Geht doch! Österreich ist doppelt so "öko" wie wir

Diesmal: Bio als Staatsziel
Bio-Schwein

tilla eulenspiegel/photocase.de

Nirgends gibt es soviele Ökolandwirte wie in Österreich. Das Rezept: Verlässliche Förderungen, Selbstbewusstsein und Lust auf Qualität

Landwirt Johann Scheiber steigt auf den Hang zu seinen Kühen und sagt: „Das ist für uns selbstverständlich, wir denken gar nicht mehr drüber nach.“ Auf bio hat sein Vater umgestellt, da haben es die meisten noch als Spinnerei abgetan. Mittlerweile sind viele gefolgt. Schweinebauer Norbert Hackl zum Beispiel ist 2003 umgestiegen, weil er ein schlechtes Gewissen hatte. Jetzt tippeln Ferkel über die buschige Weide. Er lächelt.

In Österreich bewirtschaftet fast ein Fünftel der Betriebe mehr als ein Fünftel der Flächen ökologisch, Tendenz steigend. Der Anteil der deutschen Betriebe und Flächen stagniert bei etwa 8,7 und 6,5 Prozent. Dass Österreich europäischer Spitzenreiter ist, kommt nicht von ungefähr. Öko ist Staatsziel – nicht Nummer eins, aber weit oben auf der Liste. Ein umfangreiches Aktionsprogramm soll den Umstieg erleichtern. Der Staat investiert in Beratung und Forschung und fördert Hackls Fortbildungen zur ökologischen Schweinehaltung. Für Investitionen bekommen er und Scheiber fünf Prozent mehr Zuschüsse als konventionelle Bauern. Vor allem können sie sich auf die Förderungen verlassen.

Das klappt in Deutschland gar nicht. Förderungen für Umsteiger werden immer wieder ausgesetzt. „Dadurch fehlen Sicherheit und Anreize“, sagt Gerald Wehde, Geschäftsleiter der Agrarpolitik beim deutschen Verband Bio­land. „Bisher steigen sie nur um, wenn der konventionelle Markt zu wenig abwirft.“ Die ­Reg­ie­r­ung will zwar einen Ökoanteil von ­­­20 Prozent der Flächen, aber wann und wie ist unklar. „Seit 2017 gibt es ein erstes Konzept, aber ohne die nötige Erhöhung der Förderungen“, sagt Wehde. Auf den Feldern sieht es nicht besser aus. Das Grundwasser ist so durch Düngernitrate belastet, dass die EU Deutschland verwarnt hat.

Österreichs Biobauern engagieren sich selbstbewusst im größten Verband Europas. Bio steht im Supermarkt für Frische und Qualität. Die sind den Österreichern wichtig. Der Marktanteil von zehn Prozent ist enorm gegenüber den 4,8 Prozent in Deutschland. Und er wächst von Jahr zu Jahr.

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