Uni Hamburg: Verhaltenskodex zu religiöser Toleranz

Mit Schleier im Hörsaal
Doppepunkt - Mit Schleier im Hörsaal

Finna Leibenguth; Fotovorlage: Erielle Bakkum

Doppepunkt - Mit Schleier im Hörsaal

Seinen Glauben in der Öffentlichkeit demonstrieren? Die Universität Hamburg macht vor, wie religiöse Toleranz deutschlandweit funktionieren kann

 Il était trois fois", "es war dreimal", leuchtet zurzeit von den Wänden der Pariser Metro herab. Es verwandelt den Anfang aller Märchen "Es war einmal" in das gemeinsame Ereignis von Judentum, Christentum und Islam und wirbt für eine Ausstellung, die den drei Religionen des Buches gewidmet ist.

Unter das Motto "Il était trois fois" könnte man auch den an der Universität Hamburg eingeführten "Verhaltenskodex zur Religionsausübung" stellen. Die neuen Regeln, unter Federführung der Philosophieprofes­sorin Birgit Recki entstanden, erlauben das Tragen von religiösen Zeichen wie Kreuz (Christentum), Kippa ­(Judentum) und Kopftuch oder Schleier (Islam) auf dem Unigelände. Sie beschränken das Religiöse also nicht strikt auf den privaten Raum; die Zeichen dürfen öffentlich sichtbar sein. Eine beherzigenswerte Initiative.

Weil es den säkularen Staat gibt, gibt es religiöse Freiheit: So sieht es der Kodex. Nur in einem säkularen Staat, nicht in einer Theokratie, wie sie zum Beispiel Ajatollah Khomeini ­
im Iran durchgesetzt hat, oder im Staat ­Israel, der die Bürger jüdischer Religion privilegiert und Bürger an­derer Religionen diskriminiert, ist freie Religionsausübung oder Religionslosigkeit möglich. Weil Kirche und Staat getrennt sind – eine Errungenschaft der Aufklärung und der Franzö­sischen Revolution –, ist Toleranz den Religionen gegenüber möglich. Es war gerade die Trennung von Kirche und Staat, die allen Bürgern die gleichen Rechte zuerkannte. So konnte vor 200 Jahren der jüdische Philologe Samuel Cahen in Paris schreiben, das gelobte Land sei Israel nur noch allegorisch; de facto sei es das säkulare Frankreich.

Die Trennung ist das Ergebnis blutiger Kämpfe

In dieser Trennung ist allerdings auch viel schiefgelaufen. Das auto­nome, autarke Subjekt wurde vergöttlicht, das machte viele Menschen zu Opfern. So wurden die 16 Karmelitinnen von Compiègne 1794 auf der Guillotine hingerichtet, weil sie den Forderungen der Revolutionäre nicht folgen, ihren Orden nicht verlassen wollten. So beschrieb es Gertrud von Le Fort in der Novelle "Die Letzte am Schafott".

Die Trennung hat auch nichts Universales, Überhistorisches, wie oft behauptet wird, wenn sie als Weltbeglückungsschlager angepriesen wird. Sie ist Ergebnis jahrhundertelanger, blutiger Auseinandersetzungen und Kämpfe. Der Kampf zwischen Kirche und Staat ist von den deutschen Ottonen bis zur französischen Dritten Republik und zum preußischen Kulturkampf ein zentraler europäischer Konflikt.

Trotzdem ist die Trennung von ­Kirche und Staat ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt. Und sie ist im Moment die beste aller Lösungen. Nicht nur theokratische islamische Staaten lehnen sich gegen diese Trennung von Staat und Religion auf. Auch auto­kratische Regime bekämpfen sie, wie hierzulande zuletzt der National­sozialismus. Der wollte die einzige Religion einer "rassisch reinen" Nation sein, geeint unter einem Führer.

Säkularität und Gleichberechtigung

Der Hamburger Verhaltenskodex verpflichtet auf zwei Grundsätze. Erstens: Die Universität ist eine säkulare Institution. Forschung und Lehre dürfen nicht aus religiösen Gründen behindert werden. So wie mancherorts in den USA soll es gerade nicht sein: Fundamentalistische Christen, die Kreationisten, wehren sich gegen den Darwinismus als Unterrichts- und Vorlesungsthema. Forschung und Lehre dürfen in Hamburg fortan auch nicht durch religiöse Praktiken gestört werden, etwa eine Vorlesung durch lautes Gebet zu bestimmten Stunden.

