Freunde vor dem Treffen um einen Corona-Test bitten?

Ziemlich sicher feiern
Ziemlich sicher feiern

Kati Szilagyi

Ziemlich sicher feiern

Ich bin auf einen 60. Geburtstag eingeladen, es werden insgesamt 14 Leute sein. Ich feiere gern, aber ­wegen der hohen Corona-Ansteckungs­zahlen fühle ich mich schon bei dem Gedanken daran unwohl. Ich könnte absagen. Aber eigentlich würde ich lieber alle bitten, vorher einen Schnelltest zu machen. Nun frage ich mich, ob ich damit die Gastgeberin und alle Gäste vor den Kopf stoße . . . ?

Jede Pandemiephase bringt ihre eigenen Fragen und Konflikte ­ mit sich. Nach der ersten, sehr res­triktiven Zeit mit strengen, ­einigermaßen klaren Regelungen sind wir in dieser aktuellen Phase plötzlich selbst verantwortlich für unser Tun und Lassen.

Bei den hohen Inzidenzen und den gleichzeitig quasi nicht mehr existenten Regelungen entstehen neue Unsicherheiten: Wie möchte der andere begrüßt ­werden, und was möchte ich? Handschlag, nur ein Nicken oder Umarmung? Da alle um diese ­Unsicherheiten und Ungleich­zeitigkeiten der Empfindungen wissen, gibt es in Ihrem Fall vermutlich Entwarnung: Was an Ihrer Bitte könnte die anderen vor den Kopf ­stoßen?

Dass wir den Menschen ent­gegenkommen, die ängstlicher sind oder vorsichtiger sein ­müssen, haben wir in den vergangenen Jahren doch gut gelernt. Darum trauen Sie sich: Bringen Sie Ihre Bitte ­einfach freundlich vor. Schließlich er­fordert es ja auch keine großen Anstrengungen, sondern nur das bekannte Watte­stäbchen, damit alle, also auch Sie, die Feier ­gelassener miteinander feiern ­können.

Bestimmt werden Sie sofort einige Unterstützer*innen finden, denen es ähnlich geht. Übrigens habe ich selbst parallel zu Ihrer Frage auf eine Einladung in­klusive Selbsttest-Bitte geantwortet: mit herzlichem Dank für die Einladung – und für die Umsicht!

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Lesermeinungen

Sehr geehrtes Team, schon dieser o.g. Beitrag ist ein Grund eure Zeitschrift, wenn sie denn wieder einmal in Der ZEIT eingelegt ist, sofort zu entsorgen. Die Ratschläge, bei einem geplanten Besuch von allen einen Schnelltest zu erbitten ist paranoid. Menschen, die das verlangen können mir nur noch leid tun. Die evangelische Kirche hat in der Zeit der Coronaepedemie eine erbärmlichen Rolle gespielt, die sie mir ihrer nervigen Übervorsicht jetzt weiter verfolgt. Über zwei Jahre wurde uns unser Leben beschnitten, ich will auch keine Solidarität mehr üben, Menschen mit ihrem Coronawahn sollen mich einfach nur in Ruhe lassen. Die evangelische Kirche hat es nicht anders verdient, dass auch ihr die Menschen in Scharen davon laufen.
Regina Kowol