Arnd Brummer über Frauen in der katholischen Kirche

Ins Haus Gottes dürfen alle
Ein Dank an eine katholische Priesterin für eine berührende und tröstende Trauerfeier.
Deutschland spricht 2019

Als mich die Botschaft erreichte, ein sehr geschätzter und ge­liebter Onkel sei verstorben, hat mich dies tief bewegt, obwohl schon seit Wochen aufgrund seiner schweren Erkrankung mit dieser Nachricht zu rechnen war. Auf der Fahrt zur Beerdigung ins Frankenland ging mir durch den Kopf, wem aus dem Kreis der Verwandten ich dort wohl begegnen würde. Mit 
manchen Vettern und Cousinen ­pflegen wir einen dauerhaft guten Kontakt, aber keineswegs mit allen.

Arnd Brummer

Arnd Brummer ist  geschäftsführender Herausgeber von chrismon. Von der ersten Ausgabe des Magazins im Oktober 2000 bis Ende 2017 wirkte er als Chefredakteur. Nach einem Tageszeitungsvolontariat beim "Schwarzwälder Boten" arbeitete er als Kultur- und Politikredakteur bei mehreren Tageszeitungen, leitete eine Radiostation und berichtete aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn als Korrespondent über Außen-, Verteidigungs- und Gesellschaftspolitik. Seit seinem Wechsel in die Chefredaktion des "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts", dem Vorgänger von chrismon im Jahr 1991, widmet er sich zudem grundsätzlichen Fragen zum Verhältnis Kirche-Staat sowie Kirche-Gesellschaft. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt kulturwissenschaftlichen und religionssoziologischen Themen. Brummer schrieb ein Buch über die Reform des Gesundheitswesens und ist Herausgeber mehrerer Bücher zur Reform von Kirche und Diakonie. 
Lena Uphoff

Vor der Leichenhalle kam ich mit vielen jüngeren Menschen ins Gespräch. "Ach, du bis die Tochter von Hans und Hella. Und du? Philipp? Der Sohn von Lutz und Paula? ­Super! Ist wohl zwanzig Jahre her, als wir uns zuletzt gesehen hatten. Da warst du noch ein wilder Teenager!" Auch Trauerfeiern können Anlass zur ­Freude sein – und überraschen.

"Eine grandiose Pfarrerin" - in der katholischen Kirche

Die Glocke begann zu läuten. Wir betraten den Andachtsraum und setzten uns. Dann trat eine Frau mit Schleier ins Kerzenlicht. Eine Nonne mittleren Alters, begleitet von einer jungen Ministrantin. Schwester Katharina, eine Franziskanerin, sprach zu uns über Leben, Tod und Weiterleben, über Gemeinschaft unter Menschen und in Gottes Ewigkeit. Als wir hinter dem Sarg zum Grab gingen, raunte mir ein Angehöriger zu, wie sehr er sich angesprochen fühle. Dieser Mensch, der sich in zahlreichen Diskussionen während Geburtstags- oder Hochzeitspartys als Atheist und Religionsgegner präsentiert hatte, wischte sich Tränen von den Wangen und sagte: "Eine grandiose Pfarrerin! Wusste gar nicht, dass es das in der katholischen Kirche gibt." Doch, die gibt es!

Auf der Heimfahrt hörte ich im Radio von der Aktion "Maria 2.0", angestoßen von katholischen Frauen in Münster. Sie fordern die ­völlige ­Gleichbehandlung von Frauen und Männern in ihrer Kirche, die ­Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester und die Zulassung der Frauen zu diesem Amt.

An der Basis ist die katholische Kirche evangelisch

Während ich dies hörte, er­schienen mir zahlreiche Frauen am Himmel über meiner Windschutzscheibe, die mir in den vergangenen Jahren in ­katholischen Kirchen begegnet ­waren. Sie hielten Gottesdienst, weihten und trösteten. Nur dürfen sie ­offiziell nicht als das bezeichnet werden, was sie tatsächlich sind: Priesterinnen im Namen Gottes, Pfarrerinnen. Sie bestätigten meine Erkenntnis: An der Basis ist die ­katholische Kirche längst evangelisch.

Und gerade in diesem Moment tönte aus dem Lautsprecher die ­Reaktion des Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa auf die "Maria 2.0"-
Initiative. Sie sei "nicht im Sinne des katholischen Glaubens", zitierte die Sprecherin. Wer mit der Ordnung der Kirche hadere, dem stehe es frei, sie zu verlassen! Immerhin werde aber für jene, "die am Glauben ­zweifeln oder mit der Ordnung der Kirche hadern, in den Fürbitten der Gottesdienste gebetet".

Das Haus heißt Ökumene

Aus meiner Sicht verwechselte ­Bischof Zdarsa zwei Begriffe. Mag sein, dass "Maria 2.0" nicht "römisch" ist, weil sie der geltenden päpstlichen Ordnung widerspricht und statt einer Monarchie auf den "synodalen Weg" setzt: ein freies Gespräch mit allen Glaubenden über Amt, Sexualmoral und Missbrauch. "Katholisch" ist die Aktion jedoch allemal, weil sie den eigentlichen Sinn des griechischen Wortes beschreibt: umfassend, alle einschließend.

Während der Trauerfeier ließ Schwester Katharina das Spiritual "Go, Tell It On The Mountain" singen, mit dem deutschen Text von Friedrich Walz: "Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein." Kehrvers: "Sein Haus hat off’ne Türen, er ruft uns in Geduld, will alle zu sich ­führen, auch die mit Not und Schuld." Das Haus heißt "Ökumene". Auch Bischof Zdarsa und seine Gesinnungsbrüder dürfen rein.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit der Feststellung, an der Basis sei die katholische Kirche längst evangelisch, könnte Arnd Brummer - leider – richtig liegen. Für diese Entwicklung wird die katholische Kirche insgesamt allerdings einen hohen Preis zahlen: Sie dürfte ebenfalls in der Bedeutungslosigkeit versinken, wenn sie sich am evangelischen „Vorbild“ orientiert und theologische Beliebigkeit mit Anpassung an den rot-grünen Zeitgeist verbindet.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Lakebrink

Sehr geehrte Damen und Herren!
Der von Ihnen veröffentlicht Artikel: Chrismon 07.2019 Artikel:Brummers Welt „Ins Haus Gottes dürfen alle“ ruft meinen Widerspruch hervor.
Im Namen der Ökumene sollten so böswillig antikatholische Artikel unterbleiben.
• Der Untertitel “Dank an eine katholische Priesterin für eine berührende und tröstende Trauerfeier“ ist sachlich falsch. Es gibt keine katholischen Priesterinnen, außer bei den Altkatholiken. Aber es gibt Beauftragte (männlich und weiblich) für Trauerfeiern, diese müssen keine geweihten Priester sein. Katholische Priester können nach (römisch)-katholischer Rechtslage nur männlich sein. Katholische Pfarrerinnen gibt es nicht. Weiß das Ihr Autor nicht oder will er provozieren?
• Die sehr persönlich und subjektive Meinung: „An der Basisist die katholische Kirche längst evangelisch“ widerspricht jedem ökumenischen Geist. So etwas dürfte heut nicht mehr verbreitet werden.
• Die Initiative „Maria 2.0“, die bewußt die Feier der Sonntagsmesse mit einem Priester verweigert, ist nicht im Sinne des (römisch)-katholischen Glaubens. Da hat der emeritierte Bischof Dr. Konrad Zdarsa vollkommen recht.
Ich halte diesen ganzen Artikel als gegen die Ökumene gerichtet und lasse mich nicht evangelisch (egal, welcher Denomination) vereinnahmen.
M.f.G.
Hans-Wolfgang Müller.

Sehr geehrte Damen und Herren,
darf ich eine etwas heftige Kritik an Brümmers Welt "Ins Haus Gottes dürfen alle" einbringen.
So geht Ökumene nicht! Es ist mehr als überheblich zu meinen: "An der Basis ist die katholische Kirche längst evangelisch". Das beinhaltet neben einer nicht zutreffenden Behauptung auch noch die der Ökumene schadende Aussage, dass die evangelische Kirche die einzige wahre ist.
Eine Ordensschwester ist auch keine Priesterin. Hier geht es um mehr als eine willkürliche Definition. Natürlich gibt es viele Frauen in wertvollen Ämtern und Diensten, die die katholische Kirche mittragen und unverzichtbar sind. Doch sind sie keine Priesterinnen. Es wäre hilfreich, sich vom hohen Ross des Evangelischen aus auch mit den katholischen Inhalten in Ernsthaftigkeit auseinanderzusetzen. Ein polemisches Abkanzeln des Bischofs Zdarsa ist ebenfalls geschmacklos.

Ökumene geht anders: Gegenseitiges Akzeptieren, Finden von Gemeinsamkeiten, Überwinden von Anschuldigungen, Unterschiede abwägen, Sprechen über Inhalte und was jeweils wichtig und unverzichtbar ist, gemeinsam nach Gottes Willen fragen und um seine Hilfe bitten,...

Spaltung überwinden kann übrigens nur Gott, das ist kein Menschenwerk.

Norbert Michalke

Ehe ev./kath. In Speyer vor Jahren eine 25Jahr-Ehejubiläumsfeier. Wir waren eingeladen. Aus Versehen, mit Absicht? Bei den Protestanten gab es diese Feier bei uns noch nicht. Ein Priester hat uns zur Erneuerung des Eheglöbnisses gesegnet. Hinterher den Priester gefragt, ob es denn zweierlei Segnung gibt und ich, weil evangelisch, der Segnung nicht würdig war und bin. Antwort: Die Segnung ist gültig. Auch wenn er vorher von der "Zweischneidigkeit" gewußt hätte, er hätte uns gesegnet. Der Priester: Eine Angestellte der Diäzöse war in einer ähnlichen Situation. Sie sprach Kardinal Lehmann an. Antwort: Gehen Sie zu einem Priester Ihres Vertrauens. Das war der, der auch uns gesegnet hat. Antwort von Lehmann: Dann sind sie auf der richtigen Seite. Kürzlich war ich auf einer Beerdigung im Spessart. Ein nahezu 80jähriger Priester. In seiner Andacht sage er, dass ihm einer seiner Lehrer schon vor langer Zeit gesagt hat, dass in der alten christlichen Literatur das Zölibat nicht gefordert wurde. Nur in der späteren frühchristlichen Zeit kam diese angeblich historische Forderung auf. Weiter der Priester: Wer in einer Mischehe (was für eine fürchterliche Bezeichnung!) das Sakrament haben möchte, sich aber in der heimatlichen Gesellschaft nicht traut, der solle doch bitte in eine Pfarrei gehen, wo ihn niemand kennt. Hat der Priester das gesagt, weil er keine Abmahnung befürchten muß, weil er mit 80 Jahren endlich frei ist, weil er unersetzlich ist, oder weil er auch weis, dass er in seiner Gemeinschaft nicht der Einzige ist, der so denkt? Wenn ich an die unerweichlichen verknöcherten "Erzengel-Priester" aus einigen Diäzösen denke, dann hat Franziskus keinen leichten Stand.