Barbara Vinken

Barbara Vinken, Jahrgang 1960, ist 
Literaturprofessorin in München und ­Autorin des ­Best­sellers "Die deutsche Mutter. Der lange Schatten des Mythos". 
Sie schrieb mehrere vieldiskutierte ­Bücher zur Frauen- und Familienpolitik, unter anderem "­Angezogen. Das Geheimnis der ­Mode" (Klett-Cotta).
Erielle Bakkum

Zweitens: Die Geschlechter sind gleichberechtigt. Die Mitglieder der Hamburger Kommission setzen das Tragen des Kopftuchs nicht automatisch mit der Diskriminierung der Frau gleich. Das ist ein entscheidender Fortschritt gegenüber der französischen Gesetzgebung, die das Kopftuch als eindeutiges Zeichen sieht – dafür, dass die Frau nicht als Mensch anerkannt werde, sondern auf ihre Sexualität reduziert und als Eigentum des Ehemanns oder der Familie gelte. Frauen, die das Kopftuch freiwillig tragen, verglich eine französische ­Ministerin mit Schwarzen, die sich für die Sklaverei ausgesprochen hätten.

Die Universität Hamburg setzt sich klar von der französischen Gesetzgebung ab. Letztere verbietet für Schule und Universität als die entscheidenden Institutionen der laizistischen Republik das Tragen von Kreuz, Kippa und Schleier. Bisher sind nur Mädchen ­mit Kopftuch vom Unterricht ausge­schlossen worden, nicht aber Schüler, die ein Kreuz oder eine Kippa tragen. So verkehrt der Laizismus die eigene säkulare Errungenschaft gegen die, die sie vor dem übermächtigen Einfluss der Kirchen schützen sollte. Statt Toleranz zu üben, hat sie sich selbst fundamentalistisch verhärtet.

Das Kreuz im Klassenzimmer bleibt problematisch

Aber auch hierzulande wären die Debatten um das Kopftuchtragen von Lehrerinnen und Richterinnen überflüssig, würde man den Hamburger Verhaltenskodex bundesweit beachten. Der in Bayern immer wieder aufflammende Konflikt um das Kreuz im Klassenzimmer staatlicher Schulen wäre damit allerdings kaum beizulegen. Denn hier ist es die Institution selbst, die eine Religion zur herrschenden macht und religiöse Minderheiten unter dasselbe Kreuz stellt – keine Schülerin. Ein Fall von zu wenig Säkularisation, den man auch als Folklore nicht recht, sondern nur schlecht tolerieren kann.

Der Hamburger Verhaltenskodex sollte Vorbild für Schulen, Univer­sitäten und den Umgang mit der Religion ganz allgemein sein. Er schützt vor der Dominanz einer Religion. ­Alle, gleich welcher Religion, bleiben so gleichberechtigt und ihre Persönlichkeitsrechte werden respektiert.

Ich erinnere mich noch sehr genau, als 1979 in Aix-en-Provence, wo ich ­studierte, schlagartig mit der Rückkehr 
Khomeinis in den Iran viele meiner iranischen Kommilitoninnen fast triumphierend das Kopftuch anlegten – probeweise, für ein paar Wochen.

Mit Khomeinis theokratischen ­Ambitionen hatte keine gerechnet, jedenfalls nicht, solange er in Frank­reich im Exil war. Da war noch nicht absehbar, dass bald alle Frauen im Iran gezwungen werden würden, sich zu verschleiern und dem Patriarchat zu unterwerfen. Eben dieser Staat trieb schon bald in brutalen Säuberungen Men­schen zu Hunderttausenden ins Exil.

Das Kopftuch in französischen Universitäten des Jahres 1989 galt als Zeichen des Sieges über eine Fremdherrschaft. Jetzt, haben meine Kommi­litoninnen damals gedacht, durften sie das zum Glück wieder.

Toleranz ist keine Schwäche, es ist die Stärke des Staates

Ich finde es an der Zeit, zweierlei zu bedenken: Toleranz ist keine Schwäche, sondern DIE Stärke des ­säkularen Staates. Deshalb müssen wir diese Stärke zeigen, sonst ver­fallen wir – wie in diesem Punkt Frankreich – in eine Fundamentalisierung der säkularen Republik.

Das Kreuz, das von Punks oder Rappern getragen wird, bedeutet ­offensichtlich nicht, dass der Träger ein glühender Christ ist, sondern dass in einer säkularen Öffentlichkeit problembehaftete religiöse Herkunft ausgetragen wird. Der Schleier zeichnete die von der Familie geschützte Dame vor Sklavinnen aus, die kaum bekleidet allen Blicken schutzlos ausgesetzt waren. Frauen, die heute ein Kopftuch tragen, sagen, sie gäben sich "modest", bescheiden, um sich der Vermarktung des weiblichen ­Körpers zu entziehen.

