Johann Hinrich Claussen über verkaufte Kirchen

Alles Banane oder was?
Wladimir Putin auf einem XXL-Banner an einer Hausfassade in Köln. Thomas Baumgärtels Statement gegen den Krieg in der Ukraine.

Christoph Hardt, picture alliance, Panama Pictures

Thomas Baumgärtels Statement gegen den Krieg in der Ukraine von 2022: Wladimir Putin auf einem XXL-Banner an einer Hausfassade in Köln.

Alles Banane oder was?

Der "Bananenkünstler" Thomas Baumgärtel hat eine Kirche gekauft. Darf er dort auch gotteslästerliche Kunst zeigen?

Mit dem Verkaufen ist es wie mit dem Schenken. Hat man es getan, lässt es sich nicht rückgängig machen. Wie wir als Kinder zu sagen pflegten: "Geschenkt ist geschenkt, und wiederholen ist gestohlen!" Wer also ein Gebäude veräußert, hat in ihm nichts mehr zu sagen. Man sollte es sich deshalb vorher sehr gut überlegen, ob man einen Kirchenbau verkauft. Denn hier gibt es ein Problem, das man bei säkularen Bauten nicht hat. Wenn eine Kirchengemeinschaft einen Sakralbau veräußert, mag sie vielleicht eine Immobilienlast los sein, doch wird sie in der Öffentlichkeit weiterhin für das in Haftung genommen, was die neuen Besitzer und Nutzer dort anstellen. Aber sie hat keinen Einfluss mehr.

Johann Hinrich Claussen

Johann Hinrich Claussen, geboren 1964, ist Kultur­beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Für chrismon schreibt er jede Woche den Blog "Kulturbeutel". Von ihm er­schien zuletzt: "Die seltsamsten Orte der Religionen: Von versteckten Kirchen, magischen Bäumen und verbotenen Schreinen" (C. H. Beck-Verlag, 2020) und zusammen mit Martin Fritz, Andreas Kubik, Rochus Leonhardt, Arnulf von Scheliha: "Christentum von rechts" (Verlag Mohr Siebeck, 2021). Außerdem ist er Autor des Podcast: "Draussen mit Claussen"
Andreas Schoelzel(Berlin) 11.02.16; Dr. Johann Hinrich Claussen, Portraet, Portrait; Kulturbeauftragter des Rates der EKD, Leiter des EKD-Kulturbueros, evangelischer Theologe Foto: Andreas Schoelzel/EKD-Kultur. Nutzung durch und fuer EKD honorarfrei

Diese Erfahrung steht nun der katholischen Kirche im Rheinland bevor. Sie hat vor, in Eitorf im Umkreis von Köln die St.-Josef-Kirche an den Künstler Thomas Baumgärtel zu verkaufen. Er ist als "Bananenkünstler" bekannt und durch provokative Aktionen aufgefallen. Zum Beispiel hat er den türkischen Staatspräsidenten Erdogan mit einer Banane im Gesäß porträtiert.

Nun ist im Kaufvertrag ein Passus enthalten, der Baumgärtel untersagt, Kunst zu zeigen, die "die Kirche herabsetzt". Wie das rechtlich funktionieren soll, ist unklar. Wer bestimmt, was die Kirche herabsetzt, und nach welchen Kriterien? Und erledigt das die katholische Kirche in Köln nicht üblicherweise selbst? Der Künstler sprach natürlich sofort von "Zensur". Aber eine solche ließe sich vermutlich gar nicht durchsetzen. Baumgärtel sollte eher dankbar sein. Haben die katholischen Kirchenjuristen ihn da nicht auf eine gute Idee gebracht?

Leseempfehlung

Sie zu Moscheen zu machen, kommt für die evangelische Kirche aber nicht infrage
Die Erwartungen an Weihnachten sind riesig: Es soll festlich, harmonisch und friedlich zugehen. Und wenn einem gar nicht danach zumute ist? Ein Webinar

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Uralt das Dilemma. Was erzeugt eine Weihe? Kann einer Weihe für Gegenstände und Personen die Wirkung entzogen werden? Gibt es für eine Weihe einen Grundbuchauszug? Was macht eine Weihe mit dem "Objekt", oder ist es nur ein subjektiver Anspruch? Der Knoten platzt mit dem Abriss auch ohne Entweihung. Noch nie gehört, das ein Stein die Weihe mitnimmt, oder verbleibt sie als "Scheinheiligkeit" über dem Grundstück? Man mag den Kopf schütteln, aber damit sind Wesen, Wirkung, Wert und Wohl der Weihe nicht geklärt. Oder gibt es gar Qualitätsunterschiede für Waffen, Autorennen, klerikale Personen? Ist der Segen Urbi et Orbi gehaltvoller als der für eine Ehe, der vom Papst gewichtiger als der vom Kardinal? Haben Weihe und Segen eine "Immer-Wirkung"? Alles Unfug? Bitte nicht vergessen, dass die gesamte katholische Heilslehre und die Wirkung auf die Gläubigen auf den Anspruch beruft, dass die Wirkung der Weihe von Jesus bis zum letzten Priester auf die ununterbrochene Weitergabe bezieht. Wird dieser Anspruch aufgegeben, ist die ununterbrochene Segens- und Entsendungswirkung dahin. Die Kirchengeschichte ist voller Unterbrechungen durch Schisma, Morde und Klerusverbrecher. Auch da sind die Quellen latenter Probleme.