Die Bundeswehr darf nicht von der Gesellschaft isoliert werden

Danke, Soldatin!
Standpunkt - Distanz zur Bundeswehr

Klaas Neumann

Standpunkt - Distanz zur Bundeswehr

In England hört man das auf der Straße, 
in Deutschland: nie. Eine Dienstpflicht könnte 
die Distanz zur Bundeswehr abbauen helfen.
Deutschland spricht 2019

Vorgelesen: Standpunkt "Danke, Soldatin!"

Kürzlich hat die Berliner SPD eine interessante politische Entscheidung getroffen: Jugendoffiziere der Bundeswehr sollen künftig nicht mehr in Schulen mit ­Jugendlichen über sicherheitspolitische Fragen, über die Bundeswehr und ihre Stellung in der demokratischen Gesellschaft sprechen. "Es wird militärischen Organisationen untersagt, an Berliner Schulen für den Dienst und die Arbeit im militärischen Bereich zu werben", haben die Sozialdemokraten auf einem ­Parteitag beschlossen.

Sigurd Rink

Sigurd Rink 
ist evangelischer Theologe und seit Juli 2014 der erste hauptamtliche evangelische Militärbischof. 
Kürzlich ist von ihm das Buch "Können Kriege gerecht sein?" im Ullstein-Verlag 
erschienen.
PrivatSigurd Rink

Diese Entscheidung markiert einen 
traurigen Höhepunkt des sicher­heitspolitischen Desinteresses. Was wollten die Vertreter der Streitkräfte 
in den Schulen? Nicht Rekruten werben, sondern zur politischen Bildung der Jugendlichen beitragen. Wer könnte besser von den enormen Herausforderungen der Weltgemeinschaft berichten als Soldatinnen und 
Soldaten, die derzeit in 13 Aus­lands­ein­sätzen unterwegs sind! Sie können 
einen unmittelbaren Eindruck aus den Krisenregionen Afghanistan, Irak, Sudan und Mali vermitteln, zu denen zivile Zeitgenossen so gut wie keinen Zugang haben. Doch diese Chance wurde vertan.

Der Berliner Beschluss ist bezeichnend für den Umgang vieler Deutscher mit den Streitkräften: Die Mehrheit lehnt die Auslandseinsätze ab und steht den Soldaten distanziert gegenüber. Soldaten trauen sich auch kaum noch in Uniform auf die Straße, 
weil sie angepöbelt und verhöhnt werden, wenn sie es denn doch einmal tun. In England und in den USA hingegen hören Soldaten oft "Thank you for your service!", wenn sie sich in der Öffentlichkeit zeigen.
Was macht es mit den Uniform­trägern, wenn ihnen eine solche Melange aus Unkenntnis und Distanziert-
heit entgegenschlägt? Gerade wenn Sol­daten und Offiziere nach vier, sechs, 
acht oder zwölf Monaten entbehrungsreicher und gefährlicher Auslands­einsätze nach Hause kommen? Viele Soldaten haben mir davon berichtet.

Leben retten

Da ist Sandra P., Sanitätsoffizier auf einer Fregatte. Sie hat im sogenannten EUNAVFORMed-Einsatz "Sophia" Schleuser bekämpft und dabei Flüchtlinge aus den billigen Schlauchbooten im Mittelmeer gezogen, ihnen das Leben gerettet. Oft war sie 36 Stunden im Dauereinsatz. Zum Schluss waren nicht nur die Flüchtlinge völlig entkräftet und ausgekühlt, sondern auch die Helfenden erschöpft. Wer so etwas wochenlang durchgestanden hat, ist – vielleicht zu Recht – auch ein bisschen stolz auf ­seine Leistung.

Ganz zu Anfang wurde sie zu ­Hause noch mit ein bisschen Wertschätzung empfangen, doch bald trübte sich die Stimmung ein, und es hieß: "Was macht ihr denn da? Ihr bringt uns die Flüchtlinge ins Land!" Jetzt erzählt Sandra P. zu Hause nicht mehr viel von ihrem Dienst.

Zuhause versteht sie keiner

a ist Marco F. Er ist in Gao statio­niert, im Nordosten Malis. Dort gibt es nichts als Wüste, er ist kaserniert, es herrschen 56 Grad im Schatten. Vier Monate hat er das durchgestanden. Wenn er draußen auf Patrouille war, musste er 30 bis 40 Kilogramm Schutzkleidung, Bewaffnung und ­Proviant mit sich schleppen. Er selbst, 22 Jahre alt, wiegt 70 Kilo. 
Er gehört zu einem UN-Blauhelmkontingent und überwacht ein Friedens­ab­kommen. Er hat keinen Kampf­auftrag. Und doch ist der Einsatz "robust", wie es bei der Bundeswehr heißt. Denn wenn er mit seinen Kameraden die Wege sichert, pfuscht er Menschenschmugglern, Drogen- und Waffenschmugglern ins Handwerk. Und die Kriminellen bekämpfen die Blauhelme natürlich.

