60 Jahre Anwerbeabkommen: Ata Canani singt über Gastarbeiter

Aber Menschen sind gekommen
Ata Canani, Aber Menschen sind gekommen

Espen Eichhöfer/Ostkreuz

Leverkusen Ata Canani mit Saz Am "Chempark" Werk in Leverkusen Zentrum

Ata Canani, Sohn türkischer Einwanderer, hat jahrzehntelang in Fabriken gearbeitet. Und darüber ­gesungen. Jetzt ist sein Debütalbum erschienen.

Ata Canani lehnt an einer Straßenlaterne und zupft an seinem Hemd. Hinter ihm Schornsteine, Container, kilometerlange Rohre, die kreuz und quer über das Werksgelände verlaufen. Es dampft und zischt. Leverkusen, einer der wichtigsten Standorte der deutschen Chemie­industrie. Der kleine Mann mit der Halbglatze weiß genau, wie es hinter den Schranken der Pförtnerhäuschen aussieht. Sein halbes Leben lang hat er in Fabriken gearbeitet. Als Gehilfe, Arbeiter und Techniker. Entspannt sieht Canani nicht gerade aus. Dabei ist er eigentlich ein herzlicher, humor­voller Mensch. Aber jetzt kommt er sich komisch vor mit seinem Instrument an der vierspurigen Straße. "Noch zwei Bilder", sagt er zu dem ­Fotografen, "und dann gehen wir."

Über 40 Jahre ist es jetzt her, dass Ata Canani beinahe ein Star ge­worden wäre. Der erste Liedermacher türkischen Ursprungs. Das singende Einwandererkind mit der elektrisch verstärkten Saz, wie die langhalsige Laute genannt wird. Aber nach ein paar Auftritten im deutschen Fernsehen ist es vorbei mit der Karriere. Der Junge mit dem dünnen Oberlippenbart verschwindet in der Versenkung. Ende der 70er Jahre sind Deutschlands Konzerthallen und Clubs noch nicht reif für orientalische Klänge. Schon gar nicht, wenn sie von sozial­kritischen Texten begleitet ­werden. "Stell Dir einmal vor" oder ­"Warte mein Land, warte" sind die Titel dieser mal zornigen, mal traurigen Lieder. "Arbeitskräfte wurden ge­rufen, aber Menschen sind ­gekommen", heißt es in Ata Cananis Song "Deutsche Freunde" frei nach Max Frisch, dessen berühmten Ausspruch der Musiker in einer Gewerkschaftszeitung gefunden hatte. "Nicht Maschinen, sondern Menschen."

Endlich kann Canani vergessen, dass der Fotograf seine Linse auf ihn gerichtet hat. Seine Finger haben eine wehmütige Melodie gefunden. Der 57-Jährige schließt die Augen und spielt das bauchige Saiteninstrument, das zu ihm gehört wie ein Freund aus Kindertagen. Canani bewegt den Kopf im Rhythmus des türkischen Volkslieds. Sein Gesang verwandelt die ­tris­te Umgebung für ein paar Minuten in eine Steppenlandschaft.

Wenn die Ampel auf Rot steht, schauen die Insassen der Fahrzeuge neugierig hinüber zu dem Musiker, der hier mitten im Leverkusener Indus­triegebiet seine Saz spielt. Manche winken oder strecken den Daumen in die Höhe. Der bärtige junge Mann ­hinter dem Steuer des Lieferwagens sieht aus wie einer, der eher Gangster-Rap hört. Trotzdem kurbelt er die Scheibe herunter und grinst. "Danke, Bruder", ruft er aus dem Fahrzeug.

