Coronaprämie für Pflegende

Dankeschön mit Beigeschmack
Statt einer Prämie brauchen Pflegende dauerhaft höhere Löhne.

Alten­pflegerinnen kriegen steuerfreie 1000 Euro extra, weil sie sich in der Corona- Krise so tapfer geschlagen haben. Das Geld kommt aus der Pflegeversicherung, Länder und Arbeitgeber können bis zu 500 Euro obendrauf legen. Ist doch eine schöne Stange Geld – zumal für jemanden, der bei einer vollen Stelle nur knapp 2900 Euro brutto verdient.

Hanna Lucassen

Hanna Lucassen ist freie Journalistin in Frankfurt/Main. Ihre Schwerpunktthemen sind soziales Engagement, Pflege, Menschen zwischen Gesundheit und Krankheit. Das kommt nicht von ungefähr: In ihrem ersten Beruf war die gebürtige Flensburgerin Krankenschwester. Danach hat sie Soziologie studiert und bei einer Fachzeitschrift volontiert. Auf chrismon.de bloggt sie unter dem Titel Pflege-leicht? Hanna Lucassen schreibt auch die Lebenserinnerungen alter Menschen auf und sucht für den Fastenkalender 7 Wochen Ohne nach schönen Worten. 
Lena UphoffPortrait Hanna Lucassen, Redaktion chrismon, Redaktions-Portraits Maerz 2017

Die Beschenkten aber reagieren verschnupft. Der Deutsche Berufsverband für Pflege­berufe nennt es ein "Dankeschön mit fadem Beigeschmack". Und genau das ist es. Nicht nur, weil es jetzt Gerangel um die Aufstockung gibt. Und die Pflegenden in den Krankenhäusern leer ausgehen. Sondern vor allem, weil es suggeriert, dass man jetzt quitt sei: Ihr habt euch engagiert, wir haben das honoriert. Danke schön, das warʼs.

Für die Pflegenden war es das aber leider nicht. Ihre Arbeitsbedingungen waren vor der Krise schon krisenhaft. Auch wenn sich Altenpflegerinnen jetzt mal ein verlängertes Wochenende im Harz leisten können – am Montag drauf hetzen sie wieder über die Flure. Und gehen abends putzen, weil ­das Geld für den Musikunterricht der Kinder nicht reicht. Pflegende fordern seit Jahrzehnten höhere Löhne und mehr Zeit für die Menschen – auch weil sonst kaum mehr jemand diesen Beruf machen will. Und was bekommen sie jetzt? Ein paar Scheine in den Kittel gesteckt. Das ist zu billig.

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Lesermeinungen

Hanna Lucassen: "Ein paar Scheine in den Kittel gesteckt. Das ist zu billig."

Na klar ist das zu billig, aber einfach nur Kritik mit einfacher/herkömmlich-gewohnter Erwartung an die "Verantwortungsträger", das ist auch zu billig.

Wo ist eure vorbildlich-nachahmenswerte Alternative, die Vision für wirklich-nachhaltige und unkorrumpierbare Wahrheit, für Zusammenleben OHNE ...???

Die Texte der Bibel sprechen Mensch an und meinen immer ALLE, den "Einzelnen/Individualbewusstsein" gibt es in ihr nicht!!!