Mail aus Barcelona: Nach der Spanien-Wahl

Für uns oder gegen uns?
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Cèzaro De Luca/picture-alliance

Anhänger der Partei PSOE, der spanischen Sozialisten, feiern nach der Wahl. Fast 37 Millionen Spanier waren aufgerufen, in 23 000 Wahllokalen ihre Stimme für die Parlamentswahl abzugeben

Spanien, Madrid: Anhänger der Partei PSOE, der spanischen Sozialisten, feiern nach der Wahl

Die Katalanen entschieden bei der Parlamentswahl auch nach dem Kriterium: Wer unterstützt unsere Autonomiebestrebung.

Gottesdienst und Gemeindeversammlung – der letzte Sonntag im April verlief in unserer Gemeinde ganz normal. Unsere Mitglieder mit spanischem Pass aber mussten noch zur Wahlurne. Es war eine besondere Wahl, weil mit der neu gegründeten Vox erstmals eine 
ultrarechte Partei auf dem Sprung ­
ins Parlament war. Für Katalonien brisant: Vox hatte angekündigt, ­gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung vorzugehen.

Konservativ eingestellten Kata­lanen fiel es diesmal schwer, ihre Wahl zu treffen. Die Partido Popular (PP), eine bisher bürgerliche Partei der Mitte, schien nicht mehr wählbar, weil sie einen Rechtsruck vollzogen und sich der Vox angenähert hatte. Für viele blieben so die linksgerichte­ten Parteien der Sozialisten und die spezifisch katalanischen Parteien ­übrig. Diese gewannen dann ja auch die Wahl. Vox schaffte es ins Parlament, erhielt aber weniger Stimmen als erwartet.

Holger Lübs

Holger Lübs 
ist ­Pfarrer der Deutsch­sprachigen ­Evangelischen ­Gemeinde 
in Barcelona.
Privat

Nun besteht gewisse Hoffnung auf eine stabile Regierung in Madrid. Diese wird wohl wie versprochen den Gesprächsfaden zu den Kata­lanen wieder aufnehmen, um ihnen­ – wenn nicht die Unabhängigkeit, so doch – eine gewisse Sonderrolle als Provinz in Aussicht zu stellen. Sie könnte auch Lösungen für die inhaftierten katalanischen Politiker finden. Vielleicht schafft es die EU auch endlich, eine Vermittlerposition 
einzunehmen, und trägt so zum friedlichen Dialog und zu einer politischen Lösung bei.

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