Man muss diesem Selbstverständnis des Weiblichen in der Öffentlichkeit nicht zustimmen, ich selbst halte es für eine Fehlinterpretation. Und doch wäre nichts verheerender, als diesen Frauen einen freizügigen Kleiderkodex aufzu­zwingen, der für sie bedeutet, sich demütigen zu lassen und einer Fremdherrschaft zu unterwerfen. Wir hingegen haben für das Recht gekämpft, anders als unsere mit Kopftüchern oder Hüten bewehrten Großmütter unbehütet aus dem Haus zu gehen und wie unsere Mütter Minirock oder Bikini zu tragen. Weder Bikini noch Minirock oder offene Haare wurden uns aufgezwungen.

Und nun eben so: Gerade kam die erste Hidschab-Barbie in der ­Serie Sheroes auf den Markt. Sie feiert die amerikanische Fechterin Ibtihaj ­Muhammed, die bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro Hidschab trug. Dasselbe Stück Stoff bedeutet an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten eben etwas völlig anderes.

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Lesermeinungen

Es stimmt einfach nicht, was da behauptet wurde. Und... um es mit dem evangelischen Theologen Klaus Wengst ("Christsein mit Tora und Evangelium") zu sagen: "Wer wirklich will, dass es "nie wieder Auschwitz" gibt, kann und darf nicht reflexartig mit Friedensdemonstrationen gegen Israel reagieren, wenn es gezwungen ist, sich um der Erhaltung seiner immer noch in Frage gestellten Existenz willen mit militärischer Gewalt zu wehren", denn das "Judentum als des bleibend von Gott erwählten Volkes, zu einer Wahrnahme dieses Volkes als Israel, zur Einsicht, dass Gottes Bund mit Israel nicht gekündigt ist, sondern unverbrüchlich gilt" sollte in der Kirche zu einer eindeutigen Haltung Führen. Denn Kirche ist nicht das "wahre Israel."
Wird sich Frau Professor dazu nochmals äußern? Vielleicht um Verzeihung bitten? In der jüdischen Welt kommt das bestimmt gut an!

Das war sehr vorausschauend von Gott, einen unverbrüchlichen Bund mit einer zukünftigen Atommacht zu schließen. Was soll da noch schief gehen?

Fritz Kurz

Mit ungläubiger Bestürzung habe in dem Bericht von Frau Vinken gelesen, wie sie das islamisch diktatorische Regime im Iran mit dem demokratischen Staat Israel hinsichtlich der freien Religionsausübung auf eine Stufe gesetzt hat ("Zitat: ...nicht in einer Theokratie, wie sie z.B. Ajatolla Khomeini im Iran durchgesetzt hat, oder im Staat Israel, der die Bürger jüdischer Religion privilegiert und Bürger anderer Religionen diskriminiert,....). Im Staat Israel leben Menschen unterschiedlichster Religionen und Glaubenshaltungen mit einander und können ihre Religion frei ausüben und ihre Meinung frei äußern. Das gilt sowohl für Muslime als auch für Christen, die ja mit vielen Konfessionen und auch Institutionen in Israel vertreten sind. Im Iran ist das nicht möglich. Ich habe noch von keinem Asylbewerber aus Israel gehört, der wegen seiner Religion dort verfolgt wird, sehr wohl aber von vielen Iranern, die seitens der Regierung vom Tode bedroht sind, wenn sie ihren Glauben ablegen oder ändern wollen.
Eine solche undifferenzierte Gleichstellung ist für mich nicht akzeptabel und scheint einer antiisraelischen Haltung der Autorin entwachsen zu sein.
Außerdem leben wir in Deutschland auch in einer Gesellschaft, die eine Religion nämlich die christliche z.B. durch die Kirchensteuer privilegiert und sie wollen ja wohl nicht behaupten, dass das gleichzeitig bedeutet andere Religionen zu diskriminieren.

Iran und Israel auf einer Stufe? Wo bin ich hier? Ich traue meinen Augen nicht. Das ist eine christliche Zeitung? Das soll Uni Hamburg sein? Ich bin ganz oft, vor allem mit deutschen Jugendlichen in Israel gewesen. Viele Israelis habe ich durch Deutschland geführt. Ganz offensichtlich lebt die Autorin in einer besonderen Welt. Das darf sie. Aber die Redaktion von Chrismon? Ich kann meine Fassungslosigkeit kaum beschreiben.