 Ata Canani (Mitte) spielt für Enkelin und NachbarnEspen Eichhöfer/Ostkreuz

Es ist die Musik der Aşıks, der ­traditionellen Barden, die Ata Canani Ende der 70er Jahre einmal im Monat für die Kollegen seines Vaters spielte. ­Melancholische Lieder voller Sehnsucht und Liebesschmerz. Man traf sich in den spärlich eingerichteten Baracken und Wohnheimen, in denen die sogenannten Gastarbeiter untergebracht waren. Bei Ford in Leverkusen oder Klöckner-Humboldt-Deutz Köln. Canani war gerade erst 13, aber bereits ein Meister an der Saz. Die Männer um ihn herum bekamen Heimweh beim Klang seiner Musik. Einige ­brachen in Tränen aus, wenn sie Ata spielen hörten. Mit der Heimat waren sie nur per Brief verbunden. Und die Post brauchte damals noch Wochen, um die anatolischen Dörfer zu erreichen. Die Männer steckten dem Jungen als Belohnung für seine Musik Münzen zu. Ein, zwei Mark. "Ich hab dann oft 100, 150 Mark zusammenbekommen", erinnert sich der Musiker: "Das war viel Geld für einen Jungen."

Überhaupt hatte alles mit einem Bestechungsmanöver begonnen. Die Cananis hatten schon mehrere Jahre lang in Deutschland gearbeitet, als sie 1974 beschlossen, ihren Sohn nachzuholen. Aber Ata hatte sich längst an das Leben mit Oma und Opa gewöhnt, die Eltern waren ihm fremd geworden. "Die elterliche Liebe fehlte mir", sagt er heute. Ein traumatisches Schicksal, sagt Canani, das er mit vielen anderen Migrantenkindern der zweiten Generation teilt. "Darüber wird viel zu ­wenig gesprochen".

Canani liebt die trockene Landschaft im Südosten der Türkei. Diesen Brutofen an der Grenze zu Syrien, in dem er die ersten elf Jahre seines ­Lebens verbracht hat. Der preisgekrönte Schriftsteller und Linke Yaşar Kemal ist in der Nähe geboren, einer von Atas Helden. Schon als Junge liebte Canani Geschichten und Bücher. Besonders das von einer mutigen Räuberbande, die es den reichen Grundbesitzern heimzahlt. "Ich war schon mit zehn Jahren Sozialist", sagt er, "und konnte bereits als Teenager mit Erwachsenen politische Diskussionen führen."

Ata ging es gut bei seinen Großeltern. Nach Deutschland wollte er jedenfalls nicht. Also versuchten die Eltern, mit einem Willkommensgeschenk nachzuhelfen. Und so bekam Canani, der bereits mit sechs Jahren jedes Lied, das er im Radio gehört hat, Wort für Wort nachsingen konnte, ­seine erste Saz geschenkt.

Heute zieren acht dieser Instrumente die Wand von Cananis geräumigem Wohnzimmer in Leverkusen. Es gibt sie in verschiedenen Größen und Ausführungen, in dunklem und hellem Holz, akustisch und elektrisch. Über der großen Sitzgruppe hängt das in der Türkei allgegenwärtige Konterfei des Staatsgründers Kemal Atatürk. Die berühmten Gesichtszüge fein gewoben in einem Teppichbild.

 Ata Cananis Kinder und Enkel sind im Rheinland geboren. Für Sohn Beytocan ist die Türkei Urlaubsland.Espen Eichhöfer/Ostkreuz

In die Wohnung, aufgeräumt und funktional, ist Canani vor sieben ­Jahren nach der Scheidung von seiner Frau eingezogen. Jetzt kramt der Mann in den Schubladen eines Schranks. Will die Kassetten hervorholen, die es von seinen Liedern in den 80er ­Jahren zu kaufen gab. "Die konnte man damals beim Gemüsehändler und im türkischen Supermarkt bekommen", erklärt Canani. "Zwischen Melonen und Fladenbrot." Es habe damals Künstler gegeben, die Hunderttausende Kassetten verkauften. Seine findet er nicht. ­Er zuckt mit den Schultern. Wahrscheinlich sind die Tonträger beim Umzug verloren gegangen.

