E-Mail aus Yorkin in Costa Rica: Ureinwohner

Im Dorf der Bribri
Eine  Bribri-Frau bereitet Kakao zu

Nano Calvo/VWPics/Redux/laif

Keine Eingeborenen-Show für Touristen: Eine Bribri-Frau bereitet Kakao zu

Eine Bribri-Frau bereitet Kakao zu

E-Mails schreiben geht. Als Freiwilliger in einem traditionellen Dorf in Costa Rica

Ja, meine Gastmutter hat ein Handy. Und ihr vierjähriger Sohn schaut gerne Musikvideos darauf. Das finden viele Touristen komisch. Sie besuchen ein indigenes Dorf mitten im Regenwald, das nur zu Fuß oder mit Boot zu erreichen ist. Die 250 Einwohner gehören zum Volk der Bribri und leben hier nach alten Traditionen, im Einklang mit der ­Natur. Ihre Stelzenhütten sind aus Holz gebaut. Bananen, Kakao, Maniok und Zitrusfrüchte wachsen ohne Chemie. Teile des Waldes gelten als heilig und dürfen zu bestimmten Zeiten nicht betreten werden. Es heißt, ihre Zerstörung führe zum Weltuntergang.

Paul Scheytt

Paul Scheytt ist als Freiwilliger von Brot für die Welt in Costa Rica. Er lebt in einem Dorf der indigenen Gemeinschaft Bribri und hilft bei einem nachhaltigen Tourismusprojekt. Der hier erschienene Bericht ist eine bearbeitete Kurzfassung eines ausführlichen Textes, in dem er von seinem Freiwilligendienst berichtet. berichtet.
PrivatPaul Scheytt

Die Dorfbewohner versuchen, ihre 
Kultur zu erhalten. 1992 gründeten Frauen eine Kooperative und begannen mit organischem Obst- und Gemüseanbau und Tourismus. Sie können heute bis zu 60 Besucher ­unterbringen, ihnen zeigen, wie sie wohnen, kochen, woran sie glauben. 2017 waren etwa 1400 Touristen hier. Alle beteiligten Einwohnerinnen und Einwohner verdienen dabei, so dass die 
Männer nicht als Wanderarbeiter auf großen Plantagen arbeiten müssen.
Die Besucher sind sehr beeindruckt von Yorkín. Und stellen viele Fragen: "Haben die hier Strom?" Viele Familien ja, dank Benzingeneratoren und Solarpanelen. "Wie kommunizierst du mit deinen Eltern?" Per E-Mail. "Aber Fernseher gibt’s hier nicht, oder?" Doch, einige wenige.

Manche Touristen sind enttäuscht, wenn sie Motorsägen oder Waschmaschinen sehen. Es stört ihr Bild vom ursprünglichen Leben. Die Einwohner 
tragen auch keine traditionelle Kleidung mehr, sondern ropa americana, gebrauchte Kleider aus den USA. Und sie kaufen immer mehr Nahrungs­mittel dazu: Reis, Bohnen, Milchpulver 
oder Maggi-Suppen.

Kann man den Bribri vorwerfen, dass ihr Konsumverhalten unserem immer ähnlicher wird? Und: Welchen 
Preis zahlen sie dafür? Mein Gast­onkel sagt, vor zehn Jahren habe es im Fluss kein einziges Stück Plastik gegeben. Heute landen leere Batterien in den Bächen, die von den Dörfern zum Fluss führen. Jener Onkel erzählt auch, von 24 Bribri-Dörfern auf dieser Seite Costa Ricas hätten sieben ihre Kultur größtenteils verloren, 16 seien sehr ursprünglich geblieben. Yorkín liege dazwischen, sei aber auf einem schlechten Weg.

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