Whistleblower-Skandal bei Facebook

Abmelden, regulieren, zerschlagen
Facebook schadet uns. Trotzdem bleiben viele auf der Plattform - auch weil sie sie brauchen. Zeit, die User zu schützen.

Facebook stellt eigene Gewinne über das Wohl der Menschen. Das ist das Fazit der Whistleblowerin Frances Haugen, die vor dem US-Senat über den kalifornischen Techkonzern ausgesagt hat. So weit, so wenig überraschend. Facebook ist ein gewinnorientierter Konzern und keine dem Gemeinwohl verpflichtete Institution.

Das soziale Netzwerk verscherbelt unsere Daten – wie spätestens seit den Klagen von Maximilian Schrems und dem Skandal um Cambridge Analytica bekannt ist. Es untergräbt die Demokratie (Manipulation bei den US-Wahlen 2016), fördert Fake News, Hass und Verschwörungstheorien. Es greift tief in die Privatsphäre von Menschen ein, ohne dass diese es wollen oder kontrollieren können. 2016 wurden Patienten eines Psychiaters andere Patienten als Freunde vorgeschlagen, weil der Algorithmus bemerkt hatte, dass sich diese längere Zeit am selben Ort befunden haben. Die Fotoplattform Instagram ist Studien zufolge, die Facebook selbst in Auftrag gegeben hat, schädlich für die psychische Gesundheit von Teenagern. All das weiß Facebook – und es unternimmt nicht viel dagegen.

Michael Güthlein

Michael Güthlein, Jahrgang 1990, ist Redakteur bei chrismon. Nach dem Studium der Germanistik und Geografie in Bamberg sowie dem Masterstudiengang Journalismus in Mainz hat er in den Redaktionen von chrismon und epd volontiert. Praktika führten ihn zur "Allgemeinen Zeitung" Mainz, zum "Fränkischen Tag", SWR-Fernsehen, HR-Hörfunk sowie den Kinozeitschriften "Cinema" und epd Film. Er interessiert sich besonders für die Themenfelder Politik, Gesellschaft und Kultur.
Lena UphoffMichael Güthlein, chrismon-Redakteur

Was sollte man also tun? Sich von Facebook abmelden? Leichter gesagt als getan. Viele Menschen und Konzerne haben sich von Facebook abhängig gemacht: Medien (auch chrismon!) erreichen viele ihrer Leserinnen und Leser auf diesem Weg, Geschäftsmodelle und Dienstleistungen laufen über Facebook, Veranstalter planen dort Konzerte, Künstler ihre Auftritte, Start-ups vermarkten ihre Ideen. Menschen können sich zu Protesten vernetzen, ihre Meinung oder Rezepte austauschen, gebrauchte Regale verkaufen oder sich über ihre Lieblingsband informieren. Facebook hat für viele einen großen Nutzen und das Internet in Teilen revolutioniert. Dafür haben wir uns in eine toxische Abhängigkeit gegeben, die immer gefährlicher wird.

Viele sind von Facebook abhängig

Es ist wie beim Rauchen oder bei Fast Food oder beim klimaschädlichen Flugverkehr: Wir wissen, dass es besser wäre, die Finger davonzulassen. Aber wir kriegen es nicht hin – aus Bequemlichkeit, aus Gewöhnung – oder weil wir (finanziell) davon abhängig sind.

Im Prinzip gibt es drei Möglichkeiten: Wer Facebook nicht braucht, sollte sich gar nicht erst anmelden oder den bestehenden Account löschen. Zweitens: Für alle, die auf Facebook sein müssen, müssen Regierungen und Institutionen strikte Gesetze und Regelungen für Facebook schaffen, die international gelten und regelmäßig überprüft werden. Im Zweifelsfall braucht es eine unabhängige, supranationale Behörde, um die großen sozialen Netzwerke regelmäßig zu überprüfen. Drittens: Facebook muss zerschlagen werden. Die Forderung ist nicht neu und wird nicht alle Probleme lösen, aber es wird dazu führen, dass die Allmacht des Netzwerks schrumpft. Und dann wäre auch ein echter Wettbewerb wieder möglich. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) und die EU haben nun Schritte gegen Facebook angekündigt. Hoffen wir, dass es nicht nur Lippenbekenntnisse sind.

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