Was hat es mit der Kreuzigung auf sich?

Ist Jesus für uns gestorben?
Ist Jesus für uns gestorben?

Lisa Rienermann

Ist Jesus für uns gestorben?

"Selbst wenn, ich will es nicht", sagen heute viele. Die Vorstellung, dass jemand meine Schuld auf sich nimmt, kann aber auch tröstlich sein.

Vorgelesen: Religion für Einsteiger "Ist Jesus für uns gestorben?"

Am 29. Juli 1941 ließen die Wachleute im Konzentrationslager Auschwitz die Häftlinge antreten. Einem Häftling war die Flucht aus dem Lager gelungen. Nun sollten andere sterben. Unter anderen bestimmten die Wachleute dafür den Polen Franciszek Gajowniczek, Vater von zwei Söhnen. Gajowniczek klagte laut. Da trat Maximilian Kolbe aus der Reihe, ein polnischer katholischer Priester, und erklärte sich bereit, die Kollektivstrafe auf sich zu nehmen, wenn Gajowniczek dafür am Leben bleibe. So geschah es.

Und wie war das bei Jesus? Warum es historisch zur Kreuzigung kam, wissen wir nicht. Im Johannesevange­lium (15,13) heißt es: "Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde." Mag sein, dass Jesus sich wie Maximilian Kolbe geopfert hat, um seine Jünger außer Gefahr zu bringen. Laut Johannes 11,50 sagte Hohepriester Kaiphas: "Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe." Sollte Jesu Tod vielleicht die römische Besatzungsmacht besänftigen und eine Katastrophe abwenden?

Burkhard Weitz

Burkhard Weitz ist als chrismon-Redakteur verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Er studierte Theologie und Religionswissenschaften in Bielefeld, Hamburg, Amsterdam (Niederlande) und Philadelphia (USA). Er ist ordinierter Pfarrer und Journalist. Über eine freie Mitarbeit kam er zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" und war seither mehrfach auf Recherchen in den USA, im Nahen Osten und in Westafrika.      
Lena UphoffPortrait Burkhard Weitz, verantwortlicher Redakteur für chrismon plus

Von Anfang an verstanden Christen den Tod Jesu als Selbstopfer für andere. Die Bibel steigert das Motiv der Hingabe ins Mythische: Jesus habe ein Lösegeld bezahlt, um die Gläubigen freizukaufen, schrieb Paulus (1. Korinther 6,20). Jesus trage die Schuld der ganzen Welt, soll Johannes der Täufer gesagt haben (Johannes 1,29): "Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt", singen Christen heute noch beim Abendmahl: "Erbarm dich unser." Eine schwierige Vorstellung, an deren Erklärung viele Theologen gescheitert sind.

Manche sagen: Ein gnädiger und gerechter Gott dürfe nicht alle Schuld ungesühnt lassen. Er müsse eine Sühne verlangen. Daher nehme Gottes Sohn die Strafe auf sich. So könne Gott gerecht und gnädig sein.

Aber das wäre ja grausam! Da bringt Gottvater seinen Sohn um und verkauft das als gute Tat. "Ich will nicht, dass Jesus für mich stirbt", ­sagen viele. Andere sagen: "Wie ­konnte Jesus die Verantwortung für Dinge übernehmen, die damals noch völlig ­undenkbar waren: die Ausrottung ganzer Indiovölker, die Versklavung von Millionen von Afrikanern, den millionenfachen Mord an Juden?"

Paul Gerhardt fühlte sich getröstet

Und doch hat das Bild viele Menschen getröstet: "Wenn ich einmal soll scheiden", dichtete der Pfarrer Paul Gerhardt acht Jahre nach dem ­Dreißigjährigen Krieg, "so scheide nicht von mir. Wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür. Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den ­Ängsten kraft deiner Angst und Pein."

Paul Gerhardt stellte sich vor, er müsse seine Taten vor seinem ewigen Richter verantworten. Doch die Sündenlast sei so groß, dass er Höllenstrafen befürchten müsse. Hier kommt die Bitte aus der Liedstrophe ins Spiel: Jesus tritt hervor, tritt für den Angeklagten ein, nimmt seine Schuld auf sich. So kann das sündige, aber doch gläubige "Ich" zu Gott heimkehren.