Auch Marco F. hat es langsam aufgegeben, zu Hause von seinem Einsatz zu erzählen. Am ersten Abend wird mal gefragt, dann warten schon wieder die "First World Problems": ­eine kaputte Waschmaschine, das Auto, das zum TÜV muss, die Steuer­erklärung. Kein Interesse an der ­fremden Welt der Bundeswehr.

Die Erfahrungen von Sandra P. und Marco F. zeigen, wie groß die Distanz ist, die wir in Deutschland inzwischen zu den Streitkräften aufgebaut haben. Klar: Das Verhältnis der Deutschen zu Armeen ist nach zwei schuldhaft verbrochenen Angriffskriegen gestört, und vielleicht wünschen sich manche klammheimlich, in einem Staat wie Costa Rica zu leben, wo es keine Streitkräfte gibt.

Staatliches Gewaltmonopol

Doch es ist gut, dass das Gewaltmonopol in Deutschland beim Staat liegt. Es hat nach innen (Polizei) und außen (Bundeswehr) eine enorm pazi­fizierende, Gewalt eindämmende Wirkung in der Gesellschaft entfaltet. Was daraus folgt, wenn ein Staat nicht mehr in der Lage ist, sein Gewalt­monopol durchzusetzen, habe ich bei meinen Einsatzbesuchen in "failing states" (zerbrechenden Staaten) wie Libyen, Mali, dem Sudan erlebt. Dort haben nach kurzer Zeit kriminelle Clans das Ruder übernommen.

Ein anderes Beispiel ist das Kosovo. 
Ich habe die Grenzstadt Mitrovica besucht, um die Entwicklungsarbeit der Diakonie Kosova kennenzulernen. Wir mussten in einem geschlossenen Konvoi der Feldjäger Stoßstange an Stoßstange dorthin fahren, alles andere wäre zu gefährlich gewesen. Schließlich saßen wir friedlich im Jugendzentrum der Diakonie bei­sammen.

Plötzlich hörten wir seltsame, knatternde Geräusche. Die Feldjäger horchten kurz auf, blieben dann aber sitzen. Als wir das Jugendzentrum verließen, sahen wir eine große Menschentraube. 
Wir drängten uns langsam vorbei und sahen vor dem Rathaus ein völlig zerschossenes geschmücktes Brautauto stehen. Ich weiß nicht, was aus dem Brautpaar geworden ist. Ich weiß nur, dass die Soldaten mir sagten: "Das kommt hier immer wieder vor. Der Vorfall wird morgen noch nicht mal in der Zeitung stehen."

Sie riskieren ihr Leben für uns

In einer solchen von Gewalt durchgeschüttelten Gesellschaft möchte ich nicht leben. Was also tun wir, wenn wir Polizisten oder Soldaten als ­Organe des Rechtsstaates bestenfalls mit Desinteresse strafen? Wir ­schicken sie als Wählerinnen und Wähler über unser Parlament in die Einsätze, sie riskieren Leib, Leben und seelische Gesundheit, kommen zurück und ernten – nichts. Wir werden zu Meistern der Ausblendung.

Dieser Prozess verstärkt sich seit der sogenannten Aussetzung der Wehrpflicht, die 2011 gleichsam handstreichartig geschah. Bis dahin hatten viele Familien noch irgendwie Kontakt zur Bundeswehr, sei es über einen Onkel, der "beim Bund" war. Seitdem löst sich dieser Kontakt nach und nach auf.
In den USA kann man beobachten, wohin das vermutlich führen könnte. Es ist zu befürchten, dass sich die ­Eliten der Ost- und Westküste weiter von der Armee entfernen. Das wären die Anfänge einer Sozialauswahl.

Mehr Wertschätzung wäre gut

Ich möchte in Deutschland gesellschaftlich isolierte Streitkräfte nicht sehen. Ich finde so etwas brandgefährlich. In Deutschland gab es einmal eine ähnliche Situation 
in der Weimarer Republik, als die ­Armee zu einem "Staat im Staate" wurde – mit den bekannten Folgen.

Deshalb plädiere ich nach fünf Jahren als Militärbischof und 133 Standortbesuchen dafür, alle ­Kräfte zu stärken, die die Bundeswehr in die Gesellschaft integrieren. Dazu ge­hören Jugend­offiziere, die mit ­Schülern diskutieren. Dazu gehören Wertschätzung und Anerkennung, wie sie auch jeder Schuster, Bäcker und Feuerwehrmann bekommen.

Dienstpflicht für alle

Und dazu zählt nach meinem Dafürhalten auch die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht. Ich bekenne mich zur moralphilosophischen Schule der sogenannten 
Kommunitaristen, die etwa von dem US-Amerikaner Michael Sandel angeführt wird. Ich bin überzeugt, dass es unserer Gesellschaft guttun würde, wenn junge Menschen nach ihrem Schulabschluss wahlweise ­einen sozialen Dienst, einen Entwicklungsdienst oder einen Wehrdienst absolvieren würden. Wenn das auf europäischer Ebene durchsetzbar wäre, umso besser.

