Tatort-Schauspielerin Eva Löbau über Todesangst und Lebenswille

"Klar stirbst du, aber noch nicht gleich"
Fragen an das Leben - Eva Löbau

Dirk von Nayhauß

Fragen an das Leben - Eva Löbau

Todesangst hat die Schauspielerin Eva Löbau schon mal erfahren. Und dann diesen großen Lebenswillen!

In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig?

Geht die Sonne auf, schöpfe ich Hoffnung. Die Ängste, die mich vielleicht in der Nacht gequält haben, kommen mir morgens nicht mehr so gravierend vor. Beim Aufstehen dichte ich Lieder, die ich mir oder auch meinem Freund vorsinge – und dann wieder vergesse.

Was können Erwachsene von Kindern lernen?

Die Lust, etwas zu lernen. Bei mir war das ein Problem, ich bin das dritte Kind, meine älteren Geschwister waren mir immer voraus. Also habe ich so getan, als könnte ich auch schon alles. Ich kann gut so tun als ob, gehe über meine Grenze und Angst hinaus. Und dann sitze ich wieder auf einer Mauer und denke: Oh, wie komme ich da jetzt wieder runter?

Eva Löbau

Eva Löbau, geboren 1972, studierte zuerst Philosophie in Berlin, dann Schauspiel am Max-Reinhardt-­Seminar in Wien. ­Bekannt wurde sie mit Kinoproduktionen wie "Der Wald vor lauter Bäumen", "Worst Case Scenario" und "Reise nach Jerusalem". Seit 2017 ermittelt sie als Franziska Tobler im Schwarzwald-Tatort des SWR. Sie ist Mitglied der Münchner Performance­gruppe "Die Bairishe Geisha" und der Münchner Kammerspiele. Eva Löbau lebt in München und Berlin.
Dirk von NayhaußEva Löbau

Dirk von Nayhauß

Dirk von Nayhauß absolvierte die Journalistenschule Axel Springer und studierte Psychologie in Berlin (Diplom 1994). Heute arbeitet er als Journalist, Buchautor und Fotograf (vertreten durch die renommierte Fotoagentur Focus) in Berlin. Für chrismon macht er sowohl die Interviews als auch die Fotos der Rubrik "Fragen an das Leben".
Dirk von Nayhauß

Haben Sie eine Vorstellung von Gott?

Ich bin Agnostikerin, ich glaube, dass unsere Sinnes­organe nicht ausreichen, um das zu erkennen, was die Welt im ­Innersten zusammenhält oder was uns zum Teil von ­etwas Großem macht. Früher war ich Ministrantin, ­eine Zeit lang bin ich vor der Schule in die Kirche ge­gangen. Meine Großeltern schenkten mir einen Jugend­rosenkranz aus Holz, den fand ich schick. Das sei kein Spiel, mahnten sie und sagten, dass ich jetzt die Verpflichtung hätte, täglich zu beten. Doch ich kam immer in Verzug und musste zu Gott sagen: "Entschuldige, heute bin ich zu müde, ­dafür morgen zwei." Ein elender Ablasshandel. Durch den Religions­unterricht bin ich schließlich vom Glauben abgefallen, der war zu aufklärend.

"Es ist gerade noch mal gutgegangen"

Muss man den Tod fürchten?

Ich bin sehr neugierig auf den Tod, aber ich fürchte mich vor dem Sterben, vor Krankheiten und Schmerzen. Todesangst hatte ich schon öfter. Als Kind hatte ich eine Hirnhaut­entzündung, es schien, ich könnte jeden Moment sterben. Irgendwann habe ich mir gesagt: Klar stirbst du, aber noch nicht gleich. Dieses Wissen um die Vergänglichkeit ist für mich ein starker Antrieb. Und dann habe ich ja dieses sehr große körperliche Zutrauen, manchmal verschätze ich mich. Am Gardasee bin ich mal zu weit rausgeschwommen, es wurde windig, eine Strömung zog mich raus. Da kommt der Wille zum Leben! Es ist gerade noch mal gutgegangen.

Welche Liebe macht Sie glücklich?

Die Liebe, die ich empfinde – morgens beim Aufwachen gegenüber meinem Bettgenossen; aber ich kann auch die Erbsen lieben, die auf meinem Balkon wachsen. Ich will das ablegen, das Verlangen, anderen zu gefallen und geliebt zu werden, diese Art Verstellung: Ich werde so, wie ich weiß, dass du mich lieben kannst. Als ich jünger war, dachte ich, ich hätte ein Talent zum Lieben. Das ging mir zwischendurch verloren, als ich in einer Beziehung war und mich in jemand anderen verliebte. Ich habe da viel gelogen. Danach dachte ich: Alles nur Biologie, Liebe existiert gar nicht. Eine sehr unangenehme Zeit.

"Für andere kann ich sehr gut die Nerven behalten"

Wie gehen Sie mit Schuldgefühlen um?

Ich sorge dafür, dass ich welche habe! Ich begebe mich viel in Situationen, in denen ich mich schuldig fühle. Das ist halt die katholische Erziehung, ohne geht es nicht. Oft liegt es daran, dass es mir schwerfällt, mich abzugrenzen. Wenn ich unfair gehandelt habe, versuche ich, das zu ­klären, ich ducke mich nicht weg.

Wer oder was hilft in der Krise?

Für andere kann ich sehr gut die Nerven behalten, aber was mich angeht, bin ich auch von Ängsten geplagt. In Krisen helfen Expertinnen, Ärztinnen, Wissenschaft­lerinnen, Therapeuten und Automechaniker. Natürlich helfen auch Freunde, Freundinnen, solche, die mit Leichtig­keit – fast Herzlosigkeit – damit umgehen.

"Ich habe keine großen Träume"

Was braucht die Welt gerade am dringendsten?

Solidarität. Empathie über die Spezies hinaus, Tieren Leid ersparen, Landschaften nicht extra schlecht behandeln. Die Corona-Krise ist eine Spitzenzeit, um zu erkennen, dass das, was ich tue, Auswirkungen auf andere hat.

Welchen Traum möchten Sie sich unbedingt erfüllen?

Seit Jahren wünsche ich mir, über die Alpen zu wandern. In München mit leichtem Gepäck losgehen und ­mehrere Wochen zu Fuß unterwegs sein. Aber eigentlich habe ich keine großen Träume, ich finde es schön, mich un­versehens bei etwas wiederzufinden, das ich nicht geplant habe.

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