gruß, Elisabeth Sturm

Die Empfängnis muss laut Bibel nicht unbefleckt sein, das Ehebett schon: Die Ehe sei ehrbar in allem, und das Ehebett unbefleckt! Hebr 13,4 (Elberfelder Übersetzung 2003)

In der Bibel steht übrigens nirgendwo, dass man sich dauernd sorgenvoll fragen sollte, ob etwas in der Bibel steht oder nicht. Sind für die Vermengung von hoch im Kurs stehendem Volksglauben und theologischem Oberseminarwissen die Satiriker ursächlich?

Max Zirom

Wenn man Personen wie Frau Schöneberger zu einem Zwiegespräch einlädt, darf man sich nicht wundern, wenn da nur Pippi-Langstrumpf-Platituden herauskommen. Chrismon huldigt dem Comedy-Niveau. Das ist ein falscher Weg, der nicht weiter beschritten werden sollte.

Sehr geehrte Damen und herren,

zum Interview mit Frau Barbara Schöneberger in der Chrismonausgabe 04/2021 gestatte ich mir einen Hinweis:

Frau Schöneberger führt als Beleg einer lustigen Geschichte aus der Bibel die 'Unbefleckte Empfängnis' an.

Das Fest 'Unbefleckte Empfängnis' am 8. Dezember meint - ursprünglich die Empfängnis der Hl. Anna - die Empfängnis Mariens ohne Sünde von ihrer Zeugung an und wird seit dem 19. Jh. gefeiert - steht aber nicht in der Bibel.
Die 'Verkündigung Mariens', am 25. März begangen, steht im neuen Testament bei Lukas 1,28ff, meint aber die Empfängnis Mariens mit ihrem Sohn Jesus.
Vermutlich hat Frau Schöneberger Letzteres gemeint.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Paul Schrömbges

… findet die Unbefleckte Empfängnis sei eine lustige Geschichte in der Bibel, sogar das „Lustigste“ überhaupt. Ich grüble und grüble und verstehe einfach nicht, was Frau Schöneberger meinen könnte. Können Sie mir weiterhelfen?

Besten Dank im Voraus und allerbeste Wünsche für Ihr wunderbares Wirken Ihr Christoph Martin

Das war ein schönes Interview. Trotzdem hätte es nichts geschadet, wenn die Redaktion die Aussage von Frau Schöneberger über die "Hochzeit von Kanaan" wenigstens mit einem Sternchen kommentiert hätte, es ging ja um die Hochzeit von Kana. Und da Chrismon eine evangelische Zeitschrift ist, hätte das ruhig vermerkt werden können.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Walla

Sehr geehrte Redaktion,
In dem oben genannten Artikel fragen Sie beide Interviewpartner nach einer witzigen Geschichte in der Bibel. Daraufhin gibt Frau Schöneberger zur Antwort, für sie sei "doch die Unbefleckte Empfängnis das Lustigste ".... Meine Vermutung ist, dass Frau Schöneberger diesen theologischen Begriff nicht korrekt verstanden und diesen auf die "Jungfrauengeburt von Jesus" bezogen hat. Und diese Vorstellung ist für sie "das Lustigste", was sie sich vorstellen kann. Der genannte theologische Begriff bezieht sich in der katholischen Kirche allerdings auf das "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria." Aber vielleicht ist für Frau Schöneberger auch diese Vorstellung einfach nur "lustig".
Mit freundlichen Grüßen
A.Bach

Sehr geehrte Frau Bach,

was Frau Schönberger lustig findet, weiß ich nicht. Was Sie nicht lustig finden, ist ganz Ihnen überlassen. Und ob das Kopfzerbrechen der Theologie zum Lachen oder ganz was anderem verleitet, hängt noch davon ab, was die Gotteskundigen erzählen.

Bekanntlich hat Adam unter tatkräftiger Mithilfe von Eva schwer gesündigt. Die Nachkommen aller Generationen haben dann sogar noch bevor sie selbst zu Untaten schreiten konnten, bereits bei ihrer Zeugung die Erbsünde am Hals gehabt. Nicht schön, aber theologisch wohl begründet. Spätestens beim Erlöser Christus muss dann natürlich Schluss sein mit diesem Verhängnis. Doch wo genau muss der theologische Sachverstand die Bremse reinhauen in dieser Kette?

Die immaculata conceptio hat die Oma des Welterlösers von Gott persönlich geschenkt bekommen, als sie trotz theologisch weiter unauffälligen Beischlafverhaltens mit der Mama von Jesus, dem Herrn, schwanger wurde. Das erspart unter anderem der Gottesmutter, die doch immer für uns bitten soll und wird, den Aufenthalt im Fegefeuer. Tja, Theologie ist bekanntlich eine Wissenschaft und Wissenschaft hat vielfältige Rücksichten zu nehmen.

Also was soll es da noch zu lachen geben?

Fritz Kurz

Ich habe Frau Schöneberger in meinem letzten Beitrag leider einen Buchstaben e aus ihrem Namen geklaut. Man sieht an solchem Fehlverhalten, dass die Erbsünde uns alle fest im Griff hat.

Gesegnete Ostern allerseits!

Fritz Kurz