Ich weiß, dass ein solches Vor­haben "ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich" bedeutet, wie es der Soziologe Max Weber genannt hat. Aber es würde den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens stärken, wenn mehr Bürger sich frei 
nach dem Diktum von John F. Kennedy 
fragen würden, was sie für ihr Land tun können – und nicht immer nur, was das Land für sie tun kann.

Leseempfehlung

Thomas de Maizière tröstet der Gedanke, dass die Bemühungen um Frieden nie vergebens nicht, auch wenn sie scheitern
In Krisengebiete geraten Journalisten schneller als gedacht. Halte ich das aus, fragt sich unsere Autorin und spielt Krieg auf Probe. Bei der Bundeswehr

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Lesermeinungen

Grüß Gott,
ich bin – obwohl in den friedensbewegten 1980ern groß geworden, ganz Ihrer Meinung, was die Kritik an der fehlenden Wertschätzung der bundesdeutschen Soldaten und die Notwendigkeit ihrer Einbindung in die Gesellschaft angeht.
Ich möchte jedoch zur Idee der Dienstpflicht, bzw. zum insinuierten Vorwurf, dass "die Jugend" nicht bereit sei, sich "für ihr Land" einzusetzen, etwas zu bedenken geben. In schöner Regelmäßigkeit wird die Forderung nach einer Dienstpflicht erhoben – jedes Mal mit oben angeführtem Unterton. Dabei wird vollkommen außer Acht gelassen, dass es erstens in vielen Bereichen mehr Bewerber für die vorhandenen FSJ-Stellen gibt als Stellen und – mindestens ebenso wichtig – dass diese Stellen nur besetzt werden können, wenn die Jugendlichen von zuhause alimentiert werden, deckt doch das Entgelt nicht die Lebenshaltungskosten eines Freiwilligen, zumindest dann nicht, wenn die Unterkunft nicht gestellt wird.
Meine ältere Tochter hat ein FSJ beim Roten Kreuz im Rettungsdienst gemacht – sie konnte zuhause wohnen, essen, leben.
Meine jüngere Tochter beginnt ein FSJ in einer bayerischen KZ– Gedenkstätte, 300 km weg von zuhause. Die 380 Euro Entgelt, die ihr zustehen, sind nur deshalb ausreichend, weil ich es mir leisten kann und leisten möchte, sie finanziell zu unterstützen. Eine Reihe ihrer MitschülerInnen hätte gerne einen Freiwilligendienst gemacht, hat aber nicht das nötige Geld zur Verfügung.
Die in der Politik häufig erhobene Forderung nach mehr Engagement muss also bitte mit einem sold-ähnlichen finanziellen Polster für Dienstpflichtstellen einher gehen.

Herr Rink hat der Sache – unserem Bewusstsein, dass wir eine Landesverteidigung haben und brauchen, und die Männer und Frauen, die diesen „Job“ machen, Respekt verdienen – einen großen Dienst erwiesen. Ich bin sicher, dass Sie auch viele entrüstete Mails bekommen von Menschen, die die Berliner SPD-Entscheidung begrüßen, keine militärischen Aspekte an Berliner Schulen zu dulden, weil jede Erinnerung daran, dass Freiheit verteidigt werden muss, damit wir sie nicht verlieren, unangenehm ist und verdrängt wird.
Wir lesen aktuell über die unglaubliche Courage der Bürger von Hongkong, sich ihre Stadt nicht von den Chinesen wegnehmen zu lassen, aber das ist ja weit weg und betrifft uns nicht. Oder? Wir kaufen täglich Gegenstände, die in China produziert wurden, beklagen den Plastikabfall auf den Weltmeeren usw., kommen aber nicht auf die Idee, chinesische Produkte zu meiden, denn das beträfe uns ja selbst. Und die Chinesen sind ja viel zu mächtig, um sich auf einen Konflikt mit ihnen einzulassen… Also lassen wir das Militär am besten ganz weg und warten, bis uns „jemand“ sagt, was wir zu tun und zu lassen haben? Da schreit dann jeder „nein!“, aber die Konsequenz will er nicht tragen, nicht mal, dass andere Bürger dieses Landes sich hinstellen und sagen „bis hierher und nicht weiter“.
Das ist beschämend. Herr Rink hat einen Beitrag zum Verständnis und zur Würdigung des Soldaten/der Soldatin geleistet, und die neueste Entscheidung der Bundesregierung, dass Soldaten ab sofort freie Fahrt bei der Bahn haben, geht in die richtige Richtung. Natürlich sind dahinter weitere Konsequenzen: Soldaten brauchen Waffen, die funktionieren, und die möglichst in Deutschland oder Europa hergestellt werden, ob Gewehr oder Panzer, oder die neue „Cyber-Force“ gegen digitale Eindringlinge. Auch vor den Bildschirmen sitzen Soldaten.
Die Abschlussbemerkung von Herrn Rink – das Zitat von John F. Kennedy – ist der Zeit angemessen; es ist höchste Zeit, sich aus den Filterblasen des Internets zu befreien und der nicht immer angenehmen Wirklichkeit ins Gesicht zu schauen. Wollen wir hoffen, dass das in immer mehr Fällen gelingt. Zu Hause, in der Schule, in der Öffentlichkeit.

