Alte Pfarrkirche in Alt-Pankow

Was hat Petrusʼ Frau dazu gesagt?
Alte Pfarrkirche

Foto: Jürgen Ritter / Imago

Bewertung

Liturgie: 
2
Predigt: 
4
Musik: 
4
Atmosphäre: 
4

Die Kirche in Pankow liegt auf einer Art Verkehrsinsel. Da quietscht die Straßenbahn manchmal so laut, wie die Kirchenglocken tönen. Die alte Pfarrkirche war mal eine Dorfkirche, man sieht es ihr heute kaum noch an. Im langen Schiff der Kirche verteilen sich etwa 50 Be­sucher, vom Kleinkind bis zum Silberhaar.

Pfarrerin Ruth Misselwitz begrüßt mit einer Ankündigung: „Heute werden wir eine Taufe feiern.“ Eine junge Frau will der Gemeinde beitreten, nachdem sie ein halbes Jahr am Gesprächskreis teilgenommen hat. Drei Mal schöpft die Pfarrerin Wasser mit der Hand, dann ist die Gemeinde um ein Mitglied reicher.

Pfarrerin Misselwitz mit den leuchtend roten Haaren leitet den Gottesdienst mit dem Friedensgebet von Coventry ein. Seit 1962 gehört Alt-Pankow zum Kreis der Gemeinden mit einem Kreuz aus Zimmermannsnägeln, wie denen der im Krieg zerstörten Kathedrale von Coventry. ­Diese Gemeinden verpflichten sich zur Friedensarbeit.

1981 hat Ruth Misselwitz als junge Pfarrerin mit ihrem Mann den „Friedenskreis Alt-Pankow“ mit gegründet. Bis zu 30 Stasispitzel notierten bei den Versammlungen fleißig mit. Auch Vera Wollenberger war da, viele andere Dis­sidenten kamen. Viele gingen. Ruth Misselwitz steht heute noch vorm Altar.

An diesem Sonntag soll sie das Wunder vom Fischfang erklären. Beim Lesen sei ihr durch den Kopf geschossen: „Was hat eigentlich die Frau von Petrus dazu gesagt, als ihr Mann Hals über Kopf mit Jesus davonging?“ Eine Frage, die naheliegt, aber selten gestellt wird. Ruth ­Misselwitz weiß: „Sie hat Petrus auf ­seinen Reisen begleitet, das steht so in den Korintherbriefen.“ Die Ehe scheint die einschneidende Bekehrung des Petrus überstanden zu haben.

Gerne würde man mehr ungewöhnliche Fragen hören, doch Frau Pfarrerin kehrt zum Bibeltext zurück. Für sie ist das Wunder vom Fischfang eine Aufforderung, mal gegen die Vernunft zu entscheiden. Etwa indem man im Vertrauen auf jemanden Entscheidungen mitträgt, die man allein anders gefällt hätte.

Vertrauen, Treue werden belohnt. Jedenfalls gehen dem „Friedenskreis“ aus Pankow auch nach 34 Jahren die Themen nicht aus. Flüchtlinge, soziale Absicherung, Klimaschutz – in alles mischt sich diese Pfarrerin ein und bleibt aufmüpfig.

„Jetzt sind Sie alle auf ein Glas Sekt oder Kaffee mit unserem frisch ge­tauften Gemeindemitglied eingeladen“, sagt Ruth Misselwitz zum Ende. Draußen quietscht die Straßenbahn. Wahrscheinlich vor Vergnügen.

Zur Gemeinde

Kontaktinformationen der Gemeinde: 

Alte Pfarrkirche
Gemeindehaus Breite Straße 38 an der Pankower Kirche
13187 Berlin-Pankow

geöffnet di. 10-14 Uhr / do. 14-18 Uhr
Beate Märker und Pfarrerin Ruth Misselwitz
030 47534253 bzw. Anrufbeantworter
030 47471632
gemeinde@alt-pankow.de

Was erleben Sie im Gottesdienst?

Schreiben Sie uns an:
chrismon plus, Stichwort Kirchgang, Postfach 50 05 50,
60394 Frankfurt/Main;
Fax: 069/580 98 - 286;
E-Mail: Kirchgang@chrismon.de

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Lesermeinungen

Sehr geehrte Damen und Herren!

Als ich die Beschreibung des Gottesdienstes in der Kirche Alt-Pankow las, beschloß ich sofort, doch zu dieser Kirche und der Pfarrerin 2 perönliche Erfahrungen mitzuteilen.

Ich war vor 4 Jahren und in diesem Frühjahr jeweils 1mal zum Gottesdienst in Pankow. Ich wohne in Bonn, war im Rahmen einer Biblewoche in den Sonntagsgottesdiensten in Pankow. Es war so beeindruckend, daß ich fast noch alle Szenen als Bilder vor mir sehe. 2011 ging es um einen Tauferinnerungsgottesdienst. Es begann mit einem Anspiel über Lydia, der Tuchhändlerin (Apg.16,14.15), die sich taufen ließ. Vorher wurde in einem sehr farbenprächtigen Tuchladen verkauft. Und dann wurde der Taufstein von den Kindern geschmückt, weil ein Kind getauft wurde und alle anwesenden Kinder konnten sich ein Seidenband holen, auf das sie ihren Namen und ihr Taufdatum schrieben und es an einen Kranz binden konnten. Es war so fröhlich und farbenfroh!

Auch in diesem Jahr wurde der Taufstein wieder geschmückt, weil die Konfirmandengruppe diesen Gottesdienst vorbereitet hatte und mehrere Konfirmanden getauft wurden. Die Gruppe hat sich als Gottesdienstthema die Opferung Isaaks ausgesucht, mit eigenen Gedanken, Interpretationen, Opferung von Kindern heute. Das war auf einem so hohen Niveau, daß man die Gruppe nur bewundern konnte. Auch wieder die Beteiligung von vielen, die Freude, die interessanten Gedanken.

Das Ganze kann nur entstehen, wenn da eine "begleitende Hand" ist, die auch den ganzen Gottesdienst so leitet, daß man das Gefühl hat, nach Hause gekommen zu sein. Ich bewundere Frau Misselwitz!

Mit frdl. Grüßen! Engel Kretzschmar.