Mail aus Lesbos: Im Lager Moria

Raus aus dem Camp
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Joris van Gennip/laif

Frauen im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos

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In Moria träumen alle davon, das Lager zu verlassen. Doch manche bleiben, obwohl ihr Asylantrag gestattet wurde. Warum?

Vor einiger Zeit kam ein Beschluss: Alle Bewohner, deren Asylantrag bewilligt wurde, müssen in Kürze das Camp verlassen. In ganz Griechenland sollen es 11.000 Menschen sein, die noch in den Lagern und Hotspots verweilen, obwohl sie Asylberechtigte sind, folglich draußen leben und arbeiten könnten. In Moria sind es schätzungsweise mehrere Hundert.

Andrea Wegener

Andrea Wegener arbeitet seit November 2018 mit einer Partnerorganisation von Campus für Christus auf der griechischen Insel Lesbos im Füchtlingscamp Moria. 
PrivatAndrea Wegener

Wir haben uns bisher geweigert, sie von dort zu vertreiben. Wir brauchen den Platz eigentlich ganz dringend für andere Schutzbedürftige, aber wo sollen sie hin? Diese Leute haben in der Regel kein Geld, keinen Job, keine Wohnung, sie können kein Griechisch. Sie werden quasi von einem Moment auf den anderen obdachlos und bekommen auch keine Unterstützung. Es gibt ein Programm, das ihnen einige Monate lang wenigstens Mietzuschüsse zahlt, aber dort werden nur sehr wenige angenommen. Außerdem müssen sie erst einmal in der Lage sein, überhaupt eine Wohnung zu finden und bis dahin irgendwie zu überleben.

Angst um die Frauen 

Unter den Betroffenen sind auch gut 40 Frauen aus unserem reinen Frauenbereich, einige mit Kindern. Nur wenn die Kinder unter zwei Monate alt sind, wird ein Aufschub gewährt. Die Frauen, die hier leben, waren alleine unterwegs, manche sind vor häuslicher und sexueller Gewalt aus ihren Heimatländern und vor ihren Clans geflüchtet und dann auf der Reise wieder zu Opfern geworden. In diesem geschützten Bereich von Moria haben sie zum ersten Mal seit langem einen Ort, an dem sie sich halbwegs sicher fühlen können. Die Vorstellung, dass sie einfach auf der Straße landen, wenn dieser Bescheid durchgesetzt wird, macht mich so hilflos, wütend und traurig, dass mir die Worte fehlen.
Ich werde natürlich mit meinem Team überlegen, wie wir das schlimmste Leid wenigstens lindern können, aber unsere Ressourcen und Möglichkeiten sind begrenzt, erst recht außerhalb von Moria.
 

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