Geht doch! Müll sammeln in Ruanda

Einmal im Monat Müll sammeln
Ruanda Plastic Recycling

Peter Müller / BILD

Plastiktüten sind in Ruanda verboten

In der ehemaligen deutschen Kolonie gilt seit 2008 ein strenges Plastiktütenverbot. Damals verstopften die Tüten die Kanalisation, vermüllten Straߟen und Felder, ließen die Tiere verenden. Zehn Jahre später gilt Kigali als sauberste Stadt Afrikas. Das Verbot funktioniert allerdings nicht aus Liebe zur Umwelt, sondern wegen des autokratischen Regimes. Wer Plastiktüten in Ruanda produziert oder in seinem Laden verkauft, dem droht bis zu einem Jahr Haft. Privatpersonen, die mit Tüten erwischt werden, müssen bis zu 300 Euro Strafe zahlen - ein Lehrer verdient durchschnittlich 60 Euro im Monat.
Das Problem: Papiertüten sind fast zwanzig Mal so teuer wie eine kleine Plastiktüte. Das erklärt die Dealerei. Der Kampf gegen den Plastikmüll ist Chefsache in Ruanda.

FOTO: Recycling Firma Eco Plastic

Einmal im Monat Abfälle aus Gewässern, Wäldern oder vom Straßenrand klauben - und alle haben es schöner

Jeden letzten Samstag im Monat ist Umuganda. Da packt sogar der Präsident von Ru­anda mit an, klar, die Fernsehkamera ­läuft mit. Mal hilft er, Dorfgebäude auszubessern, und hievt in einer Reihe mit seinen Mitbürgern Mauersteine zur Baustelle, mal legt er mit ihnen Gemeinschaftsbeete an oder sammelt Müll. Umuganda ist Kehrtag in Ruanda, und alle helfen mit, ist ja Bürgerpflicht. Für die Ruander ist der Tag von großer Bedeutung. Er kehrt um, was Umuganda im Krieg war, ein Tag, an dem der damalige Präsident seine Anhänger zu Mord und Gewalt aufrief. Jetzt wird repariert und aufgeräumt, auch mit der Vergangenheit. Menschen kommen einander näher, ein Gefühl von Gleichheit entsteht, über alle Gesellschaftsklassen hinweg. Es geht um Frieden – und um die Umwelt.

Auf brütende Vögel achten

Plastiktüten im Gebüsch, leere Shampoo­flaschen am Strand, Fast-Food-Verpackungen am Straßenrand, bei uns könnte man auch die Natur aufräumen – ohne Pflicht, sondern aus Neigung. Am besten gemeinsam mit anderen, es soll ja auch Spaß machen. Im März startet die nächste Runde von "Let’s ­clean up Europe", eine europäische Initivative, für die 245 000 Freiwillige voriges Jahr in Deutschland rund 1098 Tonnen Müll gesammelt haben. Wer selbst ­eine solche Aktion anleiern möchte, sollte bei der Kommune eine Genehmigung ein­holen, vielleicht stellt die Stadtreinigung sogar Müllsäcke, Handschuhe oder Müll­greifer. Wichtig: Stören Sie bitte beim Saubermachen nicht brütende oder rastende Vögel. Und Natur­schutzgebiete besser auslassen.

Küsten putzen im September

Man kann sich auch einer der vielen orga­nisierten Cleanup-Aktionen anschließen. BUND- und NABU-Aktive etwa putzen immer wieder mal Küsten, Seen und Flüsse in ganz Deutschland und, das ist noch ein bisschen hin, an jedem dritten Septemberwochenende ist "International Coastal Cleanup Day".
Ganz einfach ist übrigens dieser Trend aus Schweden, der gerade rüberschwappt: Plogging. Joggen und dabei "plocka", schwedisch für aufsammeln. Hundekotbeutel etwa. Oder Kronkorken. Oder. . .

Infobox

Neben dem Coastal Cleanup Day gibt es auch den World Cleanup Day.

Der BUND liefert hier eine Übersicht über seine Müllkampagne.

Was Sie beachten sollten beim Müllsammeln finden Sie im Nabu-Infoblatt "Sammeln und Schützen" .

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Lesermeinungen

Ich schätze die fundierten Berichte von Chrismon sehr, aber wie oft wollen Sie den Präsidenten Ruandas, Paul Kagame noch unkritisch loben?

Anstatt nur die positiven Seiten seiner Entwicklungsdiktatur zu zeigen, wäre ein differenziertes Bild angebracht. Hinter der Fassade aus verbotenen Plastiktüten, Frauenquote im Parlament und boomenden IT-Firmen gibt es auch sehr verstörende Berichte über politische Morde, Unterdrückung der Opposition und Zensur der Medien. Ich empfehle vor der nächsten unkritischen Jubelmeldung zu Ruanda die Lektüre der entsprechenden Reports von Amnesty, Human Rights Watch oder Reporter ohne Grenzen.