Allein dafür, hier den Staat Israel gleichermaßen mit dem Iran als Gegensatz zu sakulären Staaten (wie auch immer dieAutorin diese definiert) aufzuführen hätte dieser Text auf ein zwangsweises Publikum der Hochschulangehörigen der Uni Hamburgs beschränkt werden sollen. Wissen Sie eigentlich, dass im Iran vergewaltigte minderjährige Mädchen zum Tode verurteilt werden? Im Hinblick auf die in schlimmster Art und Weise tatsächlich religiös und politisch Verfolgten im Iran darf man diesen Text schon aus diesem Grund sehr höflich als ziemlichen Quark bezeichnen, unverständlich warum dieser so an die Öffentlichkeit gehen durfte. Den zum Teil ermordeten Opfern wahrer religiöser Intoleranz sollte man auch wahren Respekt entgegenbringen, die Autorin beschränkt diesen wohl lieber auf vermeintliche Opfer einer vermuteten Intoleranz, denn so lebt es sich wohl gerade an der Uni Hamburg leichter.

Die im Text erwähnten religiösen Symbole beschränken sich in der täglichen Praxis wohl fast ausschließlich auf die islamistische Kleiderordnung (Kopftuch sowie bei jeder Witterung fast den ganzen Körper verdeckender Stoff).
Die Analyse der Autorin im Hinblick auf die Umstände des Kopftuchtragens bzw. der Einhaltung einer islamistischen Kleiderordnung geht in der Bewertung der herrschenden gesellschaftlichen Umstände sowie in Ursache und Wirkung der Hamburger "Toleranz" bzw. des laissez faire an der Realität vorbei.
Tatsächlich haben in Hamburg Islamisten genau das bekommen, wass Sie wollten. Kein Gefallen wurde aufgeklärten Muslimen, Anders- oder Nichtgläubigen und im Besonderen muslimischen Frauen erwiesen. Nun werden an der Uni Hamburg zumindest zeitweise weniger Probleme mit Islamisten auftreten, denn von einer Konfrontation infolge einer Verteidigung demokratischer Prinzipien hat man sich dort in billiger Weise freigekauft. Dies ist auch wohl die tatsächlich Grundlage der gelebten Feigheit und ignoranz, die einem hier als deutschlandweit wünschenswerter Sieg der Toleranz untergeschoben werden soll.

Zum Kopftuch bzw. einer islamistischen Kleiderordnung ist nämlich festzustellen, dass diese ausschließlich Frauen einzuhalten haben. Die Forderung der Einhaltung einer islamistischen Kleiderordnung wird seit Mohammed von patriarchal geprägten muslimischen Männern erhoben. Wer zu deduktiver Logik in der Lage ist, dieses Instrument auch verwendet und dessen Resultate in seinen Äußerungen verwendet wird feststelllen, dass es sich hiermit folgerichtig um eine geschlechtsspezifische Diskriminierung handelt.

In der Praxis handelt es sich bei religiösen Symbolen anderer Religionen als der des Islam fast ausschließlich um sehr dezente Kennzeichen, die von außen kaum wahrgenommen werden wie z.B. ein kleines Kreuz, das man um den Hals trägt. Frau Professorin, wieviel Studentinnen kennen Sie die deutlich wahrnehmbare Kennzeichen einer anderen als der muslimischen Religion tragen?

Mithin sind im Alltag fast ausschließlich muslimische Frauen von einem Kopftuchverbot betroffen. Die islamistische Kleiderordnung kommt dabei fast ausschließlich islamistisch geprägten Männern zugute; neben der Förderung ihres Ehrgefühls dient diese als Ausdruck einer immer stärkeren Dominierung der Gesellschaft durch den Islam.
Selbstverständlich wird es an der Uni Hamburg nun (zeitweise) weniger Probleme mit islamistischen Strömungen geben, denn diese haben ja nun genau das bekommen was sie wollen. Wachsweiche Beschränkungen zu ignorieren und aufzuweichen dürfte diesen nun in einer solchen Atmosphäre problemlos möglich sein. Muslimische Mädchen und Frauen werden nun umsomehr dazu gedrängt werden, sich "züchtig" gemäß der Vorstellung islamistischer Machos zu kleiden.

