Was bedeutet es heute, Lutheraner zu sein?

Immer wieder neu
Lutherskulptur am 
Wittenberger Elbhafen

Jörg Gläscher/laif

Lutherskulptur am 
Wittenberger Elbhafen

Lutherland, Lutherskulptur im Hafen des Campingplatzes in Wittenberg

Zu viel Neues überfordert Menschen. 
Martin Luther wusste das – und suchte den Ausgleich zwischen Tradition und Reform. Ein Lob der Vielfalt

Martin Luther, der Held, der vor 500 Jahren Papst und Kaiser trotzte – so kennen viele Deutsche den Mönch aus Wittenberg. So steht er auf ­Podesten und Sockeln, ein Mann der Tat mit entschlossener Miene und Bibel in der Hand. Und es stimmt ja auch: Luther dachte und lebte radikal. Er kasteite sich bis zur Erschöpfung aus Angst, Gott werde ihn für seine Sünden strafen, er fürchtete Hölle und Teufel. Doch dann erkannte er, dass Gott die Menschen gar nicht strafen will. Dass er ihnen zugewandt ist, obwohl er ihre Schwächen und Sünden kennt. Die Erkenntnis war revolutionär und verbreitete sich schnell in ganz Europa. Martin 
Luther veränderte die Welt fundamental. Doch was ist davon geblieben?

 Lutherisches Sachsen: Familiengottesdienst in der Leipziger PeterskircheJörg Gläscher/laif

Es gibt heute weltweit 800 Millionen Protestanten, in Deutschland sind 21,5 Millionen 
Menschen Mitglied in der evangelischen ­Kirche. Sie sind eine bunte Mischung aus größeren und kleineren Gruppierungen. Die Lutheraner sind die größte Gruppe. 11,5 ­Millionen Menschen gehören zu den neun evangelisch-lutherischen Landeskirchen, die sich in ihrem Ursprung auf Martin Luther, ­seine Lieder und Gebete, seine Katechismen und Gottesdienstordnung berufen. Die anderen zehn Millionen Mitglieder gehören zu reformierten Landeskirchen, die sich in der Tradition der Schweizer Reformatoren Ulrich Zwingli und Johannes Calvin sehen und zum Beispiel die Ausstattung ihrer Kirchen und Gottesdienste viel karger halten. Oder sie gehören unierten Landeskirchen an, die eine Mischung aus lutherischen und reformierten Kirchen bilden. Doch was bedeutet das alles heute? Was heißt es, Lutheraner zu sein? Gibt es noch so etwas wie eine lutherische Identität?

Jörg Gläscher

Jörg Gläscher reiste ein Jahr durch Martin Luthers mitteldeutsche Heimat. Er hielt in Bildern fest: Allem Atheismus zum Trotz lebt das Luthertum fort. Sein Bildband Lutherland erschien 2017 in der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig; 128 S., 25 €
Andreas Herzau

Claudia Keller

Claudia Keller fand es schwer, das Spezifische des Luthertums in Form einer ­Reportage ­abzubilden. 
Denn die typische Luthergemeinde gibt es nicht. 
Keller ­entschied sich ­daher für 
einen Essay
Lena UphoffPortrait Claudia Keller

"Es wird immer schwieriger, einen Eindruck davon zu vermitteln, was genau das Luthertum eigentlich ist", hat der evangelische Theologe und Historiker Benjamin Hasselhorn 2017 in seiner Streitschrift 
"Das Ende des Luthertums?" geschrieben. ­Seine These: Seit 200 Jahren steckt das Luthertum in der Krise, jetzt geht ihm endgültig "die Puste aus".

 Organist Song an der Silbermann-Orgel der Marienkirche zu RöthaJörg Gläscher/laif

Die modernen Menschen leben auch ohne Gott gut, und die Kirche verschleudere das Erbe. Sie verharmlose Luthers Anliegen bis zur Unkenntlichkeit, missverstehe seine Aussagen über den gnädigen Gott und die Freiheit des Gewissens als Freibrief für Beliebigkeit. 
Hasselhorn war in einem Konfirmations­gottesdienst, in dem das Bekenntnis der Konfirmanden in dem Satz gipfelte: "Ich bin stolz darauf, evangelisch zu sein, denn evangelisch sein heißt, man darf glauben, was man will." Er hat Pfarrer erlebt, die mit der Gemeinde das Apostolische Glaubensbekenntnis ­sprachen und hinterher unter vier Augen zugaben, dass sie selbstverständlich nicht an die Jungfrauengeburt glauben und dass Auferstehung eher heiße, dass die Sache Jesu weitergehe, als dass tatsächlich ein Mensch tot war und ­wieder ­lebendig wurde.

