Versöhnung mit den Ureinwohnern

Xinhua News Agency/eyevine/INTERTOPICS

Eine E-Mail aus Kanada: Morgenzeremonie und Pow-Wows

Jetzt im Herbst geht bei uns die Saison der Pow-Wows zu Ende. Pow-Wows sind große indianische Feste, bei denen jeder will­kommen ist. Ich besuchte eine Zeremonie zum Sonnenaufgang – und dachte dabei an das Unrecht, das die Politik der Assimilierung angerichtet hat. Mit einem Rauchreinigungsritual wurde ich in den Kreis der etwa 20 Betenden aufgenommen. Eine Adlerfeder wurde von einem zum anderen gereicht, jeder sagte, was ihm am Herzen lag. Einige sprachen dankbar darüber, dass Jugendliche in ihrem Reservat wieder die traditionellen Tänze lernten. Ich dachte an die 150 000 Kinder, die auf „Residential Schools“ gehen mussten – Internate, die noch bis 1996 ­indianische Identität vernichten sollten. Das Ausmaß an Gewalt und sexuellem Missbrauch war unglaublich. Tausende starben oder sind bis heute vermisst. Viele sind ­heute psychisch krank, geben ihre Traumata weiter, flüchten sich in Drogen. Für die „weißen“ Kanadier sind sie nur „betrunkene Indianer“ – eine erschütternde Ignoranz. Zum Glück gibt es Initiativen zur Versöhnung, auch von der lutherischen Kirche. Vergebung setzt ein neues Miteinander voraus. So wie am Ende der Morgenzeremonie der Stammes­älteste jeden im Kreis in den Arm nahm, auch mich.

 

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