Wir machen alle Fehler

Diese Hoffnung prägte über Jahrhunderte die protestantische Ge­wissenskultur: Du kannst nicht alles richtig machen. Aber du musst dich dem Bösen, das du anrichtest, stellen. Dann kannst du auf die Gnade Christi hoffen. Diese Gewissenskultur verband einen hohen moralischen Anspruch mit der Bereitschaft, die Gesellschaft zu gestalten – und dabei das Risiko ein­zugehen, auch Fehler zu machen.

In vielem, was Luther gelehrt hat, findet man diesen Zwiespalt wider. Im Rahmen seiner sogenannten "Zwei-­Reiche-Lehre" mahnte Luther für den einzelnen Christen Selbsthingabe an, wie Christus sie vorgelebt und in der Bergpredigt gefordert hatte: Feindes­liebe bis zur Selbstverleugnung. Schlägt dich der Feind, so halte ihm die andere Wange hin. Zugleich lehrte Luther, dass man für andere Verantwortung übernehmen soll. Bedroht der Feind das Leben deines Nächsten, musst du ihn verteidigen, auch mit der Waffe. Selbsthingabe ja, aber eben auch Verantwortung für andere.

Dass Jesus sich für andere hingegeben hatte, verstanden Christen zu allen Zeiten. Deshalb wusste auch Maximilian Kolbe, was er tun musste, als der Wachmann im KZ Auschwitz Franciszek Gajowniczek abführen wollte.

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Lesermeinungen

Jesus wollte doch die Irrwege des jüdischen Glaubens ebnen, uns von den unbarmherzigen Gesetzen befreien, wie Heilung am Sabbat, Verkehr mit Sündern und Huren, Gespräch mit Heiden, etc. Der Weg zum Frieden geht über Vergebung und Handeln in der Nächstenliebe. Wären die Hohenpriester (Pharisäer) auf die Botschaft eingegangen, hätte er nicht sterben müssen. Trotz aller Widerstände ist Jesus seiner Botschaf treu geblieben und reizte die Gestzeslehrer bis zur Anklage auf Tod. Die Anklage verlief über die römische Gerichtsbarkeit. So endete er am Schandmal der Kreuzigung, obwohl auch Pilatus keine Schuld an Jesus fand. Jesus starb nicht für unsere Sünden, sondern wegen dem sündhaften Dünkel der verantwortlichen Herrscher. Niemals darf die Kirche pauschal jeden als Sünder verantwortlich machen.
Freundliche Grüße, Egon Dammann

"Ist Jesus für uns gestorben ?"

Sehr geehrter Herr Weitz,
gerne hätte ich gewusst, ob es Belege für Ihre Interpretation der Strophe von Paul Gerhard gibt. Ich habe sie bisher so interpretiert, dass uns Jesus (analog vielleicht für den Charon) uns auf dem Weg vom Diesseits zum Jenseits begleiten soll, uns die Ängste vom Tod und nicht primär vom Gericht nehmen soll.
Danke für Ihren Text
Johann Ott

Sehr geehrte Damen und Herren,
Vielen Dank dafür, dass in chrismon DAS EVANGELISCHE MAGAZIN auf einigen Seiten auch Evangelisches vorkommt. Ich darf Ihren Autoren aber anempfehlen, erst in den Evangelien zu lesen, bevor sie einen Artikel schreiben. Ein Satz wie der folgende wäre dann wohl nicht gedruckt worden: "Warum es zur Kreuzigung kam, wissen wir nicht."

Falls Sie das wirklich nicht wissen: Die Kreuzigung war eine besonders schwere Strafe der römischen Besatzungsmacht, und Jesus wurde von den Römern damit bestraft, weil er, nach ihrer Meinung, König der Juden werden wollte. Der, soweit mir bekannt, einzige übereinstimmende Satz in den vier Evangelien zeigt dies glasklar: "Bist du der König der Juden?" und wird durch mehrere andere Textstellen bestätigt. Auch die widersprüchlichen vier Tafeln an Jesu Kreuz stimmen diesbezüglich vollkommen überein. Der bisher nur im Land umher ziehende Wanderprediger Jesus hatte entweder die Gefahr in der Hauptstadt unterschätzt oder strebte angesichts der leeren Jüngerkasse zu (s)einem fulminanten Ende.