Für Sie in der Redaktion habe ich nur den Wunsch, dass Sie weiter auch kontroverse Themen publizieren (mit dem Artikel „Was wirklich hilft, wenn man krank ist“ war ich z. B. nicht konform, aber das ist völlig in Ordnung).

"dass andere Bürger dieses Landes sich hinstellen und sagen „bis hierher und nicht weiter“." Ja, andere Bürger des Landes China stellen sich soeben hin und sagen genau diesen Spruch zu den Demonstranten in Hongkong. Und diese Bürger wissen genau wie Sie, lieber Herr Baumeister, das jeweils heimische Militär sehr zu schätzen. Also freuen sie sich schon darauf, dass die Volksbefreiungsarmee demnächst dem Seelenspruch Taten folgen lassen wird.

Fritz Kurz

Der Artikel weckt in einigen Punkten meinen Widerspruch, vor allem dieser:

"Wir schicken sie als Wählerinnen und Wähler über unser Parlament in die Einsätze ..."
Ich wehre mich ganz entschieden dagegen, mich durch diesen Satz vereinnahmen zu lassen. Ich wähle keine Partei, die unsere Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätze schickt. Als Pazifistin lehne ich alles Militärische ab, für mich ist Jesu Wort: "Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen" (Lk 6,27) oberstes Gebot.

Es stimmt, diesen Ausruf hört man hierzulande selten. Beim vorliegenden Artikel ist er allerdings sehr angebracht. Der Vortrag lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Hier muss nicht erst durch Analyse der Zusammenhang von Gottesglaube und grausamer Gewalt zur Kenntlichkeit gebracht werden. Hier wird erfreulich umstandslos die Propaganda, die jeder Staat für sein Militär macht, schlichtweg wiederholt. Ausgerechnet das Militär soll eine "Gewalt eindämmende Wirkung" haben. Ohne Barras steht "vor dem Rathaus ein völlig zerschossenes geschmücktes Brautauto".

Als Kronzeugen für Einsichten dieses Kalibers sollen dann lebendig heimgekehrte Soldaten in den Schulen auf die Schüler losgelassen werden. Also, fragen wir doch mal die Besatzungen der 14 deutschen Aufklärungs- und Elektronischen Kampfaufklärungsflugzeuge, die dabei waren, als im Krieg gegen Serbien, pardon, in der Operation Allied Force ab 24. März 1999 die zivile Infrastruktur Serbiens angegriffen wurde. Da muss Heiraten besonders Spaß gemacht haben.

Im Detail: "Die Schwaden aus den brennenden Fabriken hüllten Pancevo in eine Giftwolke. Sie bestand aus einer ätzenden und giftigen Mischung von Chlorwasserstoff, Vinylchlorid, Schwefeldioxid und Phosgen, das vor allem für seinen Einsatz als Lungenkampfstoff im Ersten Weltkrieg bekannt ist (siehe auch Grünkreuz). Ärzte sollen schwangeren Frauen zur Abtreibung und für zwei Jahre zur Vermeidung von Schwangerschaften geraten haben, weil sie Fehlbildungen bei Kindern befürchteten." Aus https://de.wikipedia.org/wiki/Kosovokrieg#Luftschläge_auf_zivile_Infrastruktureinrichtungen

Tja, und die verstockten Serben sagen bis heute nicht "Danke, liebe Bundeswehrsoldaten", wie es doch aus christlicher militärbischöflicher Sicht angebracht wäre.

Traugott Schweiger

Dem evangelischen Militärbischof Sigurd Rink gebührt Dank und Anerkennung für seinen Beitrag zur unzulänglich ausgeprägten Wertschätzung unserer Bundeswehr und ihrer Angehörigen, die - vom Bundestag mandatiert - einen z.T. aufopfernden und lebensgefährlichen Dienst in unser aller Namen und zum Wohle unseres Volkes leisten.
Leider tun wir uns in Deutschland – nahezu 75 Jahre nach Ende des durch uns vom Zaune gebrochenen 2. Weltkriegs – noch immer schwer, das militärische Element als unverzichtbaren Teil politischen und parlamentarisch kontrollierten Handelns anzuerkennen. Erschwerend haben wir mit der unausgegorenen und überhasteten Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 dem gesellschaftlichen Integrationsbedürfnis der Soldaten und Soldatinnen als „Staatsbürger in Uniform“ einen Bärendienst erwiesen. Den vor einem knappen Jahrzehnt ohne Not getroffenen Aussetzungsbeschluss erachte ich als eine gravierende Fehlentscheidung, denn sie behindert eine m.E. unverzichtbare innere Identifikation mit unserem Staat, dem zunehmend eine „Bringeschuld“ für persönliches Wohlergehen zugemessen wird, wohingegen der Gedanke, dem Staat auch (neben der allgemeinen Steuerpflicht) zu persönlichen Gegenleistungen verpflichtet zu sein, immer mehr verblasst. Deswegen unterstütze ich nachhaltig die von Bischof Rink ventilierte Überlegung einer allgemeinen Dienstpflicht, die wahlweise im sozialen Bereich, im Entwicklungsdienst, bei Feuerwehr und Polizei oder eben auch in den Streitkräften abgeleistet werden kann. Ein solcher Dienst würde auch nach meiner Überzeugung – wie schon zu Zeiten der allgemeinen Wehrpflicht – durch unmittelbare und mittelbare Betroffenheit dazu beitragen, die gegenwärtig vorherrschende Distanz zur Bundeswehr abzubauen. Eine allgemeine Dienstpflicht würde auch helfen, bei den dienstleistenden jungen Männern und Frauen ein positives Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln und dazu beitragen, durch die Vermittlung staatsbürgerlicher Bildung und ethischer Werte heute vielfach überzogenen Individualismus und Egoismus zu beschneiden und das Gefühl zwischenmenschlicher Wertschätzung wieder reifen zu lassen.
Ich würde mich freuen, wenn Bischof Rinks Vorschlag nicht gleich wieder zu stereotyper Ablehnung sondern zu ernsthafter Überlegung führen würde … auch wenn ein solches Vorhaben sicherlich kein zugkräftiges Wahlkampfthema sein dürfte und „ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß“ erfordert.

Im Artikel "Danke, Soldatin" plädiert Militärbischof Rink für eine allgemeine Dienstpflicht, somit auch für die praktische Wiedereinführung der Wehrpflicht. Der Bundeswehr schreibt er eine pazifizierende Wirkung zu. Das konnte man in Kundus 2009 beobachten, als Oberst Kleins Befehl zum Tod von über 100 Zivilisten führte. Der Artikel zeigt einmal mehr die Kumpanei der Militärseelsorge mit der Bundeswehr. Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sollen laut Weißbuch auch der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen dienen. Menschenrechte werden als Motiv vorgeschoben. Inzwischen gibt es beim "Tag der Bundeswehr" ökumenische Andachten auf der Bundeswehrbühne. Theologisches Sahnehäubchen für die Bundeswehrpropaganda? Die Militärseelsorge macht nur Sinn, wenn sie völlig unabhängig von der Bundeswehr ausgeübt würde.
Die jetzige Praxis und die Befürwortung der Gewaltausübungen der Bundeswehr entspricht nicht der Praxis des gewaltfreien Jesus von Nazareth.

Sehr geehrter Herr Singe, da Ihnen erfreulicherweise beim Militär offenbar nicht als erstes der Dank an die Soldatin, sondern eher ein "Nein danke" an den Krieg in den Sinn kommt, möchte ich zu Ihrem Plädoyer für eine sogenannte unabhängige Militärseelsorge anmerken: Mit "Kumpanei" und "theologisches Sahnehäubchen" ist das Verhältnis von Glaube und Staatsgewalt nicht zutreffend beschrieben.

Vom prächtigen Zusammenspiel zwischen Kirchen und BRD profitieren die Kirchen dadurch, dass sie auch weiterhin Sonderrechte und Zugriffsmöglichkeiten auf das Menschenmaterial in dem wichtigen gesellschaftlichen Bereich der Bundeswehr haben. In Zeiten, wo die Kirchensteuerzahler nachhaltig vom liebevollen Sinnstiftungs- und Betreuungsangebot der Glaubensgemeinschaften Abstand nehmen, werden sich die Kirchen diese Butter nicht vom Brot nehmen lassen.

Was erwartet der Staat dafür im Gegenzug? Kumpanei? Theologische Sahnehäubchen? Nein, die Preisliste des Staates ist da schon etwas spezifischer und anspruchsvoller. Erstens soll sich die Militärseelsorge darum kümmern, dass die Soldaten auch bei "56 Grad im Schatten" nicht anfangen, durchzudrehen, sondern weiter funktionieren und Dienst schieben. Zweitens sind die Kirchen die gesellschaftlich anerkannten Großmanager in Friedenssymbolik. Friedensgebet, Friedensgeläut, Friedensmärsche, Friedensbotschaft, Friedefürst. Wer solchermaßen von Frieden trieft und dann mitteilt, dass Krieg zwar nicht schön und schlimme Sünde, aber dennoch eben nötig sei und die Soldaten wertgeschätzt gehören, dessen Wort hat Wucht. Was die Kirchen dadurch an gesellschaftlicher Akzeptanz von Krieg und seiner Vorbereitung schaffen, bekommt der Staat alleine durch seine "Wir. Dienen. Deutschland." - Kampagne nicht hin.

Der dritte Punkt ist der wichtigste. Was braucht ein Staat zum Kriegführen? Waffen, eine fachkundige und zum Gehorsam bereite Bedienmannschaft, das Militär also und unwidersprechlich gute Kriegsgründe. Die müssen ganz oben im Wertehimmel hängen. Dort muss sie jemand aufgehängt haben und laufend pflegen. Das ist der entscheidende Beitrag des Glaubens zum Kriegführen. Menschenrechte, Frieden, Freiheit und Bewahrung der Schöpfung wetteifern dort derzeit um die Gunst, der Berufungstitel für das nächste größere Gemetzel sein zu dürfen. Lebensraum im Osten ist out und "Erdöl" und "wirtschaftliche Interessen" entstammen zur Abwechslung mal der linken Märchenkiste. Diese Pflege des Wertehimmels liefern die Profis von der Kirche in unermüdlicher täglicher Arbeit. Schon die Tante vom Kindergottesdienst weiß den Kleinen altersgerecht klar zu machen, dass man nicht alles tun darf, worauf man Lust hat. Frau Pfarrerin vertieft das dann später zur Erkenntnis, dass das anständige Leben daraus besteht, Werten zu folgen. Herr Professor im Oberseminar spannt dann schließlich den Bogen zu den Großen des Geistes und dem angeblich gewaltfreien Mann aus Nazareth.

