Ursula Ott über Corona-Müdigkeit und neuen Schwung

Geschlafen haben wir jetzt genug. Bitte aufwachen!
2020 hat viel Kraft gekostet. Zeit, wieder Schwung zu nehmen.

So geht’s nicht weiter. Seit sich der Himmel schon gegen 16.30 Uhr verdunkelt und der Abend gastro- und kinofrei dahinplätschert, hat sich unser Bio­rhythmus so verschoben, dass wir manchmal um 21 Uhr einschlafen. Wären wir jung wie die Teenies im Video der Bundesregierung, würden wir den ganzen Corona-Mist verschlafen, aber das ist Menschen unseres Alters nicht gegeben.

Also sitzen wir bisweilen schon um 5.30 Uhr beim Kaffee, gucken, welcher der fleißigen Kollegen schon so früh seinen Newsletter verschickt, und warten, bis es hell wird. Bis dahin klugscheißere ich mit ­meiner Vogelbestimmungs-App rum und behaupte, ich hätte einen Eisvogel gespottet. Die App habe ich im Frühjahr beim ersten Lockdown runtergeladen, und jetzt ist sie abgestürzt, weil ich so viele Vögel in mein "Logbuch" eingetragen habe.

Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und Chefredakteurin von evangelisch.de. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen.
Foto: Lena UphoffUrsula Ott, chrismon Chefredakteurin

Höhepunkte schaffen im Lock­down, eine Herausforderung. Wir durften immerhin eine Hochzeit ­feiern, von einem unserer Kinder, das war ein Geschenk. Aber auch – mühsam. Die Inzidenzwerte im Landkreis waren in der Nacht vor der Trauung auf über 50 gestiegen, nur fünf Gäste durften rein, die Geschwister mussten im Regen vor dem Standesamt warten. Sie vertrieben sich die Zeit mit dem ­Fertigen lustiger Mickymaus-­Stimmen-Videos, indem sie Helium aus der 10-Liter-Flasche einatmeten, die für die Herz-Luftballons vorge­sehen war. Die Luftballons waren toll, ich postete sie auf Facebook, nur um böse Kommentare von Umweltschützer:innen zu kassieren.

Bei ­Balloni hatten sie mir versichert: bio­logisch abbaubar. Aber Luftballons, hab ich gelernt, gehen gar nicht. Vermüllen die Umwelt. Viel Spaß hiermit allen, die an Silves­ter einen Knall­frosch zünden wollen. Bloß keine ­Fotos davon posten! Weiterschlafen.

Letztes Wochenende haben wir ­vor Verzweiflung schon Patientenverfügungen und Testament überarbeitet. Passwörter ausgetauscht. Für den Fall, dass. Aber für den Fall, dass nicht – habe ich mir vorgenommen: Schwung holen. Die Tage werden länger, wir können später einschlafen und im Hellen das Müsli mümmeln. "Lichtmess, bei Tag ess", sagte meine Mutter zu uns Kindern zu Jahresbeginn, ich komme vom Land. Ja, Licht! Wie das Licht in Uganda und Mexiko das Leben bestimmt, lesen Sie hier. Auch hierzulande wird es jetzt heller. Und Lichtmess, der 2. Februar, war bis ins 20. Jahrhundert hinein ein Feiertag. Dann wurde der Jahreslohn ausbezahlt, die Natur erwacht und der Sieg des Lebens gefeiert, lese ich zum Brauchtum. Guten Morgen, ­da feiere ich dann aber auch mit!

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Lesermeinungen

Sehr geehrte Frau Ott!
Ich habe gestern Ihren Artikel in der Zeitschrift CHRISMON gelesen. Zum Thema Maria Lichtmess: meine Oma sagte immer "da können die Herren bei Tage essen". Ich denke im Winter sehr oft daran und freue mich immer, wenn es dann Maria Lichtmess ist.
Herzlichst
Petra Wienstroth