Mit den allmächtigen Römern zum Feind wäre der jüdischen Jesussekte natürlich bald ein Ende gemacht worden. Daher mussten diese entschuldigt, und andere für Jesu Martertod verantwortlich gemacht werden. Zuerst Judas Iskariot, dann der Teufel bzw. Satan (Joh 13,2 und 27), zudem die ihn gefangennehmenden Hohenpriester und Ältesten des Volkes (Mt 26,47) und die Schriftgelehrten (Mk 14,43) bzw. die Pharisäer (Joh 18,3), dann Hannas, der Schwiegervater des Kajaphas (Joh 18,13-24) bzw. bei den drei nicht völlig erfundenen synoptischen Evangelien Kajaphas selbst. Der Römer Pilatus musste Jesus in allen Evangelien freilassen wollen, wurde aber angeblich zur Kreuzigung gezwungen durch die Hohenpriester (Mk 12,2-5) und die Ältesten (Mt 27,11-14) und die Schriftgelehrten (Lk 22,66 und 23,3-5) und (als folgenreichste Lüge) durch Jesu eigenes Volk und ihre Kinder, also durch alle Juden (Joh 18,33-37).

Falls dies die Römer noch nicht entschuldigen würde, so hatte sogar Jesus seinen Tod gewollt (Mt 16,21 und 17,22-23 und 20,18-19, Mk 8,31 und 9,31 und 10,33-34, Lk 9,22 und 18,31-33) und seine Auferstehung angekündigt - obwohl seine Jünger unmittelbar danach an beidem keinerlei Interesse zeigten: als ob sie das damals noch nicht wussten. Erst später erzählten sie viel von all dem - als sie dafür gut bezahlt wurden: Apostelgeschichte 2,45 und 4,34-37 und 5,3. Sicherheitshalber hat auch noch der allmächtige Gott das qualvolle Sterben Jesu durch römische Sterbehelfer gewollt, weil dieser Allmächtige nur durch dieses langwierige Krepieren des "Menschensohnes" Jesus seine Gabe der Sündenvergebung aktivieren konnte.

Es ist verständlich, dass Sie Kindern diese unmenschlichen Lügen eintrichtern müssen, als logisch denkender Erwachsener kann man das alles ehrlicherweise nicht glauben. Außer übernatürlich, man wird dafür bezahlt, in der apostolischen Nachfolge - von Schafen und von Staaten ...

Mit gottfreien Grüßen
Manfred Schleyer

Schleyer: "Es ist verständlich, dass Sie Kindern diese unmenschlichen Lügen eintrichtern müssen, ..."

Verständlich? Muss das sein? Glaubst Du das "Die Wahrheit" Dich schon frei gemacht hat?

Alle Texte der Bibel sprechen nie einen "Einzelnen" / nie ein "Individualbewusstsein" an, denn das Ebenbild von "Gott"/Vernunft ist MENSCH der seine Vernunftbegabung GANZHEITLICH zu "gottgefälligem" / geistig-heilendem Verantwortungsbewusstsein "wie im Himmel all so auf Erden" gestaltet - Johannes 4,24 und Matthäus 21,18-22 zum Nach- und Überdenken. :)

Zu dem Beitrag "Ist Jesus für uns gestorben? " nur soviel:
Für mich soll kein Mensch sterben, erst recht nicht für meine Schuld.
Für die soll und muss ich selbst aufkommen, oder wie die Juristen sagen, haften. Das ist recht und billig, und entspricht dem Denken aller billig und gerecht Denkenden, wie auch die Juristen sagen
.Mir fallen Verse aus dem Gedichtband "gottgerneklein" des Schweizer Pfarrers und Poeten Kurt Marti ein, dessen 100.Geburtstag wir vor kurzem gedachten:
"Ich glaube, was ein frommer Jude gemurmelt:
Es muss eine Hölle geben, wo wäre sonst Hitler?
Es muss einen Himmel geben, wo wären sonst die Vergasten?
Ich glaube, dass Schmerz und Gedächtnis weltenschwer wiegen, auf der Waage G´tt des Gerechten.
Und dann noch ein Wort Dietrich Bonhoeffers:
"Es gibt keine billige Gnade."