"Ist das gemeinsame Be­kennen bloß noch Theater?", fragt Hasselhorn – und fordert mehr Ernsthaftigkeit in der ­Kirche, mehr Profil, mehr Luther, mehr Mut zu unbequemen Haltungen. Wenn man so will: mehr Radikalität. Wenn die ­Pfarrerinnen und Pfarrer den Menschen nicht mehr klarmachen könnten, was lutherisch ist, könnten sie auch keine Orientierung bieten. Dann aber, so fürchtet Hasselhorn, "wird sich das Luthertum in Deutschland innerhalb der nächsten Generation erledigt haben".

 Konfi-Unterricht, Bethlehemgemeinde, LeipzigJörg Gläscher/laif

Der Gottesdienst in der Luthergemeinde im sächsischen Zwickau wäre wahrscheinlich nichts für Benjamin Hasselhorn. "Bei uns geht es niedrigschwellig zu", betont der Kirchenvorstand. Im Sonntagsgottesdienst spielt die Band Sakropop und Lobpreislieder, der Pfarrer steht im Anzug vor dem Altar. An ­diesem Sonntag Anfang Mai eröffnet ein älterer Mann aus der Gemeinde den Gottes­dienst mit dem Satz: "Ich bin so froh, dass ­Jesus in unsrer Mitte ist und dass wir den Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes feiern." Die lutherische Gottesdienstordnung ist noch zu erkennen, übersetzt in Alltagssprache, damit alle mitkommen. Die Predigt ist eine Powerpoint-Präsentation, von den Bänken aus kann man die Stichpunkte auf den Monitoren mitlesen, die seitlich an den Pfeilern angebracht sind, wo sonst die Liedertafeln hängen. Es geht um Vertrauen und darum, dass das nur möglich ist, wenn man "Jesu Werke tut". Wie das geht? "Sich nicht so ernst nehmen, den Armen von Gott erzählen, lieben, beten, Fürbitte halten und segnen", sagt der Gemeindereferent. Damit kann jeder etwas anfangen. Gott ist der Kumpel, der einem dabei zur Seite steht. Dass Glauben auch etwas mit Geheimnis zu tun hat und ein Kirchenraum Erhabenheit ausstrahlen kann, wenn man ihn richtig in Szene setzt, zumal ein so schöner und frisch sanierter im Jugendstil – das kommt zu kurz.

 Andacht südlich von Eisenach, wo man Luther einst zum Schein entführen ließ, um ihn auf der Wartburg zu versteckenJörg Gläscher/laif

Doch all das ist zweitrangig. Wichtig ist, dass hier Sonntag für Sonntag 180 Menschen zusammenkommen, singen, beten und fröhlich sind. 50 Kinder besuchen vier verschiedene Kindergottesdienstgruppen, und nach dem Gottesdienst sitzen alle noch stundenlang zusammen, die Bürgerlichen und weniger Bürgerlichen, die Studenten und Familien, Alteingesessene und Zugezogene, wer halt so wohnt in der Bahnhofsvorstadt. Und das ist gut lutherisch. Hier in der Lutherkirche leben sie Luthers Lehre vom Priestertum aller Getauften: Fast alle Erwachsenen, die sonntags zum Gottesdienst kommen, arbeiten auch unter der Woche mit und kümmern sich in Teams um alles, was eine Kirchengemeinde ausmacht, vom Gottesdienst über die Musik und Sozialarbeit bis hin zu Finanzen, ­Technik und baulichen Aufgaben. Sogar die Predigt bereiten Pfarrer, Gemeindereferent und das Gottesdienstteam gemeinsam vor, immer donnerstagabends lesen sie in der Bibel, diskutieren über die Texte und planen minutiös den Ablauf für Sonntag in einer Woche, damit genug Zeit bleibt, alles umzusetzen.

