Lernen von der Diakonie: Suizidankündigung

"Mit seiner Andeutung hat er eine Tür geöffnet"
Lernen von der Diakonie - Suizid

Sandra Schildwächter

Diplom-Psychologin Waltraud Stubenhofer leitet den u.a. von der Diakonie getragenen Krisendienst Würzburg.

Lernen von der Diakonie - Suizidberatung

Der Freund lässt durchblicken, er will nicht mehr leben. Ob er das ernst meint? Die Psychologin vom Krisendienst meint: Ja. Und sagt, wie man damit umgehen kann.

Dem Freund geht es oft nicht gut. Jetzt sagte er: Ich glaub, ich mach Schluss. Ich hab so getan, als hätte ichʼs nicht verstanden. Muss ich das ernst nehmen?

Waltraud Stubenhofer: Ja. Vermutlich denkt er an Suizid, so wie er es formuliert. Typische Sätze sind auch: Ich halte dieses Leben nicht mehr aus. Ich möchte endlich einfach nur meine Ruhe haben. Horchen Sie auf und fragen Sie nach, was er damit meint.

Soll ich etwa sagen: Willst du dich umbringen? Dann kommt er womöglich erst auf die Idee!

Davor haben viele Menschen Angst. Aber wenn er keine Suizidgedanken hat, wird er sich dis­tanzieren. Wenn doch, wird es ­
ihn erleichtern, darüber reden zu dürfen. Suizidale Menschen iso­lieren sich oft, mit seiner Andeutung hat er eine Tür geöffnet.

Ich habe die Tür zugeschlagen...

Sie sind erschrocken, das ist 
verständlich. Nehmen Sie einen ­zweiten Anlauf. Verabreden Sie sich neu und greifen das auf: "Es geht mir nicht aus dem Kopf, was du gesagt hast. Denkst du wirklich daran, dein Leben zu beenden?"

Waltraud Stubenhofer

Diplom-Psychologin Waltraud Stubenhofer leitet den Krisendienst in Würzburg, der Angehörigen und Betroffenen Hilfe bei Suizidgefahr bietet. Zu den Trägern gehört das Diakonische Werk Würzburg e. V.
Sandra Schildwächter

Hanna Lucassen

Die Frankfurter Journalistin Hanna Lucassen bittet in der chrismon-Reihe "Lernen von der Diakonie" um Hilfe in schwierigen Alltagssituationen. Die Fallbeispiele sind fiktiv.
Lena UphoffPortrait Hanna Lucassen, Redaktion chrismon, Redaktions-Portraits Maerz 2017

Und wenn er dann Ja sagt, wie kann ich ihn davon abbringen?

Seien Sie erst einmal nur die­jenige, der er sich anvertraut. Hören Sie zu, ohne zu verurteilen, fragen Sie nach: Wie lange hast du diese Gedanken schon? Wie konkret sind die? Was quält dich so? Geben Sie keine Ratschläge wie "Denk an ­deine Familie!". Bieten Sie aber an, mit ihm nach professioneller Hilfe zu suchen: Krisendienst, Sozialpsychiatrischer Dienst, Telefonseelsorge, der Hausarzt, eine 
Psychiaterin sind Anlaufstellen.

Müsste er nicht in die Psy­chiatrie? Dahinter steckt doch immer eine Depression, oder?

Ja, häufig leiden suizidale Menschen an depressiven Symptomen, die Hintergründe sind 
allerdings vielfältig. Ob ein Auf­enthalt in einer psychiatrischen Klinik sinnvoll ist, können nur Fachleute klären. Nur bei Sui­
zid­gefahr ist die Unterstützung ­einer psychiatrischen Klinik sofort nötig.

Was, wenn er nach Hause geht und sich doch etwas antut?

Sie sind nicht für ihn verantwortlich. Er hat sich Ihnen anvertraut, und Sie hatten genug Mut, ihm zuzuhören, Sie haben Hilfsangebote vorgeschlagen. Ich verstehe aber Ihre Angst. Es wäre gut, wenn Sie die mit jemandem teilen.

Infobox

Hilfe im Notfall


Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr besetzt. Der Anruf ist kostenlos,
die Beratung anonym.
Tel. 0800/1110-111 und -222 
www.telefonseelsorge.de

 

Die  Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) listet weitere Hilfsangebote und Adressen für Betroffene und Angehörige auf: www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/fuer-betroffene-und-angehoerige/

 

Im Hilfeportal der Diakonie Deutschland finden Sie deutschlandweit Beratungsstellen zu fast jedem Thema.

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