Ist Coca-Cola der richtige Partner in der Gesundheitspolitik?

Keine Frage der Rendite
In der Entwicklungshilfe werden zunehmend private Unternehmen und Investoren als Partner umworben. Das ist bedenklich.

Kibish, ein kleines Nest im äußersten Südwesten von Äthiopien. Heiß wie im Backofen, staubig und knochentrocken. Und gar nicht so leicht zu erreichen. Der erste Gang führt in den Dorfladen, und da steht sie auch schon, die kleine Flasche mit der prägnanten Form und dem roten Etikett: Coca-Cola.

Das Vertriebsnetz des US-amerikanischen Getränkeherstellers führt bis in die hintersten Winkel der Welt. Der "Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria" macht sich das zunutze: In Afrika ermöglicht Coca-Cola dem Fonds, mit den Getränken in den Lastwagen manchmal auch dringend benötigte Tabletten für Aids- oder Malariapatienten in entlegene Dörfer zu bringen. Der Getränkekonzern kann dann damit werben, den Menschen in Afrika Gutes zu tun.

Tillmann Elliesen

Tillmann Elliesen ist seit 2008 Redakteur beim Magazin „welt-sichten“. Davor war er neun Jahre Redakteur bei der Zeitschrift „E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit“. Er hat in der Friedens- und Konfliktforschung und als freier Journalist gearbeitet.
Foto: privat Tillmann Elliesen von Weltsichten

Genau da wird es schwierig: Denn seit Jahren steht Coca-Cola in der Kritik, durch die Produktion von Softdrinks in einigen Ländern zu viel Grundwasser zu verbrauchen und sowohl der Umwelt als auch den Menschen zu schaden. Von solchem Fehlverhalten lenkt die Zusammenarbeit mit dem Globalen Fonds natürlich wunderbar ab. Greenwashing nennt man das. Abgesehen davon: Ist der Hersteller einer koffeinhaltigen Zuckerlimonade wirklich der richtige Partner für eine Gesundheitsorganisation?

Hilfe wird dem Profitdenken unterworfen

Die Zusammenarbeit mit Coca-Cola ist kein Einzelfall. Private Unternehmen und Investoren werden in der Entwicklungshilfe zunehmend als Partner und Geldgeber umworben, angeblich weil ohne sie die Aufgaben nicht zu bewältigen sind. Damit wird die Hilfe mehr und mehr dem Profitdenken unterworfen. Ein Beispiel: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat eine Anleihe ausgegeben, mit der sich Investoren an Rehazentren in drei afrikanischen Ländern beteiligen können. Werden so viele Kriegsopfer mit Arm- und Beinprothesen versorgt wie vereinbart, erhalten die Investoren ihr Kapital plus Zinsen zurück – aus Steuergeldern.

Das ist ein bedenklicher Trend. Lebensbedingungen zu verbessern und Leid zu lindern, ist kein Geschäft, sondern eine Aufgabe der Gesellschaft und der Politik - in den ärmeren Ländern selbst, aber auch bei uns. Ob in Kibish am Rande von Äthiopien Medikamente vorrätig sind, darf nicht vom Coca-Cola-Lieferanten abhängen. Und kriegsversehrte Menschen dürfen nicht nur dann Hilfe bekommen, wenn die Rendite stimmt.

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