Große Vielfalt

"Wem es bei uns nicht gefällt, kann zu unseren Nachbarn gehen", sagt der Pfarrer, er will die Arbeit der Lutherkirche nicht als Gegensatz, sondern als Ergänzung zu den anderen kirchlichen Angeboten verstehen. Die Nachbargemeinde feiert den Gottesdienst auf traditionelle Art, wenn der Pfarrer der Lutherkirche dort predigt, zieht er selbstverständlich den Talar an. Im Freiberger Dom im Erzgebirge freut sich das bürgerliche Publikum, wenn Kinder in traditionellen schwarzen Gewändern mit roten Kragenkrempen Kyrie, Gloria, Magnifikat und Sanktus intonieren können, andere Gemeinden locken die Menschen mit Theateranspielen und Filmeinblenden. Die einen zelebrieren die lutherische Messe mit Wechselgesängen 
und Weihrauch und verbinden die hochkirchliche Ästhetik mit liberaler Theologie – andere 
kombinieren leicht zugängliche Formen mit konservativen Inhalten.

Auch regionale ­Mentalitäten spielen eine Rolle. Hamburger Lutheraner wundern sich, dass die Sachsen so viel singen, und halten das für katholisch, ­die Bayern beginnen die Gottesdienste mit ­anderen Gebeten als die Hannoveraner . . .

 Peterskirche, Leipzig, ein Engel wartet auf seinen Einsatz beim KrippenspielJörg Gläscher/laif

Das Lutherische hat heute viele Facetten und Gesichter. Denn die Lutheraner sind die Mitte dessen, was evangelisches Christentum ausmacht. Und in der breiten Mitte des Lutherischen ist Vielfalt möglich, denn die Spannungen, die mit den Unterschieden einhergehen, lassen sich in der Mitte einfacher aushalten als in kleinen Gruppen. Das ist auch bei Parteien so und in anderen großen Gemeinschaften.

Viele Theologen und auch Gläubige leiden jedoch wie Benjamin Hassel­horn an dieser Vielfalt. Sie wünschen sich mehr Eindeutigkeit und Klarheit. Damit liegen sie gesellschaftlich im Trend. Sich in der Mitte zu verorten, gilt als langweilig und konventionell, die Anhänger des Main­streams werden verdächtigt, etwas nur halb zu tun und nicht aus tiefer Überzeugung und vollem Herzen. Es blühen die Nischen, das Exotische, jeder will etwas Besonderes sein. Auch in den Kirchen gibt es die Vorurteile gegenüber der Mitte. Zulauf haben eher die kleinen Gruppen am Rande und Freikirchen, in denen sich die Entschiedenen treffen, die Hundertprozentigen. Diejenigen, die Gott gefunden haben und im Gottesdienst emotional und spirituell überwältigt werden wollen und sich voll und ganz zu einer ­Gemeinschaft bekennen.

Martin Luther suchte Kompromisse

Das Überwältigungschristentum hat seine Berechtigung, ist aber nur für eine Minderheit etwas. Die meisten Menschen sind sich nicht so sicher in Glaubensdingen, zumindest in Westeuropa. Für sie ist die Mitte genau der richtige Ort. Hier treffen die Überzeugten auf die Zweifler, die Traditionsbewussten auf die Suchenden. Es haben auch die einen Platz, die sich in der Suppenküche engagieren wollen, ohne groß über Gott zu reden. Die Anschluss suchen, aber auch wieder in Ruhe gelassen werden wollen. Die mit ihren Zwiespälten ernst genommen und nicht gleich bekehrt werden wollen.
Lutherisch sein bedeutet, zweifeln zu dürfen und die Schriften immer wieder neu zu lesen und zu interpretieren. Und dabei die Balance zu wahren. Martin Luther war zwar in seiner Theologie radikal, aber zugleich auch ein Mann der Mitte. Er wollte die katholische Kirche ­reformieren und nicht spalten. Er lehnte Gewalt und religiösen Fanatismus ab und trennte sich von Anhängern, die sich radikalisierten.

 Sitzt das Beffchen? Blick in den Handy-Spiegel vorm Probedurchlauf bei einer Ordinationsrüste im Kloster Volkenroda, ThüringenJörg Gläscher/laif

Als 1522 einige in seinem Namen in Witten­berg Kirchen stürmten und Bilder und ­Heiligenfiguren verbrannten, predigte Luther den Wittenbergern an acht aufeinander­folgenden Tagen, geduldig zu sein, die Veränderungen langsam anzugehen, so dass alle mitkommen, und auch denen mit Nachsicht und Liebe zu begegnen, die anderer Meinung sind als sie selbst. "Es soll nicht jeder tun, ­wozu er Recht hätte, sondern soll sehen, was seinem Bruder nützlich und förderlich ist", sagte er ihnen, "weil wir nicht alle gleich stark sind im Glauben. (. . .) Darum sollen wir nicht auf uns oder unsere Kraft sehen, sondern ­unsers Nächsten Kraft ansehen."

