Dorothea Heintze über Mieten, Eigentum und den Vorteil von Genossenschaften

Besitz besitzt
Neue Visionen für ganze bestehende Wohnviertel: Die Genossenschaftsidee lebt

Henning Rogge, MKG Hamburg

Neue Visionen für bestehende Wohnviertel in der Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe: Die Genossenschaftsidee lebt

Neue Visionen für bestehende Wohnviertel: Die Genossenschaftsidee lebt

Mieten oder kaufen? Diese Frage stellen sich viele Menschen, wenn es um ihr Wohnglück geht. Beides hat seine Vorteile, doch Nicht-Besitz macht frei im Kopf

Am Wochenende waren wir mit Freunden radeln (liebe B. und lieber D. - schöne Tour!); und wie das halt so ist, wenn wir als, nun ja, etwas gesetztere Leute zusammentreffen, kommt das Thema fast immer irgendwann darauf: Wohnen, Alter, Rente, finanzielle Absicherung usw.

Diese beiden Freunde leben seit Jahrzehnten in einer günstigen Mietwohnung. So wie mein Mann und ich auch viele Jahre. Dann kam die Baugemeinschaftsidee, und nun bin ich Wohnungseigentümerin; etwas, was ich nie sein wollte. Denn ich war und bin der festen Überzeugung: "Besitz besitzt".

Ich merke es fast täglich an mir selbst: Plötzlich stören mich Risse in der Wand, ein tropfender Duschkopf oder ein Kratzer im Parkett. Wo ist sie hin, diese Lässigkeit im Umgang mit meiner Wohnung, über die ich mich bei mir selbst jahrzehntelang gefreut hatte? Während Freunde in Eigenheimen am Wochenende an ihrer Loggia rumbauten, machten wir mit unseren Kindern  Rad-Ausflüge und tranken des Abends auf unserem schrabbeligen Balkon entspannt ein Gläschen Wein. Letztes Wochenende hab ich mal wieder die Holzbalken unserer Terrasse geschrubbt, auf Gäste hatte ich keine Lust mehr. Na ja, jetzt in Corona-Zeiten eh schwierig.

Muss es wirklich Eigentum sein?

Es ist gut so, wie es ist, ich bereue nichts. Trotzdem frage ich mich immer wieder: Warum haben wir eigentlich gekauft? Eine Eigentumswohnung ist vernünftig für die Altersabsicherung. Aber ich wollte vor allem eine Gemeinschaft finden und was ganz Neues ausprobieren. Auf die Frage, ob es in ihrer Genossenschaft  San Riemo in München auch Eigentumswohnungen gibt, bringt es meine Interviewpartnerin Reem Almannai auf den Punkt. Nein, in San Riemo gäbe es nur Mietwohnungen: "Wir brauchen hier Leute mit einer gewissen Großzügigkeit und einem ­gemeinschaftlichen Selbstverständnis."

Schon Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einer der Gründungsväter des Genossenschaftsgedanken formulierte seine Ideen so: "Einer für alle, alle für einen." Ganz schön idealistisch. Gerade Wohnungsbaugenossenschaften sind heute auch Unternehmen mit Hunderten von Wohnungen und müssen sich am Markt behaupten. Trotzdem merke ich bei meinen Recherchen immer wieder: Der Genossenschaftsgedanke ist präsent. Und zwar nicht nur bei kleinen Gemeinschaften wie San Riemo, sondern auch bei den Großen. Ein Beispiel?

Die Genossenschaftsidee - gemeinschaftliches Wohnen für viele

In Hamburg läuft noch bis 27. Juni ein Teilaspekt der Ausstellung Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft“. Konkret geht es um die Fortentwicklung großer Genossenschaftssiedlungsgebiete aus den 1950er bis1970er Jahren. Toll, was da an Visionen für wirklich große und in die Jahre gekommene Wohngebiete entwickelt wurde. Sicher kann und wird nicht alles Realität werden. Aber der Grundgedanke von Baugenossenschaften wird noch mal sehr deutlich: Gemeinschaftliches Wohnen für viele.

Liebe B. und lieber T. – ihr seid doch aus Hamburg. Falls Ihr doch noch mal eine Alternative zu eurer schönen Wohnung überlegt, im Museum für Kunst und Gewerbe gäbe es noch ein paar Anregungen.

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Über diesen Blog

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das eigene Wohnglück zu finden ist.

Dorothea Heintze
Eine Landkommune war der Jugendtraum von Dorothea Heintze, geworden ist es eine glückliche Kleinfamilie in der Großstadt. Aktuelle Weiterentwicklung: Eine Baugemeinschaft. Wie findet man das eigene Wohnglück? Wer und was hilft? Wo läuft was schief? Über all das geht es in diesem Blog. Sie haben eigene Ideen? Fragen? Schreiben Sie der Autorin.

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