Dominique Bielmeier ist beeindruckt von der Jugend in Dresden

Die realistische Rebellion
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Fridays for Future in Dresden: Gut 4000 Menschen demonstrierten im März 2019

Demonstrationszug Friday for future mit geschätzten 4000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen am 15.03.2019 in Dresden

Liebe Dorothea,

Diskussionen über den Klimawandel gibt es natürlich auch in Dresden, auch wenn hier bei Fridays for Future wahrscheinlich nicht die gleichen Massen zusammenkommen wie in Hamburg. Aber vor ein paar Wochen gab es zum Beispiel eine Aktion von Extinction Rebellion, bei der die Aktivisten einen Brunnen in Dresden grün gefärbt haben. Danach haben sie sich in das giftig aussehende Wasser gelegt und tot gespielt. So wollten sie auf den Zustand der Ozeane hinweisen und was das für dessen Tierwelt – und letztlich auch uns – bedeuten könnte. Im Dresdner Stadtrat wird außerdem diskutiert, ob auch unsere Stadt den Klimanotstand ausrufen sollte. Eine Entscheidung dazu wurde vorerst vertagt, aber sicher nicht für lange.

Dass die Jugend den Erwachsenen gerade mal richtig Druck macht, finde ich großartig. Bestimmt führt das in den Familien zu Diskussionen und Streit, auch in Dresden, aber gab es das nicht immer schon? Sich von den eigenen Eltern abzugrenzen, ist doch ein wichtiger Teil der eigenen Identitätsfindung. Umso besser, wenn das mit etwas Sinnvollem wie Umweltschutz verbunden wird.

Was ist besser: Jedenfalls ein bischen was ändern, oder gar nix?

Und jetzt höre ich im Hinterkopf schon wieder die hämischen Stimmen, die nicht glauben wollen, dass das Engagement der Jugend mehr ist als eine kurze Laune, angestachelt durch einen schwedischen Teenager. Die aufzählen, was die Jugendlichen trotz vermeintlichen Umweltschutzabsichten alles falsch machen: ihr Pausenbrot in Plastik einwickeln, zur Abifahrt ins Ausland fliegen, sich von den Eltern mit dem SUV zur Schule bringen lassen. Voller Genugtuung werden Beispiele von Kindern (!) aufgezählt, die selbst gegen ihre hohen moralischen Ansprüche verstoßen. Dann lehnen sich die Kritiker selbstzufrieden zurück, als wäre es besser, erst überhaupt nichts richtig machen zu wollen, als es wenigstens in vielen Dingen zu versuchen.

Erst vor wenigen Tagen haben Schüler den Dresdner Stadträten ihre Visionen für die Zukunft vorgestellt. Wobei „Visionen“ eigentlich viel zu hoch gegriffen ist, was die Schüler wollen, ist nämlich alles andere als unrealistische Spinnerei: Sie stellen sich eine autofreie Stadt vor, wollen Gemeinschaftsgärten, Grünflächen auf den Dächern und auf Wartehäuschen, bessere Geh- und Radwege, mehr Mülleimer und verpackungsfreie Läden.

Nur rund 20 der 70 Dresdner Stadträte waren der Einladung gefolgt, dafür kamen noch ein Dutzend Stadtbezirksbeiräte und etliche Vertreter aus kulturellen Einrichtungen sowie Dresdens Zweite Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch. Wieso sollte man Kindern zuhören, die noch gar keine richtige Ahnung vom Leben haben (geschweige denn wählen dürfen)? Dafür hatte ein Schüler eine gute Erklärung: „Ich finde, es ist sehr wichtig, dass Kinder mitbestimmen, denn die Welt gehört nicht nur den Erwachsenen.“

In diesem Sinne schaue ich hoffnungsvoll in die Zukunft

Deine Dominique

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Lesermeinungen

wenn zur Weltenrettung per Gesetz gefordert wird, kein eigenes Auto mehr haben zu dürfen, dass die Vernichtung von Lebensmitteln mit 1 Woche Gefängnis strafbar ist, keine Jux- und Urlaubsflüge erfolgen dürfen, die Wohnungen nur noch pro Person max. 30 qm groß sein dürfen, Klimaanlagen weltweit für Privatwohnungen im Winter auf 18 Grad und im Sommer auf 30 Grad abgeregelt werden müssen, eine Geburtenregelung dafür sorgen muß, dass pro Volk einen ständiger Rückgang erreicht wird, erst dann werden die demokratischen Urteile aller Bevölkerungen über das Schicksal der Zukunft entscheiden. Und zu allem Überfluss ist dann da auch noch nicht die Frage geklärt, welchen Lebensstandard wir nach unseren christlichen Maßstäben allen Entwicklungsländern zugestehen wollen. So wie wir, oder nur 30 % von uns, womit die bisher Abgehängten dann wohl auch zufrieden wären? Vollkommen unrealistisch ist auch die Erwartung, dass alle globalen Regierungen an einem Strang ziehen und die Mächtigen und Reichen (die darf es dann auch nicht mehr geben!) keine besonderen Rechte beanspruchen. Denn alle diese Forderungen sind die Mindestvoraussetzung dafür, dass der Klimaprozess zum Stillstand kommt. Eine Besserung ist aber auch unter diesen Bedingungen nicht zu erwarten, und eine weltweit demokratische Entscheidungsfindung ist pure Illusion. Vonwegen Demokratie! Nur eine diktatorische Weltregierung, die auf unsere kulturellen Besonderheiten keinen Wert legt, wäre dazu im klimatisch besten Fall in der Lage. Menschrechte wären dafür der größte Ballast. Wollen das alles auch die Protestierer ? Merke: Leben ist neben Genuß und Verantwortung auch Vernichtung. Unsere zivilisatorischen Errungenschaften haben schon zu viel vernichtet als das es reparabel ist. Zivilisation und der daraus entwickelte Wohlstand sind wie eine Schiene ohne Weichen und Rückfahrschein. Und wir genießen das. Wenn Schüler soweit denken wollen, brauchen sie weniger Illusionen und Ideale, dafür mehr Einsicht in die allgemeinen menschlichen und besonders die eigenen Unzulänglichkeiten.

Über diesen Blog

Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.

Dominique Bielmeier
Dominique Bielmeier ist Stellvertreterin in der Stadtredaktion Dresden bei der Sächsischen Zeitung. Im Februar tauschte sie mit chrismon-Redakteurin Anne Buhrfeind drei Wochen lang die Schreibtische, Jobs und sogar Ehrenämter. Sie hat in Leipzig Journalistik studiert und arbeitet seit knapp sechs Jahren für die "Sächsische Zeitung" und für Saechsische.de.
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Dorothea Heintze
Dorothea Heintze ist Redakteurin bei chrismon, allerdings in Teilzeit. Sie pendelt aus Hamburg dazu. Zwei Jahre lang, von 2016 bis 2018 war ihr Weg kürzer, denn da wohnten sie und ihr Mann in Erfurt. Eine tolle Stadt, nicht nur wegen des guten Biers und der leckeren Würstchen. Überhaupt der Osten: Dorothea Heintze ist schwer verliebt in alle neuen Bundesländer! Immer noch entdeckt sie so viel neues und hört spannende Geschichten, die sie gerne weiter erzählt.
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Anne Buhrfeind
Anne Buhrfeind ist schon mal von Hamburg nach Dresden geradelt, da lag Meißen auf dem Weg. Das ist aber lange her. Und seither war sie immer nur kurz in Leipzig, Dresden oder Erfurt. Sie arbeitet seit zwölf Jahren bei chrismon, jetzt als stellvertretende Chefredakteurin, vorher war sie bei "Gala" und "woman" in Hamburg.

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Claudius Grigat
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Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat