Der Leviatan, das Urmonster der Bibel

Woher kommt die Metapher "Leviatan"?
Der Leviatan

Umzeichung: Manfred Bietak / Stiftung Bibel+Orient

Ein wildstierstarker Wettergott schreitet über die Berge. Auf dem Meer kreuzen Schiffe. Hier regiert der löwenstarke Leviatan, dargestellt als gekringelte Schlange auf einem Podest. – Rollsiegelbild aus Awaris, nordöstliches Nildelta, 13. Jh. v. Chr.

Der Leviatan

Heute ist er ein Bild für den mächtigen Staat. In der Bibel steht er fürs Chaos: der Leviatan.

Leviatan heißt "der Kringler", ein Meeresungeheuer. Die Bibel (Jesaja 27,1) beschreibt ihn als flüchtige, gewundene Schlange, die das Meer ständig aufwühle. Nur Gott könne seiner chaotischen Macht ­eine ­Grenze setzen (Sprüche 8,29). In Psalm 104,26 heißt es sogar: Gott habe den Leviatan nur erschaffen, um mit ihm zu spielen.

Thomas Staubli

Thomas Staubli, 59, erforscht ­biblische ­Bild­symbolik an der ­Universität ­Fribourg.
Sophie StiegerThomas Staubli, Mitbegründung, Aufbau und Leitung des BIBEL+ORIENT Museums der Universität Fribourg

Als der leidende Hiob Gott herausfordert, fragt Gott spöttisch zurück, ob er, Hiob, etwa den Leviatan an der Angel ziehen könne (Hiob 40,25). Kann er nicht. Der ­Leviatan ist mit keiner anderen Macht auf Erden vergleichbar (Hiob 41,25).

Der Einzelne ist machtlos; nur Gott herrscht souverän über alles. Doch wenn sich Menschen in großen Kollektiven organisieren? "Der Leviathan", so überschrieb Thomas Hobbes seine epochale staatstheoretische Schrift von 1651. Auf dem Titelbild: das unbezwingbare Wesen, eine Chiffre für den Staat. Sein Leib besteht aus unzähligen Menschen. Sein Haupt: ein gekrönter Mann mit Schwert und Krummstab. Die Menschen folgen diesem Haupt, sie haben in einen Gesellschaftsvertrag eingewilligt und die Macht dieses Regenten akzeptiert.

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