Erst Corona, dann Hochwasser: die Bundeswehr packt viel an

Gummistiefel statt Gewehr
Soldatinnen und Soldaten beklagen sich oft über mangelnde Anerkennung. Dabei sind gerade jetzt viele dankbar für ihre Hilfe.

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit helfen Hunderte Soldaten und Soldatinnen in einer Notlage. Erst in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Testcentern, nun seit Wochen in den überfluteten Gebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Sie haben Leichen geborgen, mit ihren Räumfahrzeugen Straßen freigemacht, Brücken gebaut und tonnenweise Dreck geschaufelt. Die Bundeswehr schickte ihre Leute im Rahmen der "Amtshilfe", zusätzlich packen viele Soldaten in ihrer Freizeit an, einige nutzten sogar ihren Sommerurlaub dafür. Dafür erfahren sie während der aktuellen Krisen viel Dankbarkeit.

Felix Ehring

Felix Ehring leitet die Redaktion des JS-Magazins. Er verantwortet die Heftplanung und -produktion bis hin zum Druck. Seit 2010 beschäftigt sich Ehring mit der Bundeswehr und berichtet über die Geschichten hinter den Kasernentoren: Staatsbürger in Uniform und was der Krieg mit ihnen macht, Männergemeinschaften und Mobbing, technische Machbarkeit und ethische Zweifel. Zuvor hat Ehring freiberuflich für das JS-Magazin gearbeitet sowie für weitere Magazine und Zeitungen berichtet, unter anderem aus Afrika, Lateinamerika und Osteuropa. Dabei ging es um Themen wie Armut und Kriegsfolgen, Landwirtschaft, Bildung, Unternehmen – und fast immer um Menschen. Ehring ist Historiker, er hat in Hamburg und auf La Réunion Geschichte und Politikwissenschaften studiert.    
Lena UphoffFelix Ehring

In Gesprächen lassen Soldaten und Soldatinnen öfter durchblicken, dass sie sich von der Gesellschaft zu wenig für ihren Beruf wertgeschätzt fühlen. Dabei fällt ihre Wahrnehmung aber zu negativ aus. Denn: Vier von fünf Deutschen vertrauen der Bundeswehr und "mögen" sie, ergab eine jährliche repräsentative Befragung der Bundeswehr. Die "Truppe" liegt seit Jahren in der Spitzengruppe der vertrauenswürdigen Institutionen, noch vor dem Bundesverfassungsgericht. Einzelne Skandale – etwa Rechtsradikale oder ausufernde Feiern – trüben das positive Bild nicht dauerhaft ein.

Klar, viele kennen die Bundeswehr nur aus den Nachrichten und können prinzipiell mit Uniformen nicht viel anfangen. Doch spätestens im persönlichen Gespräch stellt sich oft heraus, dass in diesen Uniformen junge Menschen stecken, die hilfsbereit und mitfühlend sind. Und die Soldaten ihrerseits können zeigen, was in ihnen steckt und was ihnen wichtig ist: ihrem Land zu dienen.

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