Susanne Breit-Keßler über Jogi Löw

Susanne Breit-Keßler über Jogi Löw
Der Jogi bleibt
Eine bunte Hängematte

Foto: Susanne Breit-Keßler

Raus aus der Komfortzone!

Meine Mutter hatte das Sternzeichen Wassermann.  Sie wurde trotzdem nicht Designerin, Börsenmaklerin oder Modebloggerin. Genau so wenig wie Jogi Löw, der auch Wassermann ist. Aber: Sie hasste wassermannmäßig Langeweile. Und sie war immer drauf und dran, entsprechend ihrem Sternzeichen, ihren wachen, vorausschauenden Geist und ihre Intuition zu nutzen, die Evolution auf den Gemüsebeeten voranzutreiben und die Welt zu retten. Ihre. Mich jedenfalls hat sie hübsch auf Trab gehalten. 

Jogi Löw sollte sich ein Beispiel an meiner Mutter nehmen. Also nicht, was mich anbelangt. Ich bin auch ohne Trainer umtriebig genug. Aber jetzt, da er bleibt, der Jogi, muss er die Entwicklung der Nationalmannschaft vorantreiben und den EM-Sieg 2020 retten. Das ist angesichts dessen, was meine Mutter geleistet hat, wahrlich nicht zu viel verlangt. Ich traue ihm das auch zu, selbst wenn es heißt, dass mancher Wassermann keine Ordnung in sein Berufsleben bringen kann. Meine Mutter konnte es doch auch! 

Was erlauben? 

Jogi bleibt. Obwohl Boris Becker, ausgerechnet, „Wut im Bauch“ hatte nach dem Ausscheiden unserer Mannschaft. Lothar Matthäus und Michael Ballack maulten herum. Oliver Kahn. Und Thomas Strunz. Sie erinnern sich? Giovanni Trapattoni, der Bayern Trainer, schrie vor 20 Jahren empört: „Struuunz! Was erlauben Strunz?“ Genau! Gilt nach wie vor, nix dazu gelernt. Ja, Jogi Löw hat wohl Fehler gemacht und die Mannschaft gruselig gespielt. Das darf, das muss man sogar sagen. 

Aber nur Sieger zu lieben und den Verlierer zügig zu verachten, das hat schon  Jesus ziemlich zornig gemacht. Mal so am Rande bemerkt. Also: Ich freue mich, dass Jogi bleibt. Nach dem chinesischen Horoskop ist er übrigens eine Metall-Ratte. Standhaft und charakterfest. Lässt sich nicht schnell aus der Fassung oder von Zielen abbringen. Behält einen klaren Kopf. Wir werden folglich Europameister, sobald wir den WM-Titel nicht mehr tragen. Soviel für heute. Ich habe fertig.

 

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Lesermeinungen

Es gab ne Menge Christen bei der WM. Der hart gemobbte Schwede zum Beispiel. Die gesamte Mannschaft hat sich solidarisch mit F*CK Racissm! hinter ihn gestellt.
Ausgerechnet auf einem von Christen finanzierten Blogg gibt's nur Kristallkugel-Weisheiten. Nix Christliches.
Und Vergötterung der Arroganz.
Wenn Sie Herrn Löw zum Verlierer mythologisieren wollen, schauen Sie zuerst mal auf sein Bankkonto. Die Mannschaft und ihre Fans haben ihn nicht tangiert. In vielen klugen Kommentaren analysiert, am besten im FAZ "Hühnerhaufen".
Aber wer zulange Horoskope liest, den bestraft das Leben.

Über diesen Blog

Fußball ist ihr Leben - sagt Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie bereits bei der EM 2016 - auf, was sie während der WM in Russland bewegt

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon und betreibt aktuell das "Blog "Mahlzeit!" auf chrismon.de. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt". Was nicht alle wissen: Sie ist ein glühender Fußballfan und richtet ihren Terminkalender durchaus nach wichtigen Spielen aus.

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