E-Mail aus Bogota: Venezolanische Flüchtlinge

Von dem einem Land ins andere
Bogotá, Eine Million Flüchtlinge in Kolumbien

imago/Thomas Meyer

Geld verdienen, irgendwie: Eine Venezolanerin verkauft Avocados in Bogota

Eine Frau verkauft auf der Straße in Bogota Avocados aus Venezuela.

Aus Venezuela fliehen die Menschen. Vor allem ins Nachbarland Kolumbien

In Bogotá sieht man die Flüchtlinge überall: Familien betteln vor den Supermärkten und bieten wertlose venezolanische Geldnoten als An­denken feil. Musiker spielen gegen den Autolärm an. Venezuela ist bankrott und weist die weltweit höchste Inflationsrate auf. Drei Millionen Menschen haben ihrer Heimat den Rücken gekehrt, eine Million zog es hierher, ins Nachbarland Kolumbien.

Den Anfang machten wohlhaben­de und sehr reiche Familien. Sie sind Kunden in den besseren Restaurants und Einkaufszentren und inves­tieren im gehobenen bis luxuriösen Wohnungsmarkt. In Bogotá und anderen Städten schossen die Immobilienpreise in den Himmel. Danach kam die obere Mittelschicht, darunter sind viele top ausgebildete Ingenieure, die früher beim staatlichen Erdölkonzern Petróleos de Venezuela beschäftigt waren. Jetzt arbeiten sie als Kellner, Taxifahrer, Kuriere oder füllen Regale in Supermärkten auf.

Alexander von Loebell

Alexander von 
­Loebell ist Unter­nehmer und 
gehört zum Vorstand 
der evangelisch-­lutherischen Auslands­gemeinde in Bogotá.
Foto: Privat

Seit zwei Jahren kommen die ­Menschen, bei denen es ums Überleben geht. Sie haben monate- oder jahrelang gehungert und laufen in langen Karawanen, die Kinder an der 
Hand, das Notwendigste in Tüten und Rucksäcke gepackt, Hunderte Kilo­meter, teilweise bei Temperaturen um 
den Gefrierpunkt. In Bogotá betteln sie 
oder übernehmen schwere, schmutzige Arbeiten, für die sich die Kolumbianer zu schade sind. Vor allem in der Grenzgegend prostituieren sich Frauen, um ihre Familien ernähren zu können.

Die Kolumbianer ver­halten sich den Flüchtlingen gegenüber überwiegend recht ruhig. Vielleicht weil es einmal umgekehrt war. Als Venezuela noch vom hohen Erdölpreis profitierte und in Kolumbien Bürgerkrieg herrschte, zogen Flüchtlinge in die andere Richtung.

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