Warum es keine Menschen-Rassen gibt

Wir sind alle Afrikaner:innen
Wir sind alle Afrikaner:innen

Klaus Vedfelt / gettyimages

Die Hautfarbe ist ein oberflächliches und biologisch äußerst wandelbares Merkmal. Bis vor 8000 Jahren waren die Menschen in Europa noch stark pigmentiert.

Wir sind alle Afrikaner:innen

Bei Hunden ist die Rede von "Rassen" ein bisschen falsch, bei Menschen vollkommen falsch. Es gibt nur eine Menschen-Art.

Bei Haus- und Nutztieren wie Hund, Schwein, Pferd spricht man zwar von "Rassen", richtig wäre aber das Wort "Züchtungen", denn bei Wildtieren existieren keine Rassen, nur Arten, etwa der Indische oder der Afrikanische Elefant. Bei Menschen gibt es nur eine Menschen-Art.

Die " Rassentheorie", die mehrere "Rassen" von Menschen behauptet, ist schon lang widerlegt. Gerade haben das Evolutionsforschende in der "Jenaer Erklärung" nochmals in aller Deutlichkeit gesagt: Es gibt kein einziges Gen, das "rassische" Unterschiede begründet. Deshalb ist auch die Verknüpfung von äußeren Merkmalen mit seelisch-geistigen Eigenschaften purer Unsinn.

Die Menschen in Europa waren dunkelhäutig

Ohnehin sind stammesgeschichtlich alle Menschen Afrikaner:innen. Die Hautfarbe ist ein oberflächliches und biologisch äußerst wandelbares Merkmal. Bis vor 8000 Jahren waren die Menschen in Europa noch stark pigmentiert. Mit der Zeit erwies sich eine hellere Hautfarbe als evolutionärer Vorteil: Damit konnte der Körper auch im dunklen  Winter Europas genügend  Vitamin D bilden. Erst seit  etwa 5000 Jahren sind die Menschen im nördlichen  Europa überwiegend hellhäutig.

Die "Rassentheorie" war aber nicht einfach ein Irrtum, weil man es nicht besser wusste, vielmehr wollte man unbedingt die Menschen in höher- und minderwertige Rassen einteilen. Um zu rechtfertigen, warum man die Bevölkerung Afrikas versklavte, warum man bis ins 20. Jahrhundert hinein Länder als Kolonien ausbeutete,  warum man im Nationalsozialismus die jüdische Bevölkerung Europas und die Menschen in Ost-europa vertrieb, versklavte, ermordete.

Es gibt keine Rassen, aber Rassismus

Es gibt keine Rassen, aber weiterhin rassistisches Denken – in immer neuen Ausdrucksformen. Da werden zum Beispiel soziale  Unterschiede benutzt, um zu  behaupten, Gruppen von Menschen  seien  "andersartig", vor allem  weniger intelligent. Besonders deutlich zu beobachten bei der Einschätzung von Sinti und Roma. Die Rassismusforscherin Birgit Rommelspacher nannte das die "Naturalisierung sozialer Unterschiede".

Oder es wird Menschen mit familiären Wurzeln in der Türkei unterstellt, "der" Islam durchdringe das "Wesen" aller Muslime und vererbe sich wie eine biologische Eigenschaft. Das ist antimuslimischer Rassismus. Gut zu wissen: Ohne die  muslimischen Gelehrten im Mittelalter hätten die Leute in Westeuropa nichts von Aristoteles und Archimedes erfahren.

"Grundrauschen der Ausgrenzung"

"Deutschland hat ein anhaltendes Problem mit rassistischer Diskriminierung", sagt Bernhard Franke, Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Neben der Gewalt der Anschläge etwa in Halle oder Hanau gebe es ein "Grundrauschen der Ausgrenzung". So werden nachweisbar Menschen mit türkischen Nachnamen seltener zu Bewerbungsgesprächen  eingeladen als Menschen mit deutsch klingenden Nachnamen – bei gleicher Qualifikation.

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