Auch die Master-Bänder von "Deutsche Freunde" sind längst verschwunden. Seine Ex-Frau hat sie nach der Trennung weggeschmissen. Indirekt hat sie Canani damit einen Gefallen getan. Als sich 2013 der Journalist und ­Autor Imran Ayata bei ihm meldete, weil er "Deutsche Freunde" auf seiner CD "Songs of Gastarbeiter" wieder ver­öffentlichen wollte, musste Canani ihm mitteilen, dass es keine Kopien mehr von der Aufnahme gab. Ayata ermunterte ihn daraufhin, den Song neu aufzunehmen. "Das hat mir viel Hoffnung gegeben." 2021 wird ein ­ganzes Album daraus, und der Musiker ist plötzlich wieder im Geschäft. "Es war wie ein Wunder", erzählt Canani und muss sich vor Aufregung erst einmal eine ­Zigarette anstecken. "Als der Anruf kam, dachte ich eigentlich erst, dass mich da jemand veräppeln will."

Zum Rauchen geht Canani auf den Balkon. Er zieht dort ein paar Peperoni­pflanzen in leeren Joghurteimern. "Die sind schön scharf", sagt er. ­Eigentlich soll er nicht rauchen. Vor ein paar Jahren hatte der Musiker zwei Herzinfarkte. Seitdem ist er gesundheitlich schwer eingeschränkt. Trotzdem freut er sich auf die Auftritte, die nach der langen Corona-Pause endlich ­anstehen. Er hat neue Songs geschrieben. Türkische und deutsche. Politische Lieder, die von Rassismus handeln, von ­Frieden und dem Auseinanderdriften der Gesellschaft.
"Die Armen", sagt Canani und zieht an seiner Zigarette, "werden immer ärmer, die Reichen immer reicher." Er klagt über hohe Mieten, die mehr als die Hälfte der Löhne auffressen, über Leiharbeiterfirmen und den zu niedrigen Mindeststundenlohn.

 In einem Musikgeschäft auf der Keupstraße in Köln-Mülheim.Espen Eichhöfer/Ostkreuz

Canani weiß, wovon er spricht. Seit seiner Erkrankung ist er arbeitslos gemeldet. Hat weit über 100 Bewerbungen losgeschickt. Ohne Erfolg. Die Angebote, die er erhält, liegen meist unter dem Existenzminimum.
1976, Ata Canani war erst seit ein paar Monaten bei seinen Eltern in Bremerhaven und hatte den ersten Schnee seines Lebens erlebt, traf er auf einem Konzert eines seiner Idole, den ­Musiker und Dichter Mahzuni Şerif. Der war von dem musikalischen Jungen beeindruckt und überließ ihm die ­Bühne für eine Viertelstunde. "Er wollte mich dann mit auf Tour nehmen, aber mein Vater hat das nicht erlaubt. Als 12-Jähriger kannst du ja nicht einfach von der Schule wegbleiben, um Musik zu machen." Einen wichtigen Rat gab Şerif ihm aber mit auf den Weg: Wenn er ein richtiger Aşık werden wolle, müsse er die Probleme der Gegenwart in seinen Liedern verarbeiten.

Der aufgeweckte Junge begann schon bald seine ersten Lieder zu schreiben. Zunächst auf Türkisch. ­Seine Texte handelten von den Lebens­bedingungen der Einwanderer. Vom Heimweh und von Familien, die voneinander getrennt leben müssen. In der Schule hatte er deutsche Freunde und Kumpels mit jugoslawischem, griechischem oder spanischem Hinter­grund. "Das machte für uns keinen Unterschied." Zu Hause ging es streng zu. Wichtigste Regel: Türken bleiben unter sich. Dass er in Jugendclubs rumhing und auf Einladung seines Religions­lehrers regelmäßig in einer Kirche spielte, fand der Vater verwerflich. Er hatte Angst, seinen Sohn an die westliche Kultur zu verlieren. "Wir Gastarbeiterkinder", sagt Canani ­heute, "waren geteilte Menschen." Er zögert einen Moment und korrigiert sich, "sind zweigeteilte Menschen".

 Unterwegs in der Keupstraße in Köln-Mülheim, dort grüßen ihn viele: ehemalige  Kollegen oder Leute, die ihn als  Musiker kennen.Espen Eichhöfer/Ostkreuz

Immer wieder, erzählt Canani, ­habe er für Kollegen übersetzen oder dolmetschen müssen. Besonders in den zwei Jahren, in denen er mit dem Vater auf Montage unterwegs war. Von Baustelle zu Baustelle. Der Vater als Schweißer, er als Gehilfe. Übernachtet haben sie damals in Motelzimmern. Viele Gastarbeiter seien den deutschen Vorarbeitern komplett ausgeliefert ­gewesen, sagt er: "Ich nicht. Ich habe gesagt, was ich denke." Und deshalb ist sein wichtigster Rat an Neuankömmlinge bis heute: "Lernt die Sprache so schnell wie möglich."