Und dieses sehr erfolgreiche Geben und Nehmen zwischen der mit Krieg kalkulierenden Staatsgewalt und dem christlichen Glauben möchten Sie dadurch ins Wanken bringen, dass die Militärseelsorge staatsunabhängig werden soll. Da stellen sich bei mir Zweifel ein.

Friedrich Feger

Sigurd Rink bezeichnet die Entscheidung der Berliner SPD, Jugendoffizieren der Bundeswehr künftig nicht mehr vor Schülerinnen und Schülern sprechen zu lassen, als "traurigen Höhepunkt" einer gesamten Entwicklung.

Die Berliner SPD begründete ihre Entscheidung von Ende März 2019 mit dem Alter der Schüler. Die Bundeswehr überschreite "klar die Grenzen ihres Kompetenzbereiches", Schülerinnen und Schüler müssten ihre "zentralen Lebens- und Wertvorstellungen erst noch entwickeln. Dementsprechend anfällig sind sie für militärische Propaganda und Verharmlosung der realen Gefahren eines militärischen Einsatzes", heißt es in dem SPD-Beschluss - und: "Für Töten und Sterben macht man keine Werbung."

Schon mehrfach haben am "Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten", die Organisationen Kindernothilfe, missio, terre des hommes, UNICEF Deutschland und das Deutsche Bündnis Kindersoldaten den „Schattenbericht Kindersoldaten“ vorgestellt. Er zeigt die deutschen Defizite bei der Einhaltung von menschenrechtlichen Verpflichtungen auf. Darin wird auch die Werbung der Bundeswehr an Schulen kritisiert, weil Schutzpflichten und Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention von der Bundeswehr verletzt werden.

Deutschland hat das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten 2004 ratifiziert und sich somit zu einem weit reichenden Schutz Minderjähriger verpflichtet. Dass eine vierstellige Zahl von unter 18-Jährigen bei der Bundeswehr ihren Dienst tut, verletzt die von der Bundesregierung unterzeichnete UN-Kinderrechtskonvention und führt jedes Jahr neu zu scharfer Kritik - leider ohne Konsequenzen seitens der Bundeswehr oder der Bundesregierung.

Einem (Militär-)Bischof würde es gut anstehen, wenn er diese Fakten in einem kirchlichen Magazin benennen würde, vor dem Hintergrund der Botschaft Jesu zum Gewaltverzicht und zur Feindesliebe aufrufen - und ebenso wie das kirchliche Hilfswerk "Missio" das Ende des "Kindersoldatentums" in der Bundeswehr fordern würde.

Zu Auslandseinsätzen schreibt Sigurd Rink: "Wir schicken sie als Wählerinnen und Wähler über unser Parlament in die Einsätze, ...".

Bei diesem "Wir" der "Wählerinnen und Wähler" handelt es sich allerdings um eine deutliche Minderheit der deutschen Bevölkerung. Die Berliner "taz" titelte bereits am 31.1.2014:
"Auslandseinsätze der Bundeswehr. Große Mehrheit gegen Ausweitung" und führte aus:
"Fast zwei Drittel der Deutschen lehnen Umfragen zufolge eine Ausweitung der Auslandseinsätze der Bundeswehr ab. Im am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer sprachen sich 62 Prozent der Befragten gegen die Anregung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aus, Deutschland solle sich militärisch stärker an internationalen Kriseneinsätzen beteiligen".
Diese deutliche Mehrheit gegen Auslandseinsätze gibt es bis in die Gegenwart.

An diesem entscheidenden Punkt der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik verkehren unsere Volksvertreter im Parlament ihren Namen ins Gegenteil: Sie vertreten das Volk nicht!

Wer den gesamten Artikel liest, dem stellt sich die Frage: Ist es Aufgabe eines Militärbischofs, sich in einer Zeit wachsender internationaler Spannungen, wo Abrüstung, Deeskalation und Dialog das Gebot der Stunde sind, sich als Militär-Lobbyist in einer kirchlichen Zeitschrift zu betätigen?

Clemens Ronnefeldt, Diplom-Theologe,
Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes,
Freising

Ich danke Ihnen ausdrücklich für diesen ausgewogenen, sachlichen und angemessenen Beitrag. Ich unterstreiche jeden einzelnen Gedanken von
Herrn Rink. Eine solch deutliche Stellungnahme findet man in unserer Medienlandschaft leider viel zu selten!

