60 Jahre Brot für die Welt: Sven Plöger über Gewitterwolken am Himmel und Glück im Leben

Etwas tun, nicht nur reden!
Sven Plöger

Dirk von Nayhauß

Sven Plöger

Dann ist das Klima noch zu retten, sagt der Meteorologe Sven Plöger. 
Als Rheinländer ist er gebürtiger Optimist – und findet: Aufgeben geht gar nicht.

chrismon: In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig?

Sven Plöger: Einer Wolkenentwicklung zuzuschauen macht sehr viel Spaß: im Gras sitzen und in den Himmel gucken. Eine Gewitterwolke, Cumulonimbus capillatus incus, ist am besten, die verändert sich ständig. Wie ein Kind suche ich die Figuren, die sich in den Wolken verbergen. Aber eigentlich fühle ich mich immer lebendig.

Was können Erwachsene von Kindern lernen?

Begeisterung. Als ich das erste Mal in einem Privatflugzeug, einer Bölkow BO 208 C Junior, mitfliegen durfte, muss ich ständig gebrüllt haben: "Ich fliege, ich fliege!" Mein Vater hat danach mit dem Kassettenrekorder eine Aufnahme gemacht. Man hört: Ich will mit 200 WPM erzählen, also 200 words per minute, und bekomme die Wörter vor lauter Emotionen gar nicht mehr in eine vernünftige Reihenfolge.

Sven Plöger

Sven Plöger, geboren 1967, moderiert seit 1999 regelmäßig "Das Wetter im Ersten". Hinzu kommen zahlreiche TV-Wettersendungen in den Dritten Programmen. Zu seiner zweiteiligen Dokumentation "Wie Wind unser Wetter bestimmt – Auf Wettertour mit Sven Plöger" erschien das gleichnamige Buch. In TV-Beiträgen und Vorträgen widmet sich Plöger auch dem Klimawandel und den möglichen Folgen. Für "Brot für die Welt" engagiert er sich seit 2010. Sven Plöger ist verheiratet und lebt in Ulm und München.

Haben Sie eine Vorstellung von Gott?

Ganz schwierige Frage. Es ist – beim Urknall beginnend – so extrem unwahrscheinlich, dass wir hier sind, es muss etwas geben, das verantwortlich ist. Aber was? Ich hatte in meinem Leben zwei schwere Unfälle. Als Fünfjähriger bin ich in ein Schwimmbecken gefallen, ich war ganz allein. Heute noch weiß ich, wie sich über mir das Wasser schließt, wie ich strampele und schreie – und untergehe. Eine Tante 
von mir entdeckte mich zufällig und zog mich heraus. Und einmal, beim Gleitschirmfliegen, hat mich ein anderer ­Pilot über den Haufen geflogen. Rechts Felsen, links Felsen, in der Mitte ein Baum, in den bin ich mit dem Notschirm reingefallen. Ob das jeweils Gott war? Jedenfalls habe ich hinterher irgendwohin gedankt, ohne zu wissen, wohin.

Wer oder was hilft in der Krise?

Das kommt auf die Größe der Krise an. Ist es richtig tiefgreifend, helfen nur Familie und wirkliche Freunde. Sind es alltägliche Dinge, die mal ärgern, hilft es, Emotionen zu kontrollieren. Ich habe mir auferlegt: Reagiere nie innerhalb der ersten 24 Stunden. Sondern später, ruhig und klar.

Muss man den Tod fürchten?

Nein. Er gehört dazu, irgendwann ist dein Leben zu Ende. Zellteilung geht eben nicht immer weiter. Ich fürchte mich eher davor, dass dieser Tod vielleicht viel zu früh kommt, dass ich eine Krankheit erleide, die mich ans Bett fesselt oder durch die ich im Wachkoma liege und alles mitkriege. Deswegen muss geklärt sein, dass jemand meines Ver­trauens im schlimmsten Fall die Geräte abschalten lassen darf – man muss auch sterben dürfen! Wenn in unserem Umfeld jemand einen Unfall hatte oder eine schwere Krankheit bekommt, sagen meine Frau und ich uns immer: 
"Lass uns die wichtigen Dinge nicht verschieben!"

Welche Liebe macht Sie glücklich?

Die meiner Schwester, meiner Eltern. Und die meiner Frau, sie hält seit 29 Jahren. Wir waren erst kurz zusammen, als wir 
elf Wochen durch Amerika tourten. Am ersten Tag ­haben wir so gestritten, dass wir uns beinahe getrennt hätten. ­Danach war die Reise einfach nur noch toll. Jedes Paar streitet sich, ich kenne keinen, der in einem dauerverliebten Schmetterlingsbauchzustand über zig Jahre durch die Gegend läuft, aber uns hat diese Reise zusammengeschweißt.

Welchen Traum möchten Sie sich unbedingt erfüllen?

Mit einem Hurrikan-Messflugzeug in das Auge eines tropischen Wirbelsturms einfliegen. Die Ruhe in dem Auge spüren und die unglaublichen Kräfte im Außenbereich.

"Beim Klima haben wir ­einen vernünftigen Zeithorizont von 20 Jahren"

Ist die Welt verloren, das Klima nicht mehr zu retten?

Wenn man "verloren" und "nicht zu retten" hört, könnte man den Mut verlieren. Dazu bin ich schon deshalb nicht bereit, weil ich als Rheinländer gebürtiger Optimist bin. Und: Nach dem Zweiten Weltkrieg, als alles in Schutt und Asche lag, haben da die Menschen aufgegeben? Nein, sie haben alles wiederaufgebaut. Beim Klima haben wir ­einen vernünftigen Zeithorizont von 20 Jahren. Wir müssen aber nun anfangen, die Dinge zu tun, von denen wir seit Jahren sprechen. Und denen helfen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. So wie Brot für die Welt etwa in Tuvalu aktiv ist. Ich war kürzlich dort, vom Flugzeug aus sieht man, wie verletzlich diese Inselgruppe ist, sie ragt im Schnitt nur zwei Meter aus dem Meer heraus. Wird der Anstieg des Meeresspiegels nicht aufgehalten, ist Tuvalu in 50 Jahren im Pazifik versunken. Und die Menschen dort sind nicht die, die den Klimawandel zu verantworten haben!

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