Heinrich Bedford-Strohm über die evangelische Kirche und den Klimaschutz

Die Welt für unsere Kinder erhalten
Ökologisch umzusteuern 
ist auch wirtschaftlich 
das Beste, was wir heute tun können

Vorgelesen: Auf ein Wort "Die Welt für unsere Kinder erhalten"

Im Jahr 2050 wird mehr Plastik im Meer 
schwimmen als Fische. Diese ziemlich gruse­
lige Vorher­sage hat die britische Ellen MacArthur Foundation gemacht. Schon heute ist in den Medien immer öfter von der ­Verschmutzung der Meere die Rede. Zu Recht. Allein im Jahr 2010 gelangten weltweit geschätzt zwischen fünf und 13 Millionen Tonnen Plastik ins Meer. Prognosen können nur das gegenwärtige Verhalten hochrechnen. Ob sie eintreten oder nicht, hängt an uns. Natürlich können wir unseren Verbrauch an Plastik ändern und die politischen Rahmenbedingungen schaffen, um die Menschen zu einem naturverträglichen Verhalten zu ermutigen.

Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm ist Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und Herausgeber von chrismon.
Thomas Meyer/Ostkreuz

Nicht nur das Plastik im Meer gibt Grund zur Be­unruhigung, auch die Höhe der Meeresspiegel ist Gegen­stand von Prognosen, die heute die Regierungen in ­aller Welt beschäftigen. Bei der Weltklimakonferenz im ­polnischen Kattowitz haben die Delegationen aus ­aller Welt wieder zusammengesessen, um Wege zur Ver­ringerung des für die Erderwärmung verantwortlichen CO2-Ausstoßes zu finden.

Auch die Kirchen haben am Rande der Konferenz mit deutlichen Worten zum Umsteuern aufgerufen. Die ­massiven Folgen des Klimawandels werden in allen Lebensbereichen spürbar sein. Bis zum Jahr 2050 – so hat die Weltbank geschätzt – werden 143 Millionen ­Menschen in Subsahara-Afrika, Südasien und Lateinamerika ­durch die Klimafolgen innerhalb ihrer Länder vertrieben 
werden, sollten keine Gegenmaßnahmen ergriffen ­werden. Klimapolitik ist also die beste Flüchtlings­politik der Zukunft.

Sich für den ökologischen Umbau der Wirtschaft ­einzusetzen, ist kein Alarmismus noch moralinsaure ­Belehrung oder gar "Ökoterror". Es ist die einfache Antwort auf eine schlichte Frage: Welche Welt wollen wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen? Gutes Leben ist künftig nur noch möglich, wenn wir unsere Wirtschaft so umbauen, dass sie nicht auf der Zerstörung der Erde beruht. Wer dann die wirtschaftlichen Konzepte hat und ­gezeigt hat, dass sie funktionieren, dem werden diese Konzepte aus den Händen gerissen werden. Ökologisch umzusteuern ist auch wirtschaftlich das Klügste, was wir heute tun können.

Viele Menschen arbeiten schon jetzt daran, dass die Vision einer Welt, in der die Menschen gut leben ­können, ohne die außermenschliche Natur zu zerstören, wahr wird. Menschen in der lutherischen Kirche in Norwegen geben dieser Vision einen sichtbaren Ausdruck. Sie ­haben sich darangemacht, eine "Kathedrale der Hoffnung" zu bauen. Sie sammeln Plastikabfall aus dem Meer und ­bauen damit eine norwegische Stabkirche nach.

"Das Plastik" – erklärt die Projektmanagerin – "werden wir insbesondere für das Dach verwenden. Dies wird ein riesengroßes Bild aus Plastik sein. Die Sonne wird durch das Plastik aus den Weltmeeren scheinen und – im übertragenen Sinne – Leid in Freude und etwas sehr Schönes verwandeln."

Ich finde das ein wunderbares Bild: Nicht auf das ­zukünftige Unheil starren, sondern handeln. Etwas auf Gott hin Gerichtetes bauen, in dem Vertrauen, dass Gott diese Welt in seiner Hand hält und uns die Kraft gibt, ­umzusteuern und voller Hoffnung in eine Zukunft zu schauen, in der Mensch und außermenschliche Natur gut miteinander leben können. Dafür steht die norwegische Kathedrale der Hoffnung.

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Lesermeinungen

Zum ersten Mal wollte ich mir gerade die Kolumne vorlesen lassen, als ich aber in der Überschrift über 'Die Welt für unserer Kinder erhalten' gestolpert bin. Mögen Sie vielleicht ganz schnell das ' für' aus der Überschrift streichen?
Toll übrigens, dass Ihr Magazin einer Zeitung beigefügt wird. So etwas haben wir hier in GB nicht, wo ich wohne. Und jetzt kenne ich auch Ihre Webseite, die ich gleich weiter reichen werde, dass sie in dem Gemeindebrief der deutschen Kirche in Manchester usw. abgedruckt wird. Danke und frohe Weihnachten.
Herzlichst Brigitte

Vielen herzlichen Dank für den Hinweis. Es war wohl einfach das "r" bei "unserer", das zuviel reingerutscht ist - das haben wir nunmehr entfernt. Herzliche Grüße aus der Redaktion und auch Ihnen frohe Weihnachten!