Einen Aspekt möchte ich aber noch ergänzen: Der Beschluss der Berliner SPD, Jugendoffiziere aus den Schulen auszusperren, hat ja nicht nur eine partei-politische Dimension, sondern bedeutet ganz konkret, dass eine Regierungs-partei, deren Wirken ja an den Regeln des Grundgesetzes gemessen werden sollte, die Bundeswehr als Verfassungsorgan (Art. 87a GG) grob missachtet. Und regelmäßig befiehlt ein anderes Verfassungsorgan, nämlich der Bundestag, Soldatinnen und Soldaten in den Einsatz mit dem Risiko von Verwundung, Traumatisierung oder auch Tod…

Diese bedenklich gespaltene Haltung findet man leider nicht nur in weiten Teilen von SPD und Grünen (von der Linken ganz zu schweigen), sondern auch bei den Gewerkschaften. Insbesondere die gew tut sich hier immer wieder hervor – z.B. mit ihrem üblen „Ich-muss-draußen-bleiben“-Aufkleber gegen den Besuch von Jugendoffizieren in Schulen.

Werter Herr Rink, auch wenn ich bisher nichts von den Kommunitaristen wusste, war ich doch schlichtweg entsetzt über die angebliche "Aussetzung" (= Abschaffung) der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes 2011. Auch wenn ich (Jg.48) weder das eine noch das andere abgeleistet habe, sehe ich genau wie Sie die absolute Notwendigkeit einer solchen allgemeinen Dienstpflicht. Einmal wird damit jeder junge Mensch aus seinem familiären und gesellschaftlichen Umfeld heraus gerissen und muss sich mit Menschen verschiedenster Herkunft und sehr unterschiedlichen Bildungsniveaus auseinander setzen und mit ihnen zusammen arbeiten. Dies ist besonders wichtig für Leute, die der Meinung sind, dass der Mensch erst beim Abitur anfängt! So schafft man ihnen eine unglaubliche Erweiterung ihres Erfahrungshorizontes und fördert mit Sicherheit das gegenseitige Verständnis. Zum anderen, egal, wofür man sich entscheidet, würden auch die entsprechenden Institutionen leichter Nachwuchs rekrutieren können, nicht nur die Bundeswehr. Und vor allem könnte in den sozialen Diensten, wo doch Politiker ständig den Pflegenotstand beklagen, dieser zumindest durch entsprechende Hilfeleistungen der Zivis verringert werden. Es ist mir unverständlich, warum Politiker die Fehlentwicklungen, die sie selber verursacht haben, bejammern, anstatt sie zu korrigieren.

Sie übersehen, dass so ein Zwangsdienst eine erhebliche Einschränkung bürgerlicher Freiheiten impliziert, wobei keinerlei äußere Notwendigkeit im Sinne einer Bedrohung der territorialen Integrität der Bundesrepublik besteht, die so etwas rechtfertigt. Eine Achtung vor außeruniversitär gebildeten Personen ensteht auch gewiss nicht in der Armee, wo stupide Übungen und sinnlose Schikanen die Ausbildung prägen sondern eher im Handwerk oder in der Freizeit. Respekt erwirbt man sich nicht durch Machtmißbrauch und Befehlsgeplärre. Abgesehen davon hat die Bundeswehr keinen Bedarf an einer großen Zahl Reservisten mit wenig Ausbildung, die eine Pflicht aufgrund der Gleichbehandlung automatisch bedingte. Und: Offensichtlich ist die Begeisterung der Bürger für so eine Tätigkeit sehr begrenzt. Mit einer Horde mäßig ausgebildeter und demotivierter Leute gewinnt die Bundeswehr aber keinen Blumentopf. Die geringe Motivation für Krieg und Gewalt spricht sehr für die deutsche Gesellschaft, die offenbar mehrheitlich anderen Ziele erstrebt, was ganz im Sinne des Evangeliums ist. Das sollte auch ein Militärbischof einfach einmal anerkennen.

Sehr geehrter Herr Militärbischof,

Sie beklagen angeblich mangelnde Wertschätzung und Anerkennung für Soldaten "wie sie auch jeder Schuster, Bäcker und Feuerwehrmann bekommen". Meiner Kenntnis nach drängen weder berufsständische Bäckerorganisationen mit Jugendbäckern in die Schulen noch verlangen Schusterinnungen öffentliche Gelöbnisse für Schusterazubis. Trotzdem bekommen diese Berufsgruppen das, was Sie als Wertschätzung und Anerkennung bezeichnen, egal, was das überhaupt sein soll. Woran mag das wohl liegen?

Friedrich Feger

Meine Distanz zur Militärpolitik der Bundesrepublik ist groß. Die Leistungen der Soldaten der Bundeswehr achte ich.
Bischof Rink beunruhigt es, wenn das Interesse an der Arbeit der Soldaten so gering ist. Er bemerkt immerhin, dass die Mehrheit der Deutschen, die Beteiligung der Bundeswehr an Auslandseinsätzen ablehnt. Trotzdem werden Jahr für Jahr durch eine Mehrheit im Bundestag die Einsätze beschlossen und weitergeführt. Jahr für Jahr kommen Soldaten aus diesen Einsätzen zurück, die physisch und psychisch verstümmelt sind. Was bewegt Bischof Rink bei diesem Widerspruch? Ich rate meinen Enkeln ab, in der Bundeswehr zu arbeiten, solange es keine Übereinstimmung zwischen dem Wunsch der Mehrheit in der Bundesrepublik und der Mehrheit des Parlamentes gibt.
Ich bin für ein soziales Jahr von Frauen und Männern. Solange es nicht dazu genutzt wird, Versäumnisse der Regierung und der Wirtschaft in der sozialen Ausgestaltung durch unterbezahlte junge Menschen zu übertünchen.
Das Erlebnis im Kososvo scheint Bischof Rink nicht hinterfragt zu haben. Seit Jahren muss die EU im Kosovo Stabilisierungsaufgaben durchführen. Er ist ein in seiner jetzigen Form ein nicht lebensfähiges Konstrukt. Die Bundesrepublik hat sich durch ihre Teilnahme an einen nicht von der UN sanktionierten Natokrieg mitschuldig gemacht. Wie unser Land aus dieser Misere herauskommt, bewegt mich schon. Ähnlich ist es mit zahlreichen anderen Einsätzen der Bundeswehr im Ausland. Hineingehen funktioniert, aber wie man herauskommt weiß wohl keiner.
Der nächste Einsatz ist im Gespräch: Die Deutsche Marine in der Straße von Hormos um die Freiheit der Wirtschaftswege zu verteidigen. Die USA erklärt einen internationalen Vertrag für Makulatur, verhängt Sanktionen in großem Ausmaß über den Iran. Sie sind mit ihrer Flotte vor den Küsten Irans präsent. Was erwarten die hilflosen Europäischen Regierungen eigentlich, dass der Iran zu Kreuze kriecht und auf den Knien um Frieden bittet. Der Iran ist wie die USA ein aggressiver Staat, der seine Interessen vertritt. Uns jetzt vorzugaukeln, dass ein militärischer Einsatz in diesem Gebiet nicht den Atomkonflikt Iran-USA berührt, ist mehr als simpel. Aber es könnte sein, dass wie gehabt, die Mehrheit im Bundestag es anders sieht.
Ich bin gegen das Auftreten von Jungoffizieren vor Schülern.
Ja, es wäre mir lieb, wenn die Bundeswehr sich auf drei Waffengattungen beschränke: den Katastrophenschutz, auf die Flieger der SAR-Gruppe und die Blaskapellen. Ich bin voller Hochachtung vor dem, was die Soldaten in den Waldbrandgebieten und bei Überschwemmungen leisteten und leisten. Danke, Soldatin!
Die Gedanken und Vorstellungen von Bischof Rink zu lesen, ist für mich wichtig gewesen. Danke Bischof Rink. Sie zeigen mir, wie seicht man mit diesem wichtigen Thema umgehen kann, auch in dieser Funktion. Man kratzt an der Oberfläche, aber bitte nicht so tief. Und er macht am Ende
auch auch die Ursachen deutlich die „First World Problems!
Ja, es sind unsere Töchter und Söhne, die in der Bundeswehr Dienst tun. Aber wenn sich dieser Dienst im Widerspruch zur Mehrheit der Bevölkerung befindet, sollte man darüber doch mal nachdenken?

Der Herr Militärbischof fordert mehr Gemeinschaftssinn und Engagement für das Gesellschaft. Adressat dieser Aufforderung ist die junge Generation. Und weil die lieber an sich denkt als an andere, muss ihr Einsatz für das Gemeinwohl durch Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht erzwungen werden. Ältere Herren, die sich über die egoistische Jugend beschweren, sind schon aus der Antike bekannt. Das will ich nicht weiter kommentieren.

Aber dass die moralphilosophische Schule der Kommunitaristen, zu der sich der Herr Militärbischof so mutig bekennt, andere mit Zwang zum Gemeinsinn bekehren möchte, halte ich für eine steile These. Er formuliert es selbst sehr schön: "Aber es würde den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens stärken, wenn mehr Bürger sich frei .... fragen würden, was sie für ihr Land tun können ..." Genau so ist es: Es geht den Kommunitaristen darum, Bürger aller Altersgruppen dafür zu gewinnen, sich freiwillig für die Gesellschaft zu engagieren. Ehrenamtliches Engagement in Erfüllung einer gesetzlichen Verpflichtung ist ein Widerspruch in sich.

Noch einige Sätze zur Rolle der Reichswehr zwischen 1919 und 1933. Der Herr Militärbischof meint offenbar, die Weimarer Republik sei daran gescheitert, dass die Reichswehr eine Berufsarmee und damit "Staat im Staate" war. Das ist vorsichtig formuliert eine Zehntelwahrheit. Die Weimarer Republik wurde von ihren gesellschaftlichen Eliten mehrheitlich abgelehnt - nicht nur vom Offizierskorps der Reichswehr, sondern auch von der Justiz, den Beamten, der Wirtschaft und notabene der Evangelischen Kirche. Daran ist sie zugrundegegangen, und nicht daran, dass der Versailler Vertrag die Einführung der Wehrpflicht im Deutschen Reich untersagte.