Lernen von der Diakonie: Wenn die Mutter nicht mehr alleine zurechtkommt

"Kluge Kinder schicken den Enkel vor"
Lernen von der Diakonie

Anna-Kristina Bauer

Monika Stadtmüller leitete früher diakonische Altenheime und ist heute Vorsitzende des Seniorenbeirats Hannover

Lernen von der Diakonie

Putzen in Mutters Haushalt? Heikel, wenn die Eltern um ihre Selbständigkeit besorgt sind
Deutschland spricht 2019

Meine Mutter ist so undankbar. Ich habe ihren Kühlschrank geputzt, während sie schlief. Und sie war sauer!

Sie haben das offenbar nicht mit ihr abgesprochen. Das müssen Sie. Es ist ihr Haushalt.

Da standen klebrige Joghurtbecher neben schimmligen Wurstresten. Die Hälfte musste in den Müll.    

Einfach wegschmeißen, was sie sich vielleicht aufgespart hat, ist schlecht. Gehen Sie mit ihr das nächste Mal zusammen daran und schauen die Lebensmittel einzeln an. Sagen Sie ihr, dass sie sich den Magen verderben kann. Und dann eventuell ins Krankenhaus muss. Meiner Erfahrung nach lassen sich ältere Leute davon überzeugen.

Monika Stadtmüller

Monika Stadtmüller, geboren 1944, ist ehrenamtliche Vorsitzende des Seniorenbeirats Hannover. Sie ist gelernte Altenpflegerin und Diplom-Kauffrau für Pflegemanagement. Vor ihrem Ruhestand hat sie mehrere Altenheime eines diakonischen Trägers geleitet.  
Anna-Kristina BauerMonika Stadtmüller


Sie sagte: Das geht dich hier gar nichts an!

Na ja, sie war getroffen. Als Hausfrau hört sie sofort heraus: Es ist dreckig bei dir. Du kümmerst dich nicht richtig um den Haushalt. Und dann schwingt mit: Du wirst alt. Du schaffst das nicht mehr allein. Das kratzt am Selbstwertgefühl. Macht Angst. Es ist normal, wenn man da erst mal abwehrend reagiert.

Wie kann ich mich ausdrücken, dass sie das nicht verletzt?

Da haben Sie es als Tochter leider ganz schwer, auch wenn sie ein gutes Verhältnis haben. Das merke ich auch an mir: Ich werde bald alleine um die Ostsee reisen. Meine drei erwachsenen Kinder wollen unbedingt, dass ich mir ein Smartphone zulege, um erreichbar zu sein. Ich sperrte mich lange dagegen, dachte: Ich will mich nicht von euch kontrollieren lassen! Es ist schwer für mich zu akzeptieren, dass sie sich einfach Sorgen machen.

Warum denn?

Ein Leben lang war ich diejenige, die sich um sie gesorgt hat. Und nun soll es andersherum sein? Die Rolle der starken, unabhängigen Frau und Mutter gibt keine gern ab. Alt und hilfsbedürftig - das klingt eben nicht sonderlich attraktiv. Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass ich das eben auch mal bin.   

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Meine Kinder waren klug, sie haben den Enkel vorgeschickt. Den mag ich sehr. Und er sagte zu mir: Oma, besorg dir eins. Dann schickst du uns einmal am Tag ein Foto, und alle sind beruhigt. Da schien es mir plötzlich problemlos. Das ist übrigens auch mein Tipp für die Situation am Kühlschrank: Lassen Sie mal die Enkel dran.    

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