Chrismon: "Und wie war das bei Jesus? Warum es historisch zur Kreuzigung kam, wissen wir nicht."

Ja, wissen, mit absoluter Sicherheit, können wir es nicht, aber wie ist es denn immer, wenn es um die Wahrheit geht!?

Vielleicht ist Jesus auch garnicht gekreuzigt worden, weil ..., aber wenn es wie bei fast allem in der Bibel um eine verschlüsselte Botschaft geht, dann ist diese mehrfach clever!?

@Traugott Schweiger

Man muss bedenken wer die Interpretationshoheit der biblischen Texte/Geschichte hat, bzw. wer warum die "Geistlichen" theologisch bildet/anweist bei Zweifel am System zu sagen: "Gottes Wege sind unergründlich"!!!

Der Spruch von Gottes unergründlichen Wegen ist in der Tat sehr beliebt und voll daneben. Der Autor Herr Weitz hat ihn aber nicht benutzt, auch nicht dem Sinne nach. Also muss man, wenn seine Ausführungen nicht überzeugen und man diskutieren möchte, genau auf den Inhalt eingehen, den er zur Sprache bringt. Dieses Befassen mit dem Inhalt kann auch nicht ersetzt werden durch den durchaus richtigen Hinweis, dass die Theologenausbildung wie auch die gesamte Kirche knochenhart hierarchisch sind und deshalb prächtig zur sonstigen berühmten freien Gesellschaft passen.

Traugott Schweiger

Vor garnicht langer Zeit habe ich mit einem Pastor über Bibeltexte diskutiert. Nach einer Weile sagte er zu mir: "Sie haben ja recht, doch was soll ich denn machen, wenn ich der Gemeinde das sage, dann bin ich ganz schnell meinen Job los" - !

Ich habe auch schon Pastoren kennengelernt, die ihren Job selbst gekündigt haben, weil sie den Konflikt mit sich, der Gemeinde und der Wahrheit nicht mehr ertragen haben - Das ist meiner Meinung nach der ganz falsche Weg, besonders wenn man den Weg des Jesus betrachtet, die hätten sich wegen wahrheitlicher Worte aus ihrem Amt rauswerfen ("kreuzigen") lassen müssen!?

"die hätten sich wegen wahrheitlicher Worte aus ihrem Amt rauswerfen ("kreuzigen") lassen müssen!" Von Ermahnungen, gefälligst selbst in die Arbeitslosigkeit zu springen, rate ich ab. Wem es dämmert, dass er sich entweder laufend verstellen muss oder aus seinem Job fliegt, der könnte auf dem Weg zu einem richtigen Gedanken über die freiheitliche Gesellschaft sein. Was er in dieser bescheuerten Zwickmühle dann macht, entscheidet er selbst. Moralisierende Bewertungen dieser Entscheidung sind wie jede Moral eine Vernebelung von Abhängigkeitsverhältnissen.

Traugott Schweiger

Schweiger: "Von Ermahnungen, gefälligst selbst in die Arbeitslosigkeit zu springen, rate ich ab."

Na das habe ich ja ganz und garnicht getan.
Die beschriebenen Pastoren sind SCHWEIGEND von selbst gegangen, DAS IST FALSCH, besonders wenn man im Vorbild Jesus wandelt!!!

Schweigende Pastoren kann es nicht geben. Die werden nicht zuletzt dafür bezahlt, dass sie laufend predigen. Die meisten machen das so, dass die Kirchenleitung damit ganz zufrieden ist. Manche erlauben sich abweichende Ansichten. Ob sie es damit zu weit treiben, legen die Kirchenhäuptlinge fest. Selbstverständlich unter Wahrung aller Freiheitsrechte und Treuepflichten, die der Staat in Kraft setzt und am Laufen hält.