Weiterhin muss man sich nicht wundern, warum ein gewisser Herr Atta (seit dem 11.09.2001 weltbekannt) sich an der Uni Hamburg radikalisieren und seinen Islamismus bis zu seiner letzten Reise in die USA dort ungestört praktizieren konnte. Schade, dass Professoren trotz bzw. wohl gerade wegen eines Lebens an der Uni manchmal so schwerfällig beim Dazulernen sind. Interessant auch, dass die Kommilitoninnen der Frau Professorin 11 Jahre (von 1979 bis 89) ein Kopftuch tragen konnten, ohne die religiöse Unterdrückung im Iran zur Kenntnis zu nehmen. Bei solch einem abgehobenen Leben im akademischen Elfenbeinturm darf man sich über die hier gezeigte Qualität einer Analyse gesellschaftlicher Umstände nicht wundern.

Glücklicherweise ist die Gesellschaft in der Bewertung der islamistischen Kleiderordnung inzwischen soweit, dass eine von der Autorin gewünschte allgemeine Umsetzung dieser Regeln einer falsch verstandenen Toleranz wohl ausbleiben wird.

Ich wünsche muslimischen Frauen, dass Sie sich bald ohne Gängelung und ohne den Einfluss einer Toleranz a la Frau Vingken so kleiden können wie sie es wünschen.

Schön zu lesen, wie tolerant die Hamburger Uni ist.
Aber ich kann ein dezentes Kreuz (meist ist es eher ein modisches Accessoire) nicht mit dem Kopftuch gleichsetzen.
Zumal eine engagierte türkische Sozialarbeiterin immer wieder ihr Entsetzen über unsere Toleranz zum Ausdruck gebracht hat: seht ihr denn nicht, wie diese Frauen sich selbst beschneiden? Sehr ihr nicht, wie sie auf Imame hören, statt selbst zu denken? Besonders hart traf es sie, als sie in den 90er Jahren in Istanbul ihre Nichte traf, die kämpferisch im Kopftuch und Mantel das Recht ertrotzte, den Campus der Uni in muslimisch-religiöser Kleidung zu betreten.
Inzwischen hat Erdoğan ja die Gesetze in der Türkei geändert. Zum Besseren?
Bayern-bashing gehört wohl zum guten Ton. Aber Tradition und Folklore gehören eben zu diesem Land.
Kann man doch tolerieren, oder?
Die Hidschab-Barbie ist in meinen Augen eine Marketing-Strategie und genau so dümmlich wie alle Barbies.
Toleranz ist okay. Ich habe eine Bekannte, die Kopftuch trägt. Gut so. Sie darf auch überall hingehen; warum nicht? Deshalb muss kein Kreuz entfernt werden!

Liebe Redaktion, können Sie mir bitte diese These ihrer Autorin erklären??

"Nur in einem säkularen Staat, nicht in einer Theokratie, wie sie zum Beispiel Ajatollah Khomeini 
im Iran durchgesetzt hat, oder im Staat Israel, der die Bürger jüdischer Religion privilegiert und Bürger anderer Religionen diskriminiert, ist freie Religionsausübung oder Religionslosigkeit möglich."

Wieso sind in Israel Bürger jüdischer Religion privilegiert (- weil sie Wehrdienst leisten? Das machen Drusen, muslimische Beduinen und Christen auch! - weil sie nicht den stv. Knessetpräsidenten stellen (der ist Muslim!)?????

Wieso sind Muslime diskriminiert? Gibt es etwa keine Moscheen? Gibt es etwa keinen christlich-arabischen Obersten Richter?

Es ist wirklich seltsam, dass darauf der Artikel über Herrn Weintraub folgt...

Shalom

Frau Vinken sind einige grobe Fehler im "Mit Schleier im Hörsaal" passiert! 1. Der Staat Israel diskriminiert keine Bürger anderer Religionen ganz im Gegensatz zur im gleichen Atemzug genannten Theokratie Irans, die nur den shiitischen Islam zulässt! 2. Verdreht Frau Vinken die Fakten: Die Darwinisten lassen schon die Erwähnung bzw Lehre des Kreationismus nicht zu. Die Kreationisten wollen lediglich die Wahrheit dieser Lehre neben der Lüge ( alles von der Evolutionslehre wurde widerlegt) der Evolutionstheorie gelehrt haben! Zum Thema, den eigenen Glauben in der Öffentlichkeit zeigen: Matthäus 10,32 sagt die Bibel bzw Jesus selbst, "wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen". Frauen sollen laut Bibel 1.Korinther 11,5 beim Beten eine Kopfbedeckung tragen und da wir allezeit im Gebet sein sollten, tragen in den meisten christlichen Gemeinschaften die Frauen auch heute noch ein Kopftuch - nur im Westen ist dies selten geworden!