Luther wollte keine Sekte gründen, die sich um der Reinheit der Lehre willen von der Gesellschaft separiert. Er wollte die breite Mehrheit der Menschen erreichen und verbündete sich deshalb mit den Fürsten und ging Kompromisse ein.

Luther kannte die Menschen

Er war ein guter Seelsorger und versuchte, Menschen geistlich und seelisch ins Gleichgewicht zu bringen. Er wusste, dass niemand nur gut oder nur böse ist, sondern beides zugleich. Er sah die Menschen als Ganzes – mit ihrem Verstand und all ihren Gefühlen, mit aller Wut, dem Neid, den Kränkungen und der Lust. "Luther hatte einen realistischen und ­liebevollen Blick auf die Menschen, weil er auch ihre Abgründe und innere Zerrissenheit gesehen hat", sagt Petra Bahr, Landessuperintendentin in Hannover, und fügt an: "Sind wir nicht tatsächlich so? Wir wollen perfekt sein und scheitern, wir wollen die Wahrheit hören und lügen trotzdem, wir lieben jemanden und verachten ihn zugleich." Diese Zerrissenheit der menschlichen Existenz, das sei das, was Luther unter Sünde verstanden habe. Erst in den Jahrhunderten später wurde sein Sündenbegriff moralisch so aufgeladen, dass heute niemand mehr etwas von Sünde hören will.

Viele Menschen überfordert, wenn sie mit zu viel Neuem auf einmal konfrontiert werden. Auch das war Luther klar, und anders als die Schweizer Reformatoren Johannes ­Calvin und Ulrich Zwingli, die die Kirchen leer ­räumten, behielt er Traditionen bei, ließ den Menschen ihre Heiligenbilder und Marien­statuen und übernahm viele Elemente des katholischen Gottesdienstes.

Die Balance finden

"Tradition ist etwas sehr Wichtiges. Sie ist ein Raum, in dem ich Wirklichkeit verstehe, ein Reservoir an Haltungen, Bildern, Metaphern, in denen ich mich bewege", sagt Christian Lehnert, der Geschäftsführer des Liturgiewissenschaftlichen Instituts der Universität Leipzig. In der Zwickauer Lutherkirche würde er sich wohl nicht wohlfühlen. Niedrige Schwellen hält er für einen "Irrweg". Gott als Kumpel? "Typisch lutherisch ist, dass man im tiefen Bewusstsein lebt, dass Gott etwas ist, das immer entzogen bleibt", sagt Lehnert. Jeder Gottesdienst müsse deshalb eine Balance finden zwischen Gottes Nähe und seiner Verborgenheit.

 Ein Wandbild in Möhra am Reformationstag 2016, gleich wird es enthüllt. Es zeigt, was Luther mit Thüringen verbandJörg Gläscher/laif

Lehnert ist Theologe und Pfarrer und einer der besten Lyriker in Deutschland. "Wenn ich ein Gedicht über eine Libelle schreibe, dann erscheint sie vielleicht lebendig vor den ­Augen des Lesers", sagt er. "Und zugleich antwortet das Gedicht, lauscht hinein in eine Welt. Das berührt sich mit dem Gottesdienst. Da sind die alten Formen lebendig, es fließt eine Strömung durch die Jahrhunderte bis hierher und weiter. Wahr und wirklich wird der Gottesdienst für mich aber in der Resonanz in meinem Inneren, als Schwingung, die sich überträgt." Ob und wie das geschieht, lasse sich nicht objektiv bestimmen, sondern hänge von vielen Dingen ab.

