Geht doch! Plastikverbot in Ruanda

Endlich weniger Plastikmüll
Plastiktüten hängen in einem Baum in Ägypten, Afrika

Reinhold Tscherwit/picture alliance/chromorange

In Ägypten verschmutzen Plastiktüten noch die Natur. Ruanda zeigt bereits: Es geht auch anders

Umweltverschmutzung, Ägypten, Afrika

Die Plastiktüte im Supermarkt ist für viele noch Standard. Nicht in Ruanda. Dort ist Plastik seit 2006 verboten.

Übers Land wehen Plastiktüten wie die trockenen Büsche in Westernfilmen – Marokko ist nicht gerade ein Vorbild für Umweltbewusstsein. Dabei gibt es ein Gesetz, das Plastiktüten verbietet. In der Hauptstadt Rabat, wo der König genau hinschaut, klappt es. Im Marktviertel überreicht der Verkäufer Mohammad Schmuck in einer Tasche aus Zellulose. „Hier gibt es keine Tüten mehr“, sagt er stolz. Nur Gewürze und Trinkwasser gibt es noch in Plastik verpackt.

Ruanda in Ostafrika 
ist schon weiter im Kampf gegen Plastik. Seit 2006 ist es verboten. Mit Erfolg: Händler tragen Kartons auf dem Kopf, der Markt für kreative Taschen aus Stoff und Bast boomt. Unternehmen brauchen eine Sonderlizenz, wenn sie Plastik nutzen wollen – oder verwenden gleich Biokunststoff. Wird man mit Plastik erwischt, ist spätestens beim zweiten Mal ein – für Ruanda beachtliches – 
Bußgeld fällig. Duhuze Remy von der Umweltschutzbehörde „Rema“ erinnert sich, dass er früher riesige Vogelschwärme vermutete, wo Tüten durch die Luft flogen. Heute gilt der Staat als der sauberste Afrikas. Damit 
ist Ruanda ein Vorbild, zumal ­Europas bisheriger Plastikverwerter China keines mehr abnehmen will. Auf den Weltmeeren treiben Teppiche aus Plastikmüll, Meerestiere nehmen Schaden.

In Deutschland kosten Einkaufstüten an der Kasse zwar. Aber mal ehrlich: 30 Cent helfen 
nicht gegen Vergesslichkeit – oder Bequemlichkeit. Die Bloggerin Nadine Schubert gibt in Büchern Tipps: Einkaufstaschen aus Baumwolle, Dosen zum ­Metzger mitbringen, Shampoos ohne Mikro­plastik. „Die Politik sollte handeln“, sagt sie, „aber auch der Einkaufszettel ist ein Stimm­zettel. Was wir nicht ­wollen, fliegt aus dem Sortiment. Bei ­Eiern aus Käfighaltung oder Deos mit Aluminium hat es ja auch geklappt.“ Schubert empfiehlt: „Schritt­weise vorgehen, die ­Tasche schon an die Haustür hängen und am besten 40 Tage 
Plastikfasten.“ In ihrer vierköpfigen Familie fallen pro Jahr nur zwei Taschen Plastikmüll an.

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Lesermeinungen

Ich danke für die vielen Informationen und interessanten Artikel der Zeitschrift.
Ich versuche ständig, Plastemüll zu vermeiden. Aber die Industrie macht es uns nicht einfach.
Durch meine Enkelin bin ich darauf aufmerksam gemacht worden, dass es für den Abfall auch Papiertüten gibt. Wenn man sie mehrmals benutzt, macht es sich auch bezahlt.
Außerdem nehme ich beim Einkaufen die Plastebeutel für Obst und Gemüse mit und benutze sie nach Entfernen des Preisschildes mehrmals.
Ansonsten könnten die Einkaufstüten an der Kasse ruhig teurer werden.