Die evangelische Kirche fordert eine Zusatzsteuer auf Billigfleisch

Weg mit dem Billigfleisch
Die evangelische Kirche macht sich stark für eine Agrar- und Ernährungswende zum Wohl von Tier und Mensch

1990 haben die Deutschen pro Person 90 Kilo Fleisch gegessen. 2017 waren es 60 Kilo. Das Bewusstsein wächst, dass das tägliche Schnitzel der Gesundheit schaden kann, und die Bilder von geschredderten Küken und gequälten Schweinen lassen immer weniger Menschen kalt.

Claudia Keller

Claudia Keller ist chrismon-Redakteurin und zusammen mit Burkhard Weitz verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Sie hat Geschichte und Literaturwissenschaft in Köln und in den USA studiert und war viele Jahre Redakteurin beim "Tagesspiegel" in Berlin. Sie interessiert sich für religiöse und ethische Fragen und schreibt gern über Auf- und Umbrüche des Lebens. Einmal ist sie bei Recherchen sogar zufällig auf ein Geheimnis in der eigenen Familie gestoßen und hat einen Bruder gefunden, von dem sie nichts wusste.
Lena UphoffPortrait Claudia Keller

Da kommt das neue Impulspapier "Nutztier und Mitgeschöpf" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur rechten Zeit. Die Debatte um Fleischkonsum und Tierwohl müsse "in einer neuer Radikalität fortgeführt" werden, heißt es darin. Das 150-seitige Papier erinnert daran, dass Mensch und Tier aus biblischer Sicht eng verbunden sind und ruft dazu auf, weniger Fleisch zu essen, die Gewalt, die Nutztieren beim Schlachten unausweichlich zugefügt wird, auf ein Minimum zu begrenzen und Billigfleischprodukte "gesondert" zu besteuern.

Es ist gut, dass die Kirche in dieser wichtigen ethischen Debatte Position bezieht, dass sie es theologisch reflektiert tut, einseitige Schuldvorwürfe vermeidet und nicht alle zu Vegetariern machen will. So könnte sie in dem ideologisch aufgeladenen Streit ums Fleisch eine Mittlerrolle übernehmen. Hoffentlich wird das Papier von vielen gelesen.

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