Netz-Kulturtipp von chrismon.de: 250 Jahre Beethoven mit Udo Wachtveitl und Igor Levit

"Wahre Kunst ist eigensinnig"
Netzkulturtipp 2 mal beethoven Podcast

BR

Netzkulturtipp 2 mal beethoven Podcast

Ludwig van Beethoven ist sauer: Er ist 54 Jahre alt, krank, sein geliebter Neffe will nichts mehr von ihm wissen, und dann noch die Wiener Musikkritiker, die ein Stück von ihm als unaufführbar abstempeln. Es reicht. Ein Freund muss ihn beruhigen: "Mach er sich nichts draus, das ist eine kleine Anzahl Esel, die sich lächerlich machen. Scheiß er sie voll."

Vor 250 Jahren wurde Ludwig van Beethoven in Bonn geboren. Dieses Jahr war eigentlich als großes Jubiläumsjahr geplant: Konzerte, Ausstellungen, Lesungen. So viel musste abgesagt werden. Doch es gibt ja Podcasts. Und es gibt Gott sei Dank den Bayerischen Rundfunk mit seinem Klassiksender, wo Musikfreund:innen immer wieder fündig werden.

Die Hauptrolle spielt die Musik

Dort gibt es zum Beispiel die fast schon legendären Hörbiografien, immer im Herbst eines Jahres. Nun also Beethoven: 10 Folgen lang erzählt Udo Wachtveitl (auch als Tatort-Kommissar Franz Leitmayr bekannt) Beethovens Leben, unterbrochen von wunderbaren Musik- und Lesezitaten; mal lustig, mal traurig und immer informativ. Beethoven, der wohl genialste Komponist aller genialen Komponisten, gewinnt in jeder Folge mehr an Statur, er wird zum Menschen, mit dem man mitfühlt, mitfiebert und mitleidet. Und dann die Musik dazu – wunderbar.

Überhaupt: Beethovens Musik. Sie spielt die Hauptrolle in einem weiteren BR-Klassik-Podcast im Jubiläumsjahr: Igor Levit erklärt alle 32 Klaviersonaten. In jeder Folge sitzt Levit vor dem Klavier, redet, streitet und lacht mit seinem guten Freund und Beethoven-Experten Anselm Cybinski – und spielt. Levit kann das fantastisch: Musik so erklären, dass auch Laien etwas damit anfangen können. Selten kommt es zu Redundanzen: Wenn Levit zum x-ten Mal Anekdoten über sein Scheitern im Konzertsaal erzählt, wird das irgendwann zu einem langweiligen Running Gag. Aber was soll's. Beethoven selbst schrieb im März 1820: "Die Welt ist ein König, u. sie will geschmeichelt seyn, Soll sie sich günstig zeigen – Doch wahre Kunst ist eigensinnig, läßt sich nicht in Schmeichelnde Formen zwängen."
 

 

Leseempfehlung

Im Konzert erlebt er Glück, Schmerz, alle Gefühle ganz intensiv. Also wollte der Pianist Igor Levit weniger Konzerte geben. Und dann kam Corona
Zehntausende Menschen auf Twitter lauschen derzeit den Online-Konzerten von Igor Levit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Pianisten eingeladen, am Donnerstagabend im Berliner Schloss Bellevue zu spielen.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.