Darauf kommt es beim Konfirmandenunterricht an

Nicht bloß auswendig lernen!

Foto: Jens Schulze/epd-bild

Für viele beginnt jetzt der Konfirmandenunterricht. Ein Jugendforscher sagt, worauf es ankommt.

Ihre Studie zeigt: Konfirmanden wollen einen Unterricht, der sich von der Schule unterscheidet. Wie geht das?

Thomas Ebinger:
Mit offenen Gesprächen über das, was die Jugendlichen wirklich bewegt. Und mit flexiblen, gruppen- und prozessorientierten Unterrichtsmethoden. Seit den PISA-Studien stehen die Schüler stark unter Druck. Dehalb ist Auswendiglernen ein echter Stimmungskiller.

Soll man Konfirmanden zum regelmäßigen Gottesdienstbesuch verpflichten?

Ein heißes Thema. Eine Tübinger Studie zeigt: Je häufiger Jugendliche den normalen Gottesdienst besuchen, desto langweiliger finden sie ihn. Viel positiver erleben sie Gottesdienste, wenn sie selbst mitgestalten und Ideen einbringen dürfen. Die Abwechslung tut auch der übrigen Gemeinde gut, und die Eltern der Konfis kommen gern mit in die Kirche.

Welche Rolle spielen die Eltern?

Die Einstellung der Eltern ist prägend. Viele wollen aber den Kindern die Entscheidung in religiösen Fragen mehr und mehr überlassen und delegieren damit die religiöse Erziehung an den Pfarrer.

Was kann der Pfarrer tun?

Allein ist es schwierig. Besser, der Pfarrer hat ein Team, das die Jugendlichen auf unterschiedliche Weise anspricht. Jemanden auf dem Glaubensweg zu begleiten ist Beziehungsarbeit.

Und wie gestaltet man die?

Eine Mischung aus wöchentlichen Treffen, Blocktagen und Freizeiten sind am besten für ein gutes Gruppengefühl. Was funktioniert: Wenn die Kinder bereits in der dritten Klasse ihr erstes Konfirmandenjahr absolvieren und vier Jahre später, in der achten, ihr zweites. Als Grundschüler finden sie leichter Zugang zu religiösen Themen.

Dr. Thomas Ebinger

Dr. Thomas Ebinger ist Dozent für Konfirman­den­arbeit am Pädagogisch-Theologischen Zentrum der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und einer der Ko-Autoren der Studie "Brücken und Barrieren. Jugendliche auf dem Weg in die Evangelische Jugendarbeit".

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Lesermeinungen

Meine Thesen aus langjähriger Erfahrung:

1) Wenn sich Konfirmandinnen und Konfirmanden aussuchen könnten, wie sie zur Konfirmation gelangen, dann am besten völlig ohne Unterricht.

2) Wenn sich Konfirmandinnen und Konfirmanden zum Unterricht anmelden, erwarten sie genau das, nämlich Unterricht (leider drücken sich die Landeskirchen hier mit der "Konfirmandenarbeit" schwurbeliger aus als die Jugendlichen selbst).

3) Die wenigsten Pfarrerinnen und Pfarrer sind darin ausgebildet Jugendliche in Gruppen von der gesamten Bandbreite der unterschiedlichsten sonderpädagogischen Schulformen bis zum Gymnasium gemeinsam zu unterrichten. Die im Artikel angeregten "offenen Gespräche" halte ich in der Gruppe (aus Erfahrung) für absolut illusorisch. Im Einzelkontakt können sie hingegen gelingen!

4) Dass Jugendliche "normale Gottesdienste" (ich nehme an, dass es sich um solche nach Agende handelt), langweilig finden, ist ebenfalls "normal". Gottesdienststudien zeigen, dass (junge) Erwachsene auch genau das erwarten, wenn sie zum Gottesdienst kommen: Das bewusst andere. Gottesdienste, die sie selbst mitgestalten können und in die sie ihre Ideen einbringen, sind wichtig, aber eben nicht der Regelfall. Ja und?

5) Auswendiglernen ein Stimmungskiller? Erstens: Es gibt für die unterrichtenden Pfarrerinnen und Pfarrer ein Curriculum resp. Beschlüsse des Presbyteriums, denen sie verpflichtet sind. Zweitens: Was ist "Stimmung" für ein Gradmesser im Unterricht? Drittens: Für nicht wenige Jugendliche, die sonderpädagogische Schulformen besuchen, ist Auswendiglernen eine große Leistung und der Erfolg ein absolutes Stimmungshoch! (Natürlich ist hier pädagogisches Fingerspitzengefühl vorausgesetzt).

6) Ja, Begleitung auf dem Glaubensweg ist "Beziehungsarbeit", und Pfarrerinnen und Pfarrer haben außer Konfi-Unterricht noch eine Vielzahl anderer (Beziehungs-) Arbeiten zu absolvieren. Gemeinden, die Jugendliche so begleiten wollen, wie im Artikel angeregt, sollten ihre Konzeption dringend überdenken!

7) Vielleicht ist im Ruhrgebiet ja auch alles nur ganz anders

Schade, dass sowohl von Seiten der Kirche als auch von Seiten der Schule versäumt wird, Konfirmationsunterricht zusammen zu "feiern" und zu begehen.

Ich selbst bin Religionslehrerin; habe ich eine 8. Klasse (bzw. eine 7. oder 9. Klasse, in der schon bzw. noch Schüler(innen) sind, die konfirmiert werden) mit potentiellen Konfirmanden, so feiern wir dies, integrieren den Konfiunterricht im normalen (einstündigen) Religionsunterricht, stimmen Inhalte daraufhin ab.

Die religiöse Erziehung wird nicht nur an den Pfarrer, sondern vor allem an die Religionslehrer delegiert. Sich hier mehr als Verbündete zu begreifen, evtl. einmal ortsnahe gemeinsame "Klassen-Konfirmanden-Konferenzen" zu gestalten bzw. ein gemeinsames Gottesdienstprojekt zu initiieren, kommt leider viel zu selten vor.
Natürlich ist die Arbeitszeitbelastung in beiden Berufen sehr hoch - und dennoch: manchmal könnte synergetisch sinnvoller gearbeitet werden, in dem man über den eigenen Tellerrand hinausschaut und sieht, dass ja noch andere sich mit dem Thema "Konfirmation" beschäftigen.

Wie schon oben im Artikel angesprochen: Teamarbeit ist essentiell ...

Konfiunterricht hat den Vorteil "notenlos" zu sein (kann auch schwierig sein).

Mitwirkungsmöglichkeiten sind das "A und O" nicht nur bei Gottesdiensten.
In allen Schulformen finden in den 7. bis 10. Klassen in bestimmten Jahrgängen soziale Projekte statt - auch hier könnte man die synergetischen Effekte nutzen, um Langeweile zu vermeiden.

Usw. usf.
Man beachte auch landeksirchliche Projekte wie "Konfi3" der EKiBa, um dem Umstand, dass Kinder heutzutage kaum mehr religiös sozialisiert sind, zu begegnen und andere Möglichkeiten zu schaffen (quasi als Äquivalent zur Kommunion).

Mit herzlichen Grüßen
A. Ziegler