Nach seinem Auftritt in Alfred Bio­leks "Show-Bühne", einer beliebten TV-Musikshow in den 80er Jahren, wurde Ata Canani vom WDR interviewt. Er sprach über seine ­Arbeit in einer Eimerfabrik. Erzählte, dass die Ausländer in ihrer Schicht eine höhere Akkordleistung erbringen müssten als die Deutschen, und ­berichtete, dass es in den Wohn­ba­racken vor Ratten wimmelte. Als Konsequenz wurde sein Vertrag nicht verlängert. "Zumindest haben sie ­danach alles renoviert", erinnert er sich und lacht. "Und ich war froh, etwas Gutes bewirkt zu haben."

Etwas Gutes zu bewirken, bedeutet für Ata Canani bis ­heute, seine Meinung zu ­sagen und sich für die ­Rechte von migrantischen Arbeitnehmern einzusetzen. "Ich war immer in Gewerkschaften organisiert", sagt ­Canani: "Als Vertrauensperson habe ich Zankereien geschlichtet und darauf bin ich stolz." Und dann zitiert er aus seinem Lied "Alle Menschen dieser Erde": "Hast du Liebe, gib sie weiter, dem, der keine Liebe hat. Denn nicht nur das Brot alleine macht die Menschen froh und satt."

Klein-Istanbul wurden Viertel wie die Keupstraße in Köln-Mülheim ­früher genannt. In den späten 70er ­Jahren waren die Gebäude hier herunter­gekommen und sanierungsbedürftig, sie boten günstigen Wohnraum für türkische Arbeiter aus den umliegenden Fabriken. Heute sind die Gründerzeithäuser renoviert: Wett­büros, Juweliere und Kneipen sind eingezogen, Barbiere und Lebensmittel­läden. Zwei Moscheen gibt es. Wenn Ata Canani in der Keup­straße spazieren geht, wird er von ­vielen begrüßt. Die einen sind Bekannte oder Ex-­Kollegen aus einer der vielen Fabriken, in denen Canani gearbeitet hat, die ­anderen ­kennen den Mann mit der Saz als Musiker. Schließlich hat er viele Jahre auf Hochzeiten, bei Beschneidungsfeiern und Verlobungen gespielt. Vor Hunder­ten, oft Tausenden von Gästen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien, Holland und Frankreich.

Seine eigenen engagierten Lieder spielte Ata Canani auf diesen Feiern höchstens in den Tanzpausen. Nur wenige wollten zuhören, während Vorspeisen serviert wurden oder der Schnaps in Strömen floss. Aber einmal, er war noch ganz jung, sprach ihn ein deutsches Paar an, das von ihren türkischen Kollegen eingeladen worden war. "Was singst du da?", wollten sie wissen. Die neugierige Frage war der Auslöser für die ersten Texte, die Canani auf Deutsch geschrieben hat.

"Deutsche Freunde" hätte Atas Hit werden können. Man kann sich dem Sog dieses Liedes nur schwer entziehen. "Sie nennen uns Gastarbeiter, unsere deutschen Freunde . . . und die Kinder dieser Menschen sind geteilt in zwei Welten. Ich bin Ata und frage euch, wo wir jetzt hingehören." Aber weder die türkeistämmigen ­Migranten noch die Deutschen wollten Ata ­Cananis intensive Texte damals hören. Dabei ist sein eigenwilliger Sprachrhythmus außergewöhnlich im deutschen Songwriting. "Als Schweißer, als Hilfsarbeiter, als Drecks- und Müll­arbeiter, Stahl-, Bau- und Bandarbeiter. Sie nennen uns Gastarbeiter, unsere deutschen Freunde. Freunde, Freunde. Sie haben am Leben Freude."

