Was kann die Kirche gegen Rechtsextremismus unternehmen?

Gemeinsam sind wir stark
Friedenstaube auf blauem Stoff

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Was kann die Kirche zum gesellschaftlichen Frieden beitragen?

Thema Friedenskirche
chrismon.de 2017

Was die Kirche vom Friedensfest im sächsischen Ostritz lernen kann

Es wird viel darüber geredet, wie der Rechtsextremismus bekämpft werden kann. Auch die Kirche ist gefordert. Die 120 EKD-Synodalen holten sich auf ihrer Tagung in Dresden am Sonntagabend Anregungen bei Marion Prange und Georg Salditt aus dem sächsischen Ostritz. Prange ist dort Bürgermeisterin, Salditt engagiert sich in der dortigen Friedensinitiative. Gemeinsam stellten sie mit vielen anderen Ostritzern 2018 und 2019 ein Friedensfest auf die Beine,  rechtsextremen Aufmärschen Paroli zu bieten. Auch der frühere Magdeburger Bischof Axel Noack und Stephan Dorgerloh, der frühere Kultusminister aus Sachsen-Anhalt, haben Ideen, was die Kirche tun könnte.

Claudia Keller

Claudia Keller ist chrismon-Redakteurin und zusammen mit Burkhard Weitz verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Sie hat Geschichte und Literaturwissenschaft in Köln und in den USA studiert und war viele Jahre Redakteurin beim "Tagesspiegel" in Berlin. Sie interessiert sich für religiöse und ethische Fragen und schreibt gern über Auf- und Umbrüche des Lebens. Einmal ist sie bei Recherchen sogar zufällig auf ein Geheimnis in der eigenen Familie gestoßen und hat einen Bruder gefunden, von dem sie nichts wusste.
Lena UphoffPortrait Claudia Keller

Einige Anregungen:   

Erstens: Der Mobilmachung von Rechts eine konsequente Erziehung zum Frieden entgegensetzen - ähnlich wie es die Kirche ab den 1980er Jahren in der DDR tat, als der Staat den Wehrkundeunterricht einführte

Zweitens: Gewalt in der Sprache ächten - auch in kirchlichen Publikationen und Reden.

Drittens: Zusammen mit anderen Akteuren breit gefächerte zivilgesellschaftliche Netzwerke gegen Rechts knüpfen. Die Ostritzer machen es vor, wie ganz unterschiedliche Nachbarn an einem Strang ziehen. Voraussetzung ist, dass alle die Komfortzone verlassen, entschlossen und mutig sind und den Rechtsextremismus als das begreifen, was er ist: die größte Bedrohung unserer liberalen Lebensweise, die es derzeit gibt.

Viertens: Nicht nur in einigen besonders bedrohten Orten solche Netzwerke auf die Beine stellen, sondern bundesweit langfristige und dauerhafte Strategien gegen Rechts entwickeln und stützen. Das erfordert Energie, Entschlossenheit und auch viel Geld.

Fünftens: Manchmal haben einfache Ideen große Wirkung. Die Ostritzer kaufen im örtlichen Penny den Neonazis das Bier für ihre Versammlung weg. Damit haben sie es bis in die New York Times geschafft.

Sechstens: Wenn es keine einfachen Lösungen gibt - was ja leider meistens der Fall ist - dafür eintreten, dass man mit komplizierten Gemengelagen zurecht kommt. Und nicht wie die Populisten auf pseudo-einfache Erklärungen verfallen. "Es nutzt nichts, den Tiger zu vertreiben, wenn ich dabei selbst zum Tiger werde." (Axel Noack)

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