Vielfalt ist Stärke

Aber wie sieht denn nun der ideale lutherische Gottesdienst aus? Christian Lehnert schüttelt den Kopf und sagt: "Die eine lutherische Gottesdienstform gibt es nicht. Das Luthertum zeichnet der Umgang mit Vielfalt aus." Das sei ja gerade der Unterschied zur katholischen ­Messe, die über die Jahrhunderte statisch geblieben ist. Lutherisch sei, sich nie sicher zu sein, immer wieder neu zu suchen, Gottesdienstordnungen immer wieder umzuschreiben – und zu fragen: Was ist denn ein zeitgemäßer christlicher, ein wirklicher Gottesdienst?

Vielfalt ist eine Stärke, Vielfalt ist aber auch sehr anstrengend. Es braucht Mut, um die Unterschiede auszuhalten, und einen wachen Blick, um sie als Teile des Gleichen zu sehen. Vielfalt kann aber auch dazu führen, dass sich die Mitte auflöst und der Kern verloren geht. Fehlentwicklungen benennen, ohne einander abzuwerten, miteinander ringen und einander zuhören, das bleibt für die Lutheraner auch zukünftig die Herausforderung. Darin können sie Vorbild sein, auch für diejenigen, die mit Kirche nicht viel anfangen können. Zentralismus, Vereindeutigung oder der Ruf nach ­charismatischen Führungspersonen sind keine Alternative – auch dann nicht, wenn die Zahl der Kirchenmitglieder weiter schrumpft und die Sorge wächst, gesellschaftlich nicht mehr erkennbar zu sein.

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Lesermeinungen

Mit großem Interesse und großer Freude habe ich den Beitrag von Claudia Keller "Immer wieder neu" in der Ausgabe 7/2019 gelesen und dabei viel von eigenen und unterschiedlichsten Erfahrungen einer Praxis pietatis entdeckt. Seien es die Gottesdienstformen wie die der Luthergemeinde Zwickau mit PPP und den allgegenwärtigen Kundtun eigenen Glaubens und des Bekehrungserlebens oder die Praxis der lutherischen Liturgie wie in Dresden-Loschwitz, die in der Tat für katholisch gehalten werden kann, es aber - kirchenhistorisch betrachtet - beileibe nicht ist.
Der Artikel ist wohltuend fundiert geschrieben und bringt vieles auf den Punkt, darunter Luthers Lebensweisheit / Erkenntnis zur Sprache, die zeitlos Geltung besitzt, auch weil sie den Druck von uns nimmt: Es soll nicht jeder tun, wozu er Recht hätte, sondern soll sehen, was seinem Bruder nützlich und förderlich ist, weil wir nicht alle gleich stark sind im Glauben [...] Darum sollen wir nicht auf uns und unsere Kraft sehen, sondern unsers Nächsten Kraft. In der Tat ist Nachsicht und Liebe immer wieder neu zu üben und darin eine Kraft zu sehen, mit dem die Lutherische bzw. Evangelische Kirche einen aktiven und wertvollen Beitrag für ein tolerantes Untereinander der Christen, aber auch der Gesellschaft insgesamt leistet. Wie gefährlich Inakzeptanz sein kann, hat Luther erfahren, darum ist sein Appell an die Nachsicht und Liebe nicht nur im kirchlichen Bereich hochaktuell.
Ich freue mich auf weitere Beiträge der 'Serie Protestanten'.

Die Schilderung ist voller unpräziser Hoffnung, voller Fröhlichkeit, voller Naivität. Ein sakrale-r-s Event. Arg wenig, wenn es um das Seelenheil gehen sollte. Oder ist es gar die Eroberung der ev. Kirche durch eine alternative Scene, die mit homöopathischen Glaubensschnitzelchen ihre eigene Wohfühlatmosphäre bastelt? Vielmehr ist da nicht mehr. Aber das ist ja auch nicht leicht in dieser schnelllebigen Zeit, die jeden Tag nach der neuesten Sensation giert! Jeden Sonntag von der Kanzel diese Sucht zu stillen, ist zu viel verlangt. Die Religion ist inzwischen wie Lebensmittel. Man braucht sie unbedingt, aber die Hälfte wird weg geworfen. Was gestern noch gut war, hat morgen das Verfalldatum überschritten. Motor ist u. a. auch die nie um eine Interpretation verlegene Bibelexegese, die heute das verwirft, was gestern noch richtig war und übermorgen das neu entdeckt, was vor 100 Jahren häretisch war. Eine Powerpoint-Religion. Da ist es nicht mehr weit, bis zu einer religiösen Kaffeefahrt mit anschließendem Verkauf von Glaubensinventar.