Kommentar: Bund und Länder streiten über die Corona-Maßnahmen

Wenn, dann jetzt – der Kinder wegen
Warum nutzt die Politik nicht die Osterferien, wenn nur noch ein erneuter Shutdown gegen Corona hilft?

Es ist ein Trauerspiel: Wir leben in einem reichen Land, mit vielen klugen Köpfen – aber auch nach einem Jahr Corona hilft offenbar nur der Hammer gegen das Virus. Die Fallzahlen müssen runter. Alle ahnen es – aber nichts passiert. Die Kanzlerin droht, einige Ministerpräsidenten trotzen. Das Ergebnis: Die Politik schafft es, nun wirklich jede Gruppe in dieser Pandemie zu vergrätzen.

Nils Husmann

Nils Husmann studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und in Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er über ein Praktikum zu chrismon. Seit dem Umzug der Redaktion nach Frankfurt/Main ist er chrismon-Redakteur. Nils Husmann interessiert sich für die Themen Umwelt, Gesellschaft, Sport und - Menschen. Nils Husmann ist Herausgeber des Buches "You'll never walk alone" in der edition chrismon.
Lena Uphoffchrismon Redakteur Nils Husmann, September 2017

Man mag es einen echten Lockdown nennen oder nicht – aber die Welle muss gebrochen werden, die Kontakte müssen runter. Ein paar Termine könnten der Politik dabei eine echte Hilfe sein, eine goldene Brücke, die Kultusminister haben sie vor langer Zeit beschlossen: 7. April, 10. April, 16. April. Es sind die letzten Ferientage in einigen der 16 Bundesländer nach Ostern, vielerorts sind schon Ferien. Warum nutzt man das nicht aus? Das sind wir doch den Kindern und den Jugendlichen schuldig. Denn "die" Schulen sind mitnichten "geöffnet", wie es in vielen Medien oft unkonkret heißt – auch Grundschulkinder gehen meist nur jeden zweiten Tag zur Schule. Viele Jugendliche sitzen sogar seit Mitte Dezember (!) zu Hause im Fernunterricht. Das ist ein Skandal. Denn es gelingt ja auch, binnen Tagen ein Testregime auf Mallorca aufzubauen, damit Reiserückkehrer keine Infektionen ins Land schleppen – aber an vielen Schulen mangelt es an Tests und Plänen, wie sie zu nutzen sind. Ja, auch Tests garantieren keine absolute Sicherheit, die es ohnehin nicht geben kann. Aber es ist absolut sicher, dass Jugendliche leiden. Seit Monaten.

Nach den Ferien darf es keine Ausreden mehr geben

Wenn nur noch ein erneuter Shutdown hilft, dann doch bitte jetzt – der Kinder wegen, die ohnehin Ferien haben. So eine Pause bringt Zeit, um die Impfungen voranzutreiben, Teststrukturen an Schulen aufzubauen, Konzepte für Modellregionen, die nun eifrig lockern wollen, noch mal gründlich zu durchdenken und das mittlerweile komplett undurchsichtige Knäuel von Bund- und Länderzuständigkeiten zu entwirren und endlich klar zu kommunizieren, wohin die Reise geht. Nach den Ferien darf es keine Ausreden mehr geben. Die Kinder brauchen ihre Strukturen zurück, der Rest der Bevölkerung braucht endlich Hoffnung und Perspektive.

Und noch ein Gedanke: Die Kanzlerin spielt mit dem Gedanken, dem Bund mehr Kompetenzen in der Pandemiebekämpfung zu geben. Nur zu! Die hat der Bund nämlich längst. Eine Pflicht zum Homeoffice, eine Testpflicht für Betriebe, die Arbeit nicht nach Hause auslagern können – all das hätten Merkel und ihr Gesundheitsminister Jens Spahn seit Monaten auf den Weg bringen können. Man stelle sich wochentags morgens um acht an Einfallstraßen einer deutschen Großstadt und vergleiche den Verkehr dort mit dem vor einem Jahr. Dort können alle sehen, wie wichtig Heimarbeit für den Infektionsschutz sein kann.

 

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