Ein Jahr nach der Explosion in Beirut

Eine verwundete Stadt
Eine verwundete Stadt

Karin Uckrow

"They matter": Künstler Brady Black zeigt die Gesichter der zahlreichen Opfer in der Innenstadt von Beirut

Die Menschen im Libanon fordern endlich Aufklärung.

Es ist schon über ein Jahr her. Im August 2020 starben bei der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut mehr als 200 Menschen, Tausende wurden verletzt, Hunderttausende verloren ihre Wohnungen. Und immer noch ist nicht geklärt, wie es zur Detonation kam. Und warum eine Riesenmenge gefährlicher Chemikalien jahrelang ungesichert im Hafen von Beirut lagern konnte.

Karin Uckrow

Karin Uckrow lebt in Beirut und leitet die Dialog- und Verbindungsstelle Nahost bei Misereor. Die Betriebswirtin engagiert sich auch in der deutschen evangelischen Gemeinde zu Beirut.  

Bislang wurde kein politischer Entscheidungsträger zur Verantwortung gezogen. Ermittlungsrichter werden ausgebremst. Aber die Angehörigen der Opfer lassen nicht locker. Sie demonstrieren mit Bildern der Getöteten vor dem Obersten Gericht in Beirut und fordern Aufklärung.

Schon vor dieser Katastrophe befand sich der Libanon in einer Krise. Der Staat ist bankrott. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, manche Familien ernähren sich von dem, was sie im Müll finden.
Bei vielen Menschen hat die Explosion die letzte Hoffnung zerstört, dass sich etwas ändert. Wer kann, wandert legal aus. Andere versuchen aus schierer Verzweiflung, mit einem Boot vom Nordlibanon aus illegal nach Zypern überzusetzen. Ich höre hier oft: "Wir haben hier keine Zukunft."

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