"Direkt vor der Bäckerei hier ist es passiert", sagt Canani und zeigt auf den Gehsteig. Am 9. Juni 2004 werden bei einem Nagelbombenanschlag auf der Keupstraße 22 Menschen zum Teil schwer verletzt. Viel zu lange ­suchen die Behörden die Schuld bei kurdischen Separatisten, rivalisierenden Geschäftsleuten oder Islamisten. Erst Jahre nach dem Attentat steht fest, dass der rechtsextremistische NSU die Bombe gelegt hat. Er habe gleich geahnt, dass Neonazis hinter dem Anschlag stecken, sagt Canani. ­Diese Form von extremem Hass, meint er, habe es in seiner Jugend nicht ge­geben. "Gleichgültigkeit und Unverständnis ja, aber nicht dieser offen zur Schau gestellte Hass." Man merkt, wie sehr ihn das Erstarken des Rechts- extremismus aufwühlt. Die Worte bleiben ihm im Hals stecken.

Einmal malt jemand ein Hakenkreuz an das Haus, in dem Canani wohnt. Als er die Polizei ruft, habe der ­Beamte kein politisches Symbol ­erkennen können. "Es ist nicht eindeutig", ­zitiert Canani den Ermittler und schüttelt den Kopf. "Was ist an einem Hakenkreuz nicht eindeutig?"

Jetzt will Canani an den Rhein. Das Treppensteigen fällt dem Musiker schwer. Sofort macht sich das Herz bemerkbar. Canani blickt auf das glitzernde Wasser. Schmetterlinge schwirren umher, ­Lastenkähne fahren vorbei. Im Hintergrund der Industriehafen mit seinen Kränen. Er packt sein Instrument aus und spielt ein neues Lied. Es ist wie die meisten seiner Stücke melancholisch und kämpferisch zugleich. "Vom Bosporus bis zum Rhein scheint die Sonne überall", singt er: "Versteht uns endlich, wir gehören hierher." Ein paar Betrunkene pöbeln herum und schreien, er solle aufhören mit dem Lärm. Canani lässt sich nicht stören.

Gero Günther

Glücklich darüber, endlich wieder Livemusik hören zu ­können, waren ­Fotograf Espen Eichhöfer und Gero Günther, Autor, als der Saz-Virtuose Ata Canani und sein Sohn Beytocan spontan in der ­Wohnung des ­Musikers zu spielen begannen.
Enno KapitzaGero Günther

Espen Eichhöfer

Espen Eichhöfer, geboren 1966 in Nesbyen, Norwegen ist Fotograf. Von 1992 bis 2000 studierte er Kommunikationsdesign in Essen. Seit 2006 ist er Mitglied bei der Agentur "Ostkreuz". Er lebt und arbeitet in Berlin.
Privat

"Wo ich beerdigt werden möchte?" Canani denkt nicht lange nach. "Hier", sagt er sofort. Schließlich sind seine Kinder und Enkel im Rheinland geboren. "Für meinen Sohn und meine Tochter ist die Türkei inzwischen einfach ein Urlaubsland." Deutschland sei schon längst seine Heimat geworden. "Umso schlimmer, dass wir von vielen trotzdem noch als Menschen zweiter Klasse behandelt werden." Dagegen will er ansingen und -spielen. Immer noch und immer wieder.

Und diesmal könnte es klappen mit der Karriere. Zusammen mit der Münchner Band Karaba tourt der Mann mit der Saz gerade durch Deutschland. Die Zeit scheint reif zu sein für Ata Canani.

Produktinfo

Ozan Ata Cananis "Warte mein Land, warte" ist bei Fun in The Church/Staatsakt Rec. erschienen.

Die Kompilation "Songs of Gastarbeiter Vol. 1" ist bei ­Trikont erschienen. Anfang nächsten Jahres wird es ein Volume 2 geben.

Lektüretipp: Vor Ort: Fotogeschichten zur Migration. Der Katalog zur Ausstellung im Museum Ludwig in Köln zeigt vor allem Privatfotos aus den Jahren 1955 bis 1989. Sie sind bisher kaum wahrgenommene Dokumente aus der Geschichte des Rheinlands. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König. 302 Seiten, 25 Euro.

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