Kirche Kreuze
Kirche Kreuze
pixabay.com | Gerd Altmann
Schaffen sich die Kirchen selbst ab?
02.04.2021

Im Jahr 2019 traten 540.000 Menschen in Deutschland aus den beiden großen Kirchen aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren noch um die 90% der Deutschen Mitglied einer christlichen Kirche, heute sind es noch knapp 60%.

Tendenz weiter stark fallend nicht nur in Köln wegen der aktuellen Ereignisse. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, haben die katholische und die evangelische Kirche noch weit vor dem Ende des 21. Jahrhunderts kein einziges Mitglied mehr. Schaffen sich die christlichen Kirchen selbst ab? Geht auch das Wissen um den wirkmächtigsten Menschen der Geschichte, das Wissen von Jesus, verloren?

55% der Deutschen glauben noch an Gott. Überraschend ist, dass es unter den über 65-Jährigen nur noch 29% sind. Ist das 21. Jahrhundert nur ein Jahrhundert der Kirchenkrise oder bereits ein Jahrhundert der Glaubenskrise? Gibt es ein „Leben ohne Glauben“? fragt die „Zeit“ in ihrer Osterausgabe 2021. Oder treten bereits Verschwörungstheorien an die Stelle des alten Glaubens? Ist das offizielle Neue Testament vielleicht selbst voller Fakenews?

Ostern ist nicht nur das Fest, an dem wir uns an einen wunderbaren jungen Mann erinnern, der die Kreuzigung überlebt hat, sondern auch an seine engste Gefährtin und Freundin Maria Magdalena, die sein Überleben als erste bezeugte. Das wichtigste Wort über die Zukunft der Kirche im gesamten Neuen Testament hat sie gesprochen: „Er lebt“. Das ist die Osterhoffnung schlechthin: Der Tod hat nicht das letzte Wort.

Die Männer um Jesus hatten sich am Ostermorgen ängstlich versteckt. Sie hielten die Botschaft von Maria Magdalena zuerst für „Weibergeschwätz“. Die Frau muss verrückt sein.

Das geht eindeutig aus dem Maria-Magdalena-Evangelium hervor, das erst nach 1945 im Wüstensand in Ägypten gefunden wurde. Daraus wissen wir, dass die Gefährtin und Partnerin Jesu in den ersten drei Jahrhunderten in der Urkirche eine zentrale Rolle gespielt hat. Das hat Papst Franziskus im Jahr 2016 endlich auch anerkannt, indem er Maria aus Magdala die „Apostelin der Apostel“ genannt hat. Sie war also die erste Päpstin. Nicht Petrus, der Jesus verraten hatte.

Wenn die heutigen Kirchen diese zentrale Rolle der Jesus-Gefährtin endlich anerkennen würden, müsste vor allem die katholische Kirche ihre Einstellung zu Frauen fundamental ändern und sie selbstverständlich auch zu Priesterinnen, zu Bischöfinnen oder auch zu Päpstinnen weihen. Es ist die vielleicht letzte Chance für diese Kirche, sich selbst zu retten, indem sie wieder in die Spur Jesu findet, der ein großer Frauenfreund war. Die Frauen seiner Zeit waren geradezu verrückt nach diesem ersten neuen Mann. Die emanzipierte Maria Magdalena ging in seine Schule und er ging in ihre Schule. Sie sind ein Traumpaar und schon deshalb ein großes Vorbild für unsere Zeit, in der so viele Partnerschaften zerbrechen.

Ich habe dieses Traumpaar und ebenso die Freundschaft Jesu zu Judas in meinem Buch „Die außergewöhnlichste Liebe aller Zeiten – Die wahre Geschichte von Jesus, Maria Magdalena und Judas“ unter Berücksichtigung der neuesten Quellen geschrieben. Es ist soeben im Herder-Verlag erschienen. Kardinal Reinhard Marx nannte des Buch „ein Buch, das Hoffnung macht, gerade auch in der Kirche“.

Vielleicht besteht jetzt die große Chance für die christliche Kirche, den Fall in die Bedeutungslosigkeit noch aufzuhalten und die Impulse des Reform-Papstes aufzugreifen.

In einem Konzil muss die Rolle von Maria Magdalena wie auch von Judas völlig neu definiert werden. Erst dann kann die christliche Kirche wieder glaubwürdig Ostern feiern, mit Vertrauen auf eine gute Zukunft blicken und auch eine wichtige geistige Rolle in der Gesellschaft spielen.

Auch ohne Kirchen wird die Suche nach dem Sinn des Lebens nicht aufhören.

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Es geht mit den paradiesischen Erwartungen als Heil der Welt nicht mehr so richtig voran, zumal Natur, Zivilisation, Konsum und Vermehrung im Wege sind. Die Überzeugung der Nochgläubigen wird immer mühsamer. Da von Paradies und Hölle kaum noch jemand predigt und somit die jenseitige Zielrichtung an Bedeutung verloren hat, muß ein weiteres Angebot für ein Paradies in 100 Jahren gefunden werden. Das künftige Heil der Natur als eventuell erlebbare Religion. Damit ist das Paradies greifbar geworden. Weil nicht gewählt, muss man auch hierfür keine Verantwortung tragen, darf aber das Heil in Konkurrenz und Ergänzung zur Politik predigen. Die Katholische Kirche enthält sich weitgehend dieser Diskussion. Wer nicht in der Lage ist, ein religiöses Vertrauen aufzubauen und zu erhalten, der schafft sich selbst ab.

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Der Autor schreibt: "Auch ohne Kirchen wird die Suche nach dem Sinn des Lebens nicht aufhören."

Diese Befürchtung teile ich. Ich habe aber keinen Grund, diese meine Befürchtung zu einer Prophezeiung hochzujubeln. Wer weiß, vielleicht kommt es ja mal in Mode, das Leben, also die Gesellschaft, die in ihr lebenden Individuen, ihre widerstreitenden und übereinstimmenden Interessen und deren natürliche Quellen und Beschränkungen ernst zu nehmen und nicht mit der fatalen Sinnsauce zu übergießen.

Fritz Kurz

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