"Comfort Women" warten auf Japan

Trostfrauen
The Peace Monument MAY 24 2014 The Peace Monument symbolizing Korean Comfort Women during the Se

Foto: imago / AFLO

Die vergoldete Statue einer"Trostfrau" mit Blick auf die japanische Botschaft

Sie hießen "Comfort Women" und wurden alle zehn Minuten vergewaltigt. Entschuldigt hat sich bis heute niemand

Neulich hatte ein ganz besonderer Film Premiere in Korea. „Spirits’ ­Homecoming“ ist ein Tabubruch, grausam und einfühlsam zugleich. Der Film spielt in den 1940er Jahren, als Korea unter japanischer Herrschaft stand. Zwei 15-jährige Mädchen werden gewaltsam aus ihren Elternhäusern verschleppt, wie Zigtausende andere junge Frauen. Sie müssen in Soldaten­bordellen hausen und werden im Zehnminutentakt vergewaltigt. Nur eines der beiden Mädchen erlebt das Kriegsende und kehrt zurück.

Volker Thiedemann

Volker Thiedemann ist Auslandspfarrer in Seoul.
Foto: Privat
Doch das Erlebte und Erlittene ist im Nachkriegskorea ein Tabu. Diese Schande verschweigt man besser. Erst als alte Frau wagt sie, sich zu melden, aufzubegehren und Anerkennung und Entschädigung für das erlittene Leid zu verlangen. Der Film findet ein versöhnliches Ende. Einer jungen Schamanin gelingt es, die Geister der verstorbenen Frauen zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen: Tausende Schmetterlinge machen sich auf den Weg.

„Comfort Women“, Trostfrauen, wurden die rund 200 000 koreanischen Sex­sklavinnen der japanischen Kolonialmacht euphemistisch genannt. Erst in den 1990er Jahren brachen die ersten ihr Schweigen. Nach einzelnen Dokumentarfilmen ist „Spirits’ Homecoming“ der erste große Spielfilm über ihr Schicksal. Während der Produktion gab es immer wieder Verzögerungen und Finanzierungsprobleme: Politisch ist ein solcher Film zurzeit nicht gewollt, stört er doch koreanisch-japani­sche Bemühungen, einen Schlussstrich unter das Thema zu ziehen.

Schon lange belastet es die zwischenstaatlichen Beziehungen. Im vergangenen Dezember hatten die Regierungen vereinbart, dass Japan 7,6 Millionen Euro in einen Opferfonds einzahlt. Für die überlebenden Frauen ist damit aber nichts abgeschlossen. Sie warten immer noch auf eine offizielle Entschuldigung, bei der die Verantwortung der japanischen Armee deutlich benannt wird. 

Die vergoldete Statue einer „Trostfrau“ direkt gegenüber der Botschaft Japans wird ihren Blick also weiterhin stoisch auf Japan richten und ebenfalls warten. Auf ein Schuldbekenntnis, das die wahre Versöhnung für viele erst möglich macht.

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Lesermeinungen

Danke für diesen kurzen, aber nicht weniger wichtigen und guten Beitrag gegen das kollektive Vergessen! Es ist ein dunkles Kapitel in der Geschichte Japans und gehört immer wieder erwähnt!
Ich kenne in Japan Menschen, die sich der Politik der Ignoranz und Verdrängung schämen.
Bin gespannt auf den Film.

Was soll dieser Kommentar denn, "Gast"? Volker Thiedemann richtet und verurteilt nicht, er berichtet. Wenn Sie Lüge zu erkennen meinen, dann benennen Sie sie und bezichtigen Sie nicht nur. Was Sie schreiben, liest sich, als wollten Sie die Zehn-Minuten-Takt-Vergewaltigungen rechtfertigen.

Japan hat sein Fukushima, und wie man sieht, ist kein Land frei von Schuld. Tragen Sie das Schicksal dieser Frauen als Ihre berufliche Bürde und blicken zurück auf die deutsche Vergangenheit. Versöhnung ist stets nur ein kleiner Schritt in Richtung Annäherung. Das Leben reichte nicht aus, um mit politischer Versöhnung seine Zeit zu vergeuden, was auch Korea bei der Aufarbeitung seiner Geschichte, zu wünschen ist. Der Film mag sicher dazu mehr beitragen, als Ihr kleiner Bericht. Es steht Ihnen nicht zu, weder zu richten noch zu verurteilen.
Das sagt auch die Bibel. Wer sich hier hinter der Politik versteckt, handelt nicht im Sinne der Bibel und nicht in ihrem Auftrag.
Schon allein die Sprache enthält zu viel Lüge, um den Text gelassen zu lesen, geschweige denn, ihn zu verfassen. Vielleicht wird es Zeit, Korea zu verlassen ? Nüchterne Betrachtung kann sinnvoller sein, als sich in der Schuld und Sühne Rhetorik zu verausgaben.
Meine guten Wünsche begleiten Sie.