Lehrern und Journalisten geht es genau so. Die meisten unterrichten oder schreiben aus eigener Überzeugung so, dass die Aufsichtsorgane und Vorgesetzten keinen Grund zur Klage haben. Manche weichen ab. Unter diesen Abweichungen gibt es solche mit ziemlich schlechten Gründen und solche, denen man mit gutem Grund Sympathie, wenn nicht mehr entgegen bringt.

Die Abweichler beider Abteilungen müssen dann sehen, wie sie trotz des drohenden oder vollzogenen Rausschmisses zu Zaster kommen. Schweigend geht da keiner.

Jesus wird in diesem Zusammenhang gern gehandelt als ein Typ von echtem Schrot und Korn, der nicht nur einen Job, vielleicht Wanderprediger, sondern sogar sein Leben weniger geachtet hat als irgendeinen höheren Zweck. Statt in den üblichen Beifall auszubrechen, würde ich wissen wollen, was das für bescheuerte Zustände sind, wo Zwecke verfolgt werden, verfolgt werden wollen, verfolgt werden müssen, die das Opfer des Lebens erfordern.

Wenn solche Zustände und Zwecke nämlich Beifall finden, dann ist nicht einzusehen, warum dann nicht auch die Fremdaufopferung ganz großartig sein soll, ebenso wie die Selbstaufopferung. Und genau so läuft es auch.

Deshalb: Der gekreuzigte Jesus als Vorbild? Nein, danke!

Traugott Schweiger

Auweia, Herr Traugott Schweiger, da ist wirklich einiges falsch gelaufen / "falsch" verstanden / falsch Glaube geworden.

Die 30 Silberlinge wirken immernoch nach!?

@Schweiger: "Ob sie es damit zu weit treiben, legen die Kirchenhäuptlinge fest."

Und die wiederum haben ihr Recht von ...!? Weil der Kreislauf der imperialistisch-faschistischen Hierarchie ...!?

Übrigens: Ich kann es mir gut vorstellen, dass Jesus nie gekreuzigt worden ist.

Was ist denn "der Kreislauf der imperialistisch-faschistischen Hierarchie" für ein feuerspeiendes Fabelwesen? Könnte glatt der Offenbarung des Johannes entsprungen sein. Das trägt nicht dazu bei, sich klar zu machen, wie Kirchen ihre unbotmäßigen Gottesmänner und Gottesfrauen auf Kurs bringen oder rauswerfen. Und wie der Rechtsstaat die Mittel dazu bereit stellt.

Was sich vor 2000 Jahren in Jerusalem abgespielt hat, ist nur sehr bruchstückhaft bekannt. Gerade deswegen kann der Einfallsreichtum des Glaubens ziemlich ungebremst zuschlagen. Eine Kreuzigung ohne Gekreuzigten würde da nicht den Rahmen sprengen.

Traugott Schweiger

Der Kreislauf der imperialistisch-faschistischen Hierarchie ist die Gewohnheit der instinktiv-gepflegten Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und egozentriertem "Individualbewusstsein" auf stets systemrationaler Schuld- und Sündenbocksuche, also das zeitgeistlich-reformistische "Zusammenleben" im nun "freiheitlichen" Wettbewerb mit geschmiert-gebildeter Suppenkaspermentalität, denn der "brave" Bürger will/soll ja bleiben wie die Werbung der Margarine vorgibt!?

Für konfusionierte Wesen die der konsum- und profitautistischen Bewusstseinsbetäubung dienen, nicht der wirklich-wahrhaftigen Bewusstseinsentwicklung.

Schweiger: "Gerade deswegen kann der Einfallsreichtum des Glaubens ziemlich ungebremst zuschlagen."

Wenn das mal so wäre, aber leider schlagen bei Wahrheit "wie im Himmel all so auf Erden" (sozialistisch/kommunistisches Gemeinschaftseigentum!) auch die Türen der Kirchen aus "theologischen" Gründen sehr schnell vor den Nasen zu, was diese dann zu Abtrünnige / der Kreuzigung Würdige macht!?

