Die Digitalisierung in der Kirche kommt zu langsam voran

Kirchturm statt Google
Die Digitalisierung vieler Bereiche des Lebens ist längst Realität. Die evangelische Kirche aber tut sich schwer, mitzuziehen.
Deutschland spricht 2019

Wer die Kirche sucht, hält am besten nach dem Kirchturm Ausschau. Die Adresse und Gottesdienstzeiten schnell zu googeln, scheint eher aussichtslos.
Die Erhebung einer Landeskirche zur Internetnutzung ergab kürzlich: Von 1000 Gemeinden waren nur 25 mit vollständigen, richtigen und aktuellen Angaben über Internetsuchmaschinen zu finden. 190 tauchten gar nicht im Netz auf.

Claudius Grigat

Claudius Grigat ist Redakteur bei chrismon und evangelisch.de. Magister in Germanistik, Soziologie und Politologie sowie Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien in Deutsch und Sozialkunde. Volontariat beim Hessischen Rundfunk, anschließend dort Redakteur und Reporter bei unterschiedlichen Radiowellen und Fernsehsendungen sowie Autor für diverse Zeitschriften.
Foto: Lena UphoffPortrait Claudius Grigat, online-Redaktion, Redaktionsportraits Maerz 2017

So viel Internetabstinenz liegt wohl nicht an berechtigten Vorbehalten gegenüber globalen Techgiganten wie Google. Wahrscheinlicher ist, dass die meisten Kirchengemeinden noch gar nicht im Internetzeitalter angekommen sind.

Mehr christliche Stimmen auf Social Media

Dabei sind die Chancen, die Onlinemedien bieten, riesig. Gerade junge Menschen lassen sich über sie erreichen. Und umgekehrt: ­Junge Leute suchen nicht den ­Kirchturm, sie suchen im Internet. Auch deshalb arbeitet zum Beispiel die rheinische Landeskirche ge­rade an einem Pilotprojekt, das alle Kirchengemeinden datenbankgestützt über Suchmaschinen auffindbar machen soll.

Gut, dass Youtube-Kanäle wie "Jana glaubt" oder "Theresa liebt" inzwischen erste Erfolge feiern. Es sollten viel mehr christliche Stimmen über diverse Social-­Media-Kanäle hörbar werden. Dafür müssen aber auch Ressourcen bereitgestellt werden. Bei der ­Digitalisierung müssen sich die Kirchen endlich anstrengen.

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