Das stimmt durchaus, dass der anständige Gläubige sich einig weiß mit der Kirchenleitung, dass auch der liebe Gott tüchtiger Antikommunist ist. Gegen diese bombenfeste Dreierkoalition aus himmlischer und irdischer Führung und begeistertem Fußvolk soll jetzt ausgerechnet der gekreuzigte - oder auch ungekreuzigte, wenn Sie das bevorzugen - Jesus helfen? Da hätte ich erhebliche Zweifel.

Beim Bewusstsein der lieben Zeitgenossen beklagen Sie Schwäche und Betäubung. Dem möchten Sie eine "wirklich-wahrhaftige Bewusstseinsentwicklung" entgegensetzen. Wie soll denn diese Sorte von Bewusstseinspflege oder Bewusstseinssorge laufen, um das Wort Seelsorge zu vermeiden?

Gegen "Suppenkaspermentalität" hilft, wenn überhaupt, die sachgerechte Erklärung der Wirklichkeit. Die zu erarbeiten und zur Sprache zu bringen würde auch aufzeigen, warum die landesübliche Begeisterung für das Privateigentum für den auf einen Job angewiesenen Normalbürger einen gefährlichen Schnitt ins eigene Fleisch bedeutet.

Der mutmaßliche Wanderprediger vor 2000 Jahren mag ja ein sympathischer Kerl gewesen sein, dem seine Obrigkeit auch auf den Geist gegangen ist. Von ihm lernen lässt sich kaum etwas. Er konnte nicht wissen, wie die moderne, freiheitliche, marktwirtschaftliche Staatenwelt läuft.

Traugott Schweiger

Was hat es also mit der Kreuzigung auf sich? Offenbar kann man aus ihr heiße Tipps entnehmen, wie man sich im KZ lobenswert aufführt. Wohlgemerkt keine Anweisung an die Betreiber von solchen Lagern, sondern an die Insassen und Opfer! Und damit nicht genug. Das ist als Trost aufzufassen!

Ohne Kreuzigung also Herr Gajowniczek 1941 umgebracht und Herr Kolbe vielleicht bis ins hohe Alter am Leben. Mit Kreuzigung Herr Kolbe 1941 umgebracht und Herr Gajowniczek 1995 mit 93 Jahren verstorben. Wer sich davon trösten lassen will, wird es wohl tun.

Traugott Schweiger

Ehrlicher wäre es gewesen, wenn Sie, Herr Weitz, schlicht geschrieben
hätten: "Ich weiß es nicht." Das ist nämlich die Essenz des Artikels zu dem obigen Thema. Da steht "für uns", also doch für alle Menschen, zumindest für viele bis heute.
Mit freundlichem Gruß
Gerhard Hoffmann

Lieber Herr Weitz,
ist es nicht so, wenigsten hat man das in unsere Kinderhirne eingebläut, dass der Schöpfer des Universums über die doch verbotene Apfelsverpeisung des Adam so stocksauer wurde, dass er nicht andes konnte, als seinen einzigen Sohn, der wiederum in seiner Dreieinigkeit ein Teil von ihm selbst war, am Kreuz sterben zu lassen?
Gilt diese Basis des Christentums heute nicht mehr - was dann?

Ich bin Ihnen für Ihre Auskunft sehr dankbar.

Beste Grüße und alles Gute für Sie
Gerhard Mulzer

Sehr geehrter Herr Weitz,
zu Ihrem Beitrag „Ist Jesus für uns gestorben?“: Bei der Frage ist zu unterscheiden, ob Jesus für uns gestorben ist oder ob er für unsere Sünden gestorben ist.

Jesus ist als Bote Gottes in die Welt gekommen, und zwar als Mensch, und in dieser letzten Konsequenz hat er den Tod auf sich genommen. Er hätte auch vor seiner Kreuzigung in den Himmel auffahren können.

Eine ganz andere Frage ist, ob er für unsere Sünden gestorben ist. Diese Annahme geht zurück auf die Satisfaktionslehre von Anselm von Canterbury (1033-1109), also nicht auf das Neue Testament. Der grundsätzliche Einwand dagegen ist, dass die Vorstellung des zürnenden, strafenden, zu befriedigenden Gottes eine reine Fiktion ist; Gott ist im Letzten unbegreiflich und SBK und HBS oder der Papst „wissen“ von Gott so viel wie Sie und ich. Der Ablasshandel des Mittelalters unterlag dem naiven Irrtum, dass man mit Gott „dealen“ könne; dieser Irrglaube war für Martin Luther der Anlass seines Thesenanschlags. Dabei verwies er -auch unter Berufung auf Paulus- darauf, dass wir allein von der Gnade Gottes abhängig sind, eine Erkenntnis, die schließlich Grundlage der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999 geworden ist. Mit Blick auf die Gnadenlehre ist die Annahme, dass Gott für unsere Sünden gestorben ist, grundfalsch; es gibt keinen deal „Tod Jesu vs. Sündenvergebung“.

Ihr Vergleich mit Maximilian Kolbe stimmt nicht, weil Jesus nach seiner Gefangennahme keine Alternative hatte. Ihre Zitate von Paulus und dem Kirchenmusiker Paul Gerhardt gehen an der Sache vorbei. Mit Verlaub: Sie haben das Thema ziemlich verfehlt.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Helmut Schmidt, r.k.

Sehr geehrtes Chrismon-Team,
mit dem oben genannten Beitrag haben Sie eine Frage aufgeworfen, die sicherlich viele Leser bewegt. Und mich bewegt sie seit Jahren, ohne dass ich bis heute eine befriedigende Antwort gefunden habe - leider auch nicht nach Ihrem Beitrag.

Sie machen einen Vergleich auf mit dem freiwilligen Tod von Maximilian Kolbe. Darüber bin ich sofort gestoplert. Ursache für diese Handlung war die Flucht von Häftlingen aus dem Lager, woraus die Bewacher die Forderung nach Vergeltung ableiteten. Bei aller Schrecklichkeit, es gab also einen unmittelbaren Zusammenhang von Ursache und Wirkung. Als jedoch Jesus zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, gab es wohl auch einen solchen Ursache-Wirkung-Zusammenhang, nämlich seine "Aufmüpfigkeit" gegenüber dem römischen Regime und die damit begründete Bestrafung. Doch wo entsteht ein Zusammenhang mit den Sünden der Menschen damals und heute? Denn die römischen Herrscher hatten doch die Absicht, einen einzelnen für seine - aus ihrer Sicht - Untaten zu bestrafen. Das übrige Volk war bei ihnen doch gar nicht im Focus.
Bleibt die Frage: Woraus wird abgeleitet, dass Jesus für UNSERE Sünden gestorben ist?
Mit freundlichen Grüßen
Karl Schleef

Sehr geehrter Herr Weitz, nachdem ich jetzt schon zweimal Kritik an Ihren Texten geübt hatte, jetzt mal Lob.
Ich danke Ihnen für diesen wunderbaren Text. Für mich war klar, seit meiner Konfirmandenstunde, dass Jesus für unsere und auch meine Sünden gestorben ist. Nun wird seit einigen Jahren von Theolog*innenseite an dieser Sühnopfertheologie heftige Kritik geübt, bis hin zu der Forderung, dass im künftigen Gesangbuch keine Lieder mehr stehen sollen, die den Sühnopfergedanken thematisieren. By the way müsste man dann auch das Agnus Dei und die ganze Matthäus Passion (auch die von Bach) in die Tonne kloppen. Ihr Text führt beide Positionen so wunderbar zusammen, dass eigentlich beide Seiten damit leben können, ich auf jeden Fall. Von daher mein Dank.

Jesus ist nicht für uns gestorben.
Er wusste was im Sinne der Vorsehung passieren musste, wenn er es, wie Moses, nicht schafft den "Tanz um das goldene Kalb" gottgefällig zu beenden, wobei gottgefällig vernünftig bedeutet, für ein Verantwortungsbewusstsein im Sinne unserer ebenbildlichen Vernunftbegabung zum ursprünglichen Geist und